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Blog 2022

 

Fluch und Segen in einer Pflanze                                                                                                                             2022.11.13

Salvia 'Amistad', Blume der Menschenrechte!?                                                                                                        2022.10.15

Acis autumnalis - ein Mythos und der Klimawandel                                                                                                  2022-09-19

Anemonopsis - Abschied von einer Lieblingspflanze?                                                                                              2022-08-25

Hoher Sommer-Phlox: Wer zählt die Sorten,   wer kennt die Namen?                                                                     2022-07-31           

Traumhaft - Steppenkerzen                                                                                                                                       2022-06-18

 Designed by Nature: Tränendes Herz                                                                                                                      2022-05-29

Mr. Robinsons Summer Snowflake                                                                                                                2022-04-25

Huflattich als  "Kuckucksei" eines Gärtners                                                                                             2022-03-21

Wo bleibt dein Duft, liebe Sarcococca?                                                                                                       2022-02-14

Gartenkunst vom Feinsten mit Moosen und Farnen                                                                                2022-01-10

 

Fluch und Segen in einer Pflanze   2022.11.13

Gut, das es so alte und fast ungebräuchlich gewordene Begriffe wie "Fluch" und  "Segen" noch gibt. Ich wüsste sonst gar nicht, wie ich mich ausdrücken sollte. Im konkreten Fall geht es um eine Aster, die mir im wahrsten Sinne des Wortes zugeflogen sein muss. Ich kann mich jedenfalls nicht erinnern, sie gepflanzt zu haben und ich bin auch nicht in der Lage, Art oder gar Sorte zu bestimmen. Da Astern im Allgemeinen, wenn sie mal Fuß gefasst haben, sehr alt werden, fehlen mit leider Aufzeichnungen.  Ich weiß, dass ich vor einigen Jahren eine Aster ageratoides Sorte gekauft und bald wieder herausgenommen habe, weil sie Ausläufer in die Rosen trieb (was das Jäten schmerzhaft macht) und sich auch schnell viele Sämlinge fanden, die ebenfalls ein aggressives Wurzelwerk zeigten. Aber weder von der Größe noch von der Blattbeschreibung .passt das vollständig zu meiner  Aster. Möglicherweise ist auch Aster pringlei Ausgangspunkt, was aber von der Blütenfarbe nicht passt und auch als "zahm" gilt. Vielleicht hilft mir ja eine Leserin oder ein Leser. Vermutlich handelt es sich also um einen Sämling, bei dem sich verschiedene Asternarten gekreuzt haben. Im Garten gibt es zwei weitere ähnliche unbekannte Asternwesen, die allerdings größenmäßig etwas zurückhaltender sind. Auf diesem Foto wrid das Ausmaß der Asternpflanze deutlichAuf diesem Foto wrid das Ausmaß der Asternpflanze deutlich

Wo liegt der Segen? Die Blütenfülle ist überwältigend. Die Blütenstiele verzweigen sich im oberen Drittel vielfach, so dass die Pflanze übersät mit Blüten erscheint und einen Bereich von 1,5 qm überdeckt. Die bogig überhängenden Triebe  habe ich etwas gestützt. Sie überdecken mehrere andere unansehnlich gewordene Pflanzen, so zwei Päonien und einen Phlox. Die 3 cm großen Blüten sind  lichtviolett und sternförmig. Die Blütezeit reichte in diesem warmen Herbst von Ende September bis Anfang November und bildete einen schönen Übergang von der Astern- zur Chrysanthemenblüte. Denn zu Beginn der Chrysanthemenblüte waren alle anderen Astern bereits verblüht.

Blüten über BlütenBlüten über BlütenUnd der Fluch? Was soll ich gegen den Ausbreitungsdrang tun? Klar. Ich habe jetzt alle Stängel ab der oberen Hälfte, da wo die Blüten waren,  abgeschnitten und nicht in den Kompost, sondern in die braune Tonne gelegt. Diese war damit voll.  Wenn ich rechtzeitig gehandelt habe, gibt es keine Aussaat. Noch im Sommer habe ich die Pflanze kaum wahrgenommen. Jetzt aber sehe ich, dass die Triebe nicht einmal Angst vor Luzifer haben, ich meine die Montbretie Crocosmia x crocosmiiflora 'Lucifer', die auch nicht gerade zimperlich bei der Ausbreitung ist. In breiter Front hat sich die Aster dazwischen gedrängt. Soll ich das lassen? Immerhin, das sehe ich als Vorteil an, macht die Pflanze keine Fernausläufer, wie z.B. der Federmohn, sondern breitet sich flächig, aber konsequent aus.

Der lichte Violettton kommt auf diesem Foto gut herausDer lichte Violettton kommt auf diesem Foto gut herausFedermohn (Macleaya cordata) ist eine imposante  bis zu 3 m hohe Staude mit einem extrem  schönen Blattwerk. Nur macht er massenhaft Fernausläufer, die dann irgendwo in der Nähe aus dem Boden schießen. Als ich das Gefühl hatte, mich davor nicht mehr retten  zu können, habe  ich vor einigen Jahren mühsam Pflanze und Ausläufer entfernt. Der Federmohn  ist für mich ein Beispiel, wie auch renommierte Gartengestalter zu wenig an die Folgen denken. Zu Ehren von Ernst Pagels (1913-2007), einem der größten deutschen Staudenzüchter, hat Peter Janke in dessen Garten in Leer/Ostfriesland ein Beet gestaltet und u a. Federmohn gepflanzt. Ernst  Pagels war zu diesem Zeitpunkt schon in hohem Alter und es ist bekannt, dass er immer noch selbst sich mit viel Mühe um seinen Garten gekümmert hat. Nach seinem Tod betreut ein Verein ehrenamtlich mit viel Liebe, aber sehr begrenzten Mitteln, den Garten. Als ich vor einiger Zeit den Garten besucht habe, war erkennbar, dass es schwerfiel, diese Stück Gartenkultur zu erhalten. Das Janke-Beet bestand zu diesem Zeitpunkt  hauptsächlich aus Federmohn. Ich frage mich, ob ein Gartengestalter nicht hätte einkalkulieren sollen, dass die Pflege aufgrund der zu erwartenden künftigen Umstände schwierig werden würde. 

Bei Gaißmayer gibt es eine Liste von 70 "Fluch und Segen Pflanzen", die sich sicher vielfach verlängern ließe. Auch Astern sind dabei. Ich habe die Liste mal durchgesehen. Zumindest, was den Segen angeht, kann meine Aster gut mithalten.

 Hinweise:

Auf der Website des "Fördervereins Ernst Pagels Garten" https://www.pagels-garten.de/ findet man unter Einladung zum Rundgang auch Fotos des "Peter Janke Beetes". Man erkennt den Federmohn an beiden Bildrändern des 1. Fotos und auch im 2. Foto.

https://www.peter-janke-gartenkonzepte.de/de/

https://www.gaissmayer.de/web/shop/themenwelten/mit-stauden-gestalten/wuchsformen/ausbreitungsfreudige-stauden/ausbreitung-durch-auslaeufer/109/

 

 

 

 

 

 

 

 

Salbei 'Amistad', Blume der Menschenrechte!? 2022.10.15

Salvia 'Amistad' mit "nachtvioletten" Kelchblättern und Stängeln und violetter BlüteSalvia 'Amistad' mit "nachtvioletten" Kelchblättern und Stängeln und violetter BlüteZum ersten Mal sah ich ihn im Hermannshof in Weinheim, diesem Mekka der modernen Gartengestaltrung: Salvia 'Amistad'. Es war diese Empfindung, die Pflanzenbegeisterte erfasst, wenn sie vor einer neuen schönen Pflanze stehen und mich normalerweise am stärksten ergreift, wenn ich  wieder einmal die Welt der alpinen Flora erleben darf. Aus nachtvioletten (Wortschöpfung der Gärtnerei Staudenfan) Blütenkelchen an gleichfarbigen bis zu 90 cm langen Blütenstielen zeigten sich die großen leuchtend dunkelvioletten, in einer einseitswendigen Ähre aufblühenden Lippenblüten des Salbeis.

 Mein baldiger Versuch, 'Amistad' in meinem Garten zu pflanzen, misslang. An die falsche Stelle gepflanzt oder zu wenig Winterschutz? Ich verlor die Pflanze aus den Augen.  Bei einem Besuch im Frühjahr im Garten von Margit Lind-Eging, (vgl. Januarblog 2022 - Moostisch), erhielt ich von ihr drei Amistad-Stecklinge. Zwei davon habe ich im Beet ausgepflanzt, einen Der ehemalige 'Amistad'-Steckling  im Topf mit acht Blütentrieben im Oktober, obwohl zunächst mehrere vom Wind abgebrochen wurden.Der ehemalige 'Amistad'-Steckling im Topf mit acht Blütentrieben im Oktober, obwohl zunächst mehrere vom Wind abgebrochen wurden.für den Topf reserviert. Alle drei entwickelten sich erstaunlich schnell und blühen jetzt schon über mehrere Monate. Bei der Pflanze im Topf ging das zu schnell. Die etwa steifen Triebe brachen bei Wind ab, bevor die Blüten sich entfalten konnten. Da hatte ich wohl zu viel gedüngt. Etwas abgestützt blüht auch diese Pflanze mit den beiden anderen um die Wette. Noch kann ich es nicht in vollem Umfang nachweisen, aber überall wird beschrieben, dass Amistad von Juni (manche sagen von Ende Mai) bis zum  Frost blühen soll.

Erstaunlich ist, dass die Herkunft von Amistad anscheinend ziemlich unklar ist. Der Salbei sei auf einem Markt in Argentinien aufgetaucht und dann in Kultur genommen worden, liest man.  Wer hat Salvia 'Amistad' gezüchtet?  Unklar! Aber gezüchtet worden sein muss Salvia 'Amistad', denn es handelt sich offenkundig um eine Hybride, bei der ein Elternteil Salvia guaranitica sein muss. Die Verwandtschaft mit der ähnlichen Guaranitica-Züchtung Salvia 'Black and Blue' ist offenkundig. Der einprägsame Name Amistad bedeutet im Spanischen Freundschaft; was für eine Pflanze ziemlich ungewöhnlich ist.

Unwahrscheinlich,  aber immerhin denkbar wäre, dass sich der Name auf die "Amistad Revolte" von 1839 bezieht, die auf dem amerikanischen Kontinent sehr im Bewusstsein ist, denn es handelt sich um einen Meilenstein in der Geschichte der Menschenrechte noch vor der Abschaffung der Sklaverei in den USA. Amistad war der Name eines Schiffes mit 53 afrikanischen Sklaven des Volkes der Mende (heutet Sierra Leone). Auf dem Weg zu einem Hafen auf Kuba befreiten sich die Sklaven ihrer Ketten, töteten den Kapitän und den Schiffskoch und forderten den neuen Schiffsführer auf, nach Afrika zurück zu segeln. Stattdessen landete die Amistad jedoch auf Long Island und die Afrikaner wurden in den USA ins Gefängnis geworfen. Wem gehörten die Sklaven nun? Mord und Meuterei oder Notwehr? Über diese Fragen kam es zum Streit vor Gericht, der schließlich beim Supreme Court  landete.  Dieser entschied, die Afrikaner seien in ihrem Heimatland nach dem dortigen Recht freie Menschen gewesen und illegal verschleppt worden. Deswegen seien sie freizulassen. Eine Bürgerbewegung der USA zur Abschaffung der Sklaverei sammelte Geld und ermöglichte die Rückkehr der Afrikaner in ihre Heimat. Deren Anführer, Sengbe Pieh, wurde von den Bürgerrechtlern als Held gefeiert. Aber nur 35 der Verschleppten überlebten die Odyssee.

Amistad, die Blume der Menschenrechte!  Das gefällt mir und wenn ich mit dieser Namensbegründung zur Legendenbildung beitrage,  ist es mir ausnahmsweise recht.

'Amistad' im Herbstbeet mit Rudbeckia hirta (Rauer Sonnenhut) und knospender Chrysantheme 'Amistad' im Herbstbeet mit Rudbeckia hirta (Rauer Sonnenhut) und knospender Chrysantheme

Zwar mag vieles im Zusammenhang mit Salvia 'Amistad' unklar sein, sicher ist  aber die Herkunft der Ausgangsarten dieser Salbeisorte in den südamerikanischen Bergen. Damit ist  auch klar, wo das Problem von Salvia 'Amistad' für uns in Mitteleuropa liegt. Die Pflanze ist nur bedingt winterhart.  Ich werde also die Exemplare im Beet im Winter mit Laub abdecken und dann hoffen. Der Topf kommt in den (kühlen) Wintergarten, wo er geschützt ist. Treibt irgend etwas wieder aus, werde ich Vorbildnachfolge üben und Stecklinge schneiden, für mich und andere. Amistad unter Staudenfreunden eben.

Bezugsquelle: https://staudenfan.de/shop/

Zur Amistad Revolte: https://www.law.cornell.edu/background/amistad/revolt.html; https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/aufstand-auf-der-amistad-3581128.html

 

PS: Peinlich -  oder Gehirn schlägt Auge.

Im Augustblog hatte ich über die Lieblingsblume Anemonopsis geschrieben, in der Überschrift hieß es jedoch "Anemopis". Trotz sicher mehrfachen Lesens der Überschrift ist mir der Fehler nicht aufgefallen. Kenne ich die Namen von Lieblingsblumen nicht? Doch,  den von Anemonopsis ganz gewiss. Ein Tippfehler - und das Gehirn wusste, wie der Name ist und hat das Auge korrigiert mit der Folge, dass ich ihn nicht bemerkt habe.

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Acis  autumnalis  -  ein Mythos und der Klimawandel 2022-09-19

Acis autumnalis am Naturstandort der Alcornocales Berge in Andalusiien. Bild: Florian KirchhofAcis autumnalis am Naturstandort der Alcornocales Berge in Andalusiien. Bild: Florian Kirchhof

Was hat  Georg Friedrich Händels "Acis und Galatea" mit der Herbst-Knotenblume zu tun? Wie so oft bei botanischen Namen (vgl. auch Archiv, Blog 2017-10, Liriope) wird auch bei der Herbstknotenblume (Acis autumnalis) auf die griechische Mythologie zurückgegriffen. Das tat auch Händel für die Story seines Musikstücks, genauer, er bediente sich der Darstellung des Geschehens in Ovids Metamorphosen. Galatea war eine Nymphe und die Geliebte des Polyphem, jenes sizilianischen einäugigen und etwas ungeschlachten Kyklopen, Herr über viele Schafe, der in einer anderen Geschichte von Odysseus überlistet wurde. Als Galatea sich mit dem jungen, gut aussehenden Schäfer Acis ein Schäferstündchen leistete, wurden die beiden von Polyphem überrascht. Voller Eifersucht riss er einen riesigen Felsbrocken aus dem Ätna und erschlug den hilflosen Acis. Galatea aber verwandelte das herausfließende Blut des Acis in einen Fluss. Dieser Fluss Acis wird in antiken Schriften wegen seines kalten Wassers mehrfach erwähnt. Heute müssen wir feststellen, dass der wütende Polyphem wohl ein zweites Mal zugeschlagen hat, denn der Fluss Acis ist durch Ätna-Ausbrüche verschüttet worden und nicht mehr vorhanden. Der Name der Stadt Acireale erinnert jedoch noch daran.

Wenn ich im Augustblog davon geschrieben habe, dass wir uns im Zuge zunehmender Sommertrockenheit vielleicht von manchen liebgewordenen Pflanzen trennen müssen, dann sind Herbstgeophyten, wie die Herbst-Knotenblume (Acis autumnalis) in unseren Gärten eher die Gewinner des Klimawandels. Wir kennen bisher vor allem die heimischen Frühjahrsgeophyten. Das sind Pflanzen, wie das Buschwindröschen, die sich für Blüte und Blattbildung das Licht des blattlosen Waldes im Frühjahr zunutze machen und schnell vergehen, wenn sich das Laubdach der Bäume entfaltet, weil dann zu wenig Licht für sie übrig bleibt. Die restlichen Jahreszeiten überrdauern sie unterirdisch mittels Speicherorganen, wie Zwiebeln oder Knollen. Herbstgeophyten nutzen das gleiche Prinzip, nur wird hier die Sommertrockenheit überdauert.Die grazilen Blättervon Acis autumnalis  erscheinen im Garten gleichzeitig mit den Blüten und sind deutlich länger als die BlütenstängelDie grazilen Blättervon Acis autumnalis erscheinen im Garten gleichzeitig mit den Blüten und sind deutlich länger als die Blütenstängel

Das Besondere an Acis autumnalis ist, dass die Pflanze zwei heimische Frühjahrsgeophyten als Gegenstück hat. Es sind der Märzenbecher (Leucojum vernum) und die im April blühende, irritierend so genannte Sommer-Knotenblume (Leucojum aestivum - Blog  2022-04), die aber feuchte Böden wünschen. Bis vor wenigen Jahren waren alle drei Pflanzen in der Gattung Leucojum versammelt. Nun hat man Acis als Das heimische Frühjahrs-Gegenstück zu Acis: Der Märzenbecher (Leucojum vernum) hat größere "dickere"  BlütenDas heimische Frühjahrs-Gegenstück zu Acis: Der Märzenbecher (Leucojum vernum) hat größere "dickere" Blüteneigene Gattung ausgegliedert. Acis autumnalis ist dem Märzenbecher auch ähnlich, jedoch zierlicher in der Gestalt und mit einer kleineren duftigen Blüte, die nicht die grün-gelben Tupfer auf den Spitzen der Blütenblätter hat wie der Märzenbecher. Kein Wunder, dass ich gelesen habe, Acis habe keine Fernwirkung. In der Tat muss man schon näher herangehen, um den Winzling zu betrachten. Dazu hat man genügend Zeit, denn die Pflanze blüht von Ende August bis mindesten Mitte September.

Ich habe sie an zwei Standorten im Garten. In einem 60 x60 cm  in die Terrasse eingelassenen Pflanzbeet in der Ecke zwischen Haus und Wintergarten und in einem kleinen Hangsteingarten, ebenfalls Noch einmal der Naturstandort: Gelegentlich sind zwei Blüten an einem Stängel. Bild: Florian KirchhofNoch einmal der Naturstandort: Gelegentlich sind zwei Blüten an einem Stängel. Bild: Florian Kirchhofdirekt am Haus. Durch den Dachüberhang fällt an beiden Stellen nur selten Regen. Dort sind sie auch etwas vor Frost geschützt, was sinnvoll ist, denn ihr natürliches Verbreitungsgebiet sind u.a. Sizilien (sh. den Mythos) und vergleichbare Lagen des Mittelmeerraumes. 

Die Blätter des Winzlings sind rundlich dünn wie die eines kleinen Lauchs und so unauffällig, dass man sie kaum sehen kann. Sie erscheinen in meinem Garten gleichzeitig mit der Blüte, während in der Literatur zu finden ist, dass sie sich erst nach der Blüte entwickeln.

Auch wenn Acis autumnalis in unseren Breiten ein Klimagewinner sein sollte:  Ein Ausgleich für die Klimaverlierer, die der Sommertrockenheit zum Opfer zu fallen drohen,  ist die kleine Pflanze nicht, ebenso wie andere Herbstgeophyten aus südlichen Ländern, z.B. der Herbst-Goldbecher (Sternbergia lutea, Blog 2020-09). Denn dann müssten wir akzeptieren, dass die Gärten im Sommer, von einigen Bäumen abgesehen, braun sind. So bleibt Acis autumnalis, auch wegen seiner Unscheinbarkeit, ein echte Liebhaberpflanze, aber eine  sympathische. Vielleicht mache ich mich im nächsten Herbst nach Sizilien auf. Den Fluss Acis werde ich wohl nicht finden, möglichst aber diese kleine Zwiebelpflanze namens Acis.

Bezugsquellen: https://www.nijssentuin.nl/24-nieuwe-oogst; https://www.sarastro-stauden.com/shop

Zur Rezeption de Mythos von Acis, Galatea und Polyphem in der Kunstgeschichte  https://de.wikipedia.org/wiki/Galateia

 


 

Anemonopsis - Abschied von einer Lieblingspflanze?                  2022.08.25            

Wenn in Katalogen und bei Sortensichtungen eine Pflanze als Liebhaberpflanze bezeichnet wird, ist das selten ein Lob. Vielmehr gilt sie dann als heikel, schwer  zu halten, schwachwüchsig oder krankheitsanfällig. Auch Anemonopsis macrophylla (Scheinanemone) wird manchmal mit diesem Etikett belegt. Sie war aber immer eine meiner Lieblingspflanzen. Wenn man ihr den richtigen Standort gab, dann traf auch keines der oben genannten Adjektive zu. D.h. sie wünscht feuchten, humosen, eher sauren Halbschatten, vielleicht auch sogar Schatten. In der Vergrößerung zeigen sich im Inneren der Anemonopsisblüte kleine lilabene "Leopardenflecken"In der Vergrößerung zeigen sich im Inneren der Anemonopsisblüte kleine lilabene "Leopardenflecken"

Toll finde ich an dieser Pflanze niciht nur das feine mehrfach  gefiederte Blattwerk, das niedrig bleibt, während sich die blattlosen Blütenstängel  drahtig  in einem leichten Bogen 60-80 cm darüber erheben. Das wirkt elegant und grazil und lässt sich leider im Foto sehr schwer einfangen.. Die Blüten sind in einer lockeren traubigen Rispe angeordnet und nicken leicht, so dass man die schöne Vorderseite oft nicht sofort sieht. Die Einzelblüte hat weiße, anemonenförmige äußere Blütenblätter, während die inneren zart-rosaviolett  sind und sich zu einem Krönchen zusammentun. 

Mit RhdodendrenMit RhdodendrenIch habe die Scheinananemone an zwei Standorten, einmal im Vorgarten, wo sie zwischen Hortensien unterr dem Baumdach einer Mispel hervorlugen und an einer anderen Stelle bei mittelhohen Kamelien und Rhododendren.

Das Problem: die heißen Sommer. Wurde der letzte Sommer noch ganz gut überstanden, sind in diesem Jahr trotz gelegentlicher Brunnenbewässerung bei denjeingen Scheinanemonem, die zwischen den Hortensien stehen, die Blüten vertrocknet und auch das Laub sieht nicht gut aus. Am anderen Standort blüht die Pflanze, allerdings mit kleineren Blüten als sonst und diese sind auch viel schneller verblüht als üblich. Auch das Laub hat braune Ränder bekommen. Laut dem Anemonenbuch von Klaus Kaiser darf der Boden für die " Foto aus 2021: Damals sind die Blüten der Scheinanemonen im Vorgarten noch nicht vertrocknetFoto aus 2021: Damals sind die Blüten der Scheinanemonen im Vorgarten noch nicht vertrocknetvornehme, zarte Schönheit" nicht austrocknen.

Was tun? Sich damit abfinden? In der Augustnummer 2022 der Gartenpraxis meint der Herausgeber, Folko Kullmann, im Editorial,  es sei verantwortungslos, dass Gartencenter immer noch munter Hortensien etc. verkaufen, die doch für die künftigen Sommer nicht geeignet seien. In derselben Nummer der Zeitschrift (S. 42) ist eine Empfehlung der Autorinnen einer Artikelserie über Klimawandel im Garten, Lena Fröhler und Dr. Annette Bucher, für trockenresistente Pflanzen zu lesen. Der Boden im Garten soll 15 -  20 cm abgetragen werden und dann soll mineralisches Substrat, wie Schotter, Kies oder Sand aufgetragen werden. Vor einer massenhaften Befolgung dieser Empfehlung kann ich nur warnen. Soll das ernst gemeint sein, dass wir unsere Gärten jetzt um Die Blätter zeigen braune Ränder, ein Zeichen der TrockenheitDie Blätter zeigen braune Ränder, ein Zeichen der Trockenheitdes schönen Mutterbodens berauben und stattdessen mit inerten Mineralien 20 cm tief bedecken. Hat man da noch nie etwas vom Nachhaltigkeitsziel der Ressourcenschonung gehört. Auch Sand und Kies sind nicht endlich. Es ist schon schlimm genug, dass immer mehr Planer das Mulchen mit Mineralien statt mit pflanzlichem Material empfehlen, am besten mit Lavakies aus der Vukaneifel. Es gibt ja noch genug Vulkankegel dort. 

Ja, das war jetzt polemisch. Aber ich kann es nicht glauben, das wir unsere Böden so verderben sollen. Gibt es überhaupt keine Pflanzen, die mt unseren Böden auch bei Trockenheit zurechtkommen? Müssen wir mehr beschatten? Zurecht fordert Folko Kullmann Antworten von der gartenplanerischen Seite.

Ich habe beschlossen, in Bezug auf die Scheinanemonen abzuwarten, wie die weitere Entwicklung verläuft.Vielleicht werde ich mir sogar noch die Sorte 'White Swan'  - mit weißem Krönchen -  kaufen. Außerdem habe ich von den Samen des letzten Jahres  10 Sämlinge gezogen. Es stimmt, was ich gelesen habe, sie wachsen langsam (deswegen  kosten diese Pflanzen auch etwas mehr als  andere).  Mit den aus Samen gezogenen Anemonopsis kann ich jedenfalls noch ein paar andere Ecken meines Gartens austesten. Dennoch: Sehr optimistisch bin ich nicht.

Literatur: Klaus Kaiser, Anemonen, 1995; https://www.baumschule-horstmann.de/gattung/scheinanemone

Bezugssquellen: https://staudenfan.de (auch die Sorte 'White Swan'); https://shop.stauden-kirschenlohr.de/;

Nachtrag zum Beitrag über Phlox: Das 'Foto zeigt Phlox paniculata 'Blue Paradise' mit der zweiten Blüte Ende August nach dem Remontierschnitt. Die Blütenfarbe ist jetzt blasser und geht stärker ins Lilafarbene. 

 


 

Hoher Sommer-Phlox: Wer zählt die Sorten, wer kennt die Namen?          2022-07-31 

Nein, ich zitiere ihn nicht, den berühmten Satz von Karl Förster, was ein Garten ohne Phlox ist. Für viele Staudenfreundinnen und -freunde unter den Lesern dieses Blogs wäre das einfach zu  altbekannt. Und eigentlich habe ich mich lange gescheut, über Phlox, genauer über Phlox paniculata, denn es gibt ja viele Arten der Gattung Phlox, zu schreiben.  Denn dazu gibt es genug nachzulesen und hinzu kommt, dass ich bei den meisten meiner Phlox paniculata  Pflanzen, die genaue Sorte nicht (mehr) weiß. Deswegen will ich mich hier ganz auf meine eigenen bescheidenen Erfahrungen konzentrieren.Traumpaar: Phox paniculata 'Blue Paradise' und Eryngium giganteumTraumpaar: Phox paniculata 'Blue Paradise' und Eryngium giganteum

Andererseits hat mein Garten offenkundig einen Phlox -Boden.  Gerade bei Phlox gilt ja, dass er regional sehr unterschiedlich gedeiht, wie   Gaißmayer in dem als Literatur ziterten Artikel hervorhebt.  In meinm Garten gedeiht der hohe Sommerrphlox überall: im eher schattigen Vorgarten, in der Sonne und im Halbschatten. Wünschenswert ist nämlich, so Gaißmayer  "ein lehmiger, nährstoffreicher Boden, der Feuchtigkeit speichern kann". 

Phlox paniculata 'Düsterlohe' - man erkennt die im Verblühen stattfindende FarbänderungPhlox paniculata 'Düsterlohe' - man erkennt die im Verblühen stattfindende FarbänderungInsgesamt habe ich zurzeit  12 Phloxpflanzen verschiedenster Sorten (und vielleicht auch Sämlinge)  in meinem Garten. Zwei Sorten kenne ich genau, zumal sie leicht zu identifizieren sind. Da ist zum einen die Förster-Sorte 'Düsterlohe'. Sie behauptet sich im sonnigen Beet schon seit 2002, wie ich in meinen Bestellzetteln gefunden habe, neben sibirischer Iris und Taglilie. Ihr Purpurviolett, das sich beim Verblühen  in ein sehr helles Violettblau verfärbt , ist ziemlich einmalig. Die Pflanze ist sehr  gesund, allerdings nicht ganz standfest, was aber im Staudenverbund keine Probleme macht.

Ähnliches gilt für die je nach Lichteinfall, vor allem morgens und abends,  fast blaue Sorte 'Blue Paradise'. Soweit mir bekannt, dürfte es die "blaueste "Phlox paniculata Sorte sein. Auch 'Blue Paradise' ist bei mir Sorte 'Sweet Summer Candy'?Sorte 'Sweet Summer Candy'?seit  Jahren ziemlich gesund, muss allerdings ein wenig gestützt werden. Zum jetzigen Zeitpunkt ist sie bereits verblüht. Wenn nichts schiefgeht, erwacht sie zu neuer, etwas schwächerer  Blüte, nachdem ich die verblühten Blütenstände oberhalb des oberstenBlattpaares abgeschnitten habe. Ein traumhafter Partner ist die Elfenbeindistel (Eryngium giganteum - Archiv 2018.07), was aber nicht jedes Jahr gelingt, weil diese zweijährige Pflanze sich zwar gut versamt, aber wegen der Pfahlwurzel schlecht verpflanzen lässt.

Sehr standfest ist eine Sorte, bei der es ich um 'Sweet Summer Candy' handeln dürfte un die mir persönlich sehr gut gefällt.  Sie hat relativ kleine Blüten in Rosa, mit rotem Auge, das von einem weißen Stern umgeben ist. Makellos stehen die Blütendolden auf festen 70 cm hohen 90 cm hoch, sehr standfest trotz beginnender Blattkrankheit. Sorte? 90 cm hoch, sehr standfest trotz beginnender Blattkrankheit. Sorte? Stängeln.

Phloxkrankheiten, von den oft berichtet wird, kommen erstaunlichweise bei meinen Phloxpflanzen kaum vor. Eine Sorte mit  fleiderfarbenen Blüten und kleinem roten Strahlenkranz, die ich nicht identifizeren kann, steht zwar fest auf  1 m hohen Stängeln , aber das Problem sind die Blätter, die  an einer der Phloxkrankheiten jedes  Jahr aufs Neue leiden. Vermutlich sind es Blattälchen, jedenfalls kein Mehltau.   Eigentlich müsste ich die Pflanze herausnehmen, so wird geraten,  aber das fällt mir schwer, weil sie so groß und standhaft steht.  Ich werde sie einmal umpflanzen. Auch ein weißer Phlox  hat die Älchen, steht aber nur auf schwachen Stielen. Ihn werde ich herausnehmen, obwohl er dunkelroten Kerzenknöterich mit aufblüheder Herbstanemone schön einrahmt.

Phlox bedetuet Flamme, Feuer.Deutscher Name FlammenblumePhlox bedetuet Flamme, Feuer.Deutscher Name FlammenblumeNeben zwei anderen rein weißen Sorten, die kaum voneinander zu unterscheiden sind, habe ich dann noch einige mit wenig auffälligem Auge in der Blüte, die in Farben von Deckweißrosa über Lachsrosa bis Rot leuchten. Schließlich heißt Phlox auf Deutsch "Flammenblume". Für manche mögen diese Farben schon fast kitschig wirken. Ich mag es. Dafür würde ich keine Sorten mit gestreiften Blüten haben wollen. Es gibt eben für jeden Geschmack ausreichend Sorten. Das Buch von Fuchs zählt auf 20 Seiten eng bedruckt eine "Auswahl an Sorten aus Deutschland, England, Amerika und der ehemalgien Sowjetunion auf, geschätzt sind es etwa 400 Sorten von Phlox paniculata! Bei einem so vielfältigen Angebot kann auch einmal ein Irrtum unterlaufen oder bei der Suche nach dem richtigen Sortennamen einen die Verzweiflung heimsuchen.

Umspielt von aufblühedem Wiesenknopf (Sanguisorba 'Pink Brushes') - Ist die Farbe kitschiig?Umspielt von aufblühedem Wiesenknopf (Sanguisorba 'Pink Brushes') - Ist die Farbe kitschiig?Was ist das Fazit: Wenn man,  wie ich,  im Garten Phloxland hat - hier ist es die ehemalige Emscheraue - dann  ist der Garten ohne Phlox wirklich ein.... Auch die ältesten 20  Jahre alten Exemplare habe ich nie geteilt oder verpflanzt, wie es allgemein nach drei, vier  Jahren empfohlen wird und wenn die Nachbarstauden nicht allzu aggresiv bedrängend sind, dann kann sich der Phlox auch gut behaupten. Auch als Vasenblume  ist Phlox schön, wenn man das Herunterrieseln einzelner Blüten tolerieren kann. Der süße Duft , den man beim Vorbeigehen riecht, vermittelt eine zusätzlich Dimension der Freude.

Eigentlich ist die Phloxwelt im Sommer durch Phlox paniculata nur zum Teil erfasst.  Zu nennen wären noch  Phlox amplifolia,  Phlox maculata, Phlox idahoensis, Phlox glaberrima, die   alle ebenfalls aus Nordamerika Der weiße Phlox macht sich im Ensemble gut, muss aber wegen der Älchen herausgenommen werden.Der weiße Phlox macht sich im Ensemble gut, muss aber wegen der Älchen herausgenommen werden.stammen und die Hybride  Phlox Arendsii. Allerdings mögen alle eine gewisse Bodenfecuhtigkeit. Da könnte der Klimawandel ein Problem werden  und  - man kann ja nicht alles haben.

 Wer den Satz von Karl Förster  nicht kennt, findet ihn auf der Website "Gartenliteratur"  von Maria Mail-Brandt, neben unzähligen anderen zitatfähigen Sätzen https://www.garten-literatur.de/Leselaube/foerstzi.html

 Literatur: Sehr lesenswert https://www.gaissmayer.de/web/welt/wissen/stauden/sortiment/phlox/sortiment/phlox-paniculata/; Ines Hübner und Elena Murashko,  Summer-Flowering Phlox, 2017, (englisch); Hermann Fuchs, Phlox - Stauden- und Polsterphloxe, 1994.

 Bezugsquellen: Fast jede gute Stauduengärtnrerei z.B. https://staudenfan.de/produkt-kategorie/pflanzen-von-o-bis-r/phlox/https://www.gaissmayer.de/web/shop/suche/produkte/?suche=Phlox;  https://www.sarastro-stauden.com/kategorie/winterharte-stauden/phlox-flammenblume/  https://www.stauden-stade.de/

 


 

Traumhaft - Steppenkerzen                                                            2022-06-18

 Auch Träume, von denen  man weiß, das sie sicn nicht (mehr) erfüllen werden , spielen in unserem Leben eine wichtige Rolle.  Ein solcher Traum wäre für mich z.B., in den Bergen Tadschikistans, zu dem das Pamir Gebirge zählt, die Blütenwelt  zu erwandern.  Jürgen Peters beschreibt das Szenario in  dem Artikel "Im Pamir blühen die Steppenkerzen",  Gartenpraxis 5, 2020, S. 51 so:  "Zur Exkursionszeit waren manche Berghänge von den prächtigen Blütenkerzen verschiedener Steppenkerzen (Eremurus) geprägt. Besonders die weißen oder gel-
ben Blüten von Eremurus olgae,E. robustus,E. tianschanicus und E. stenophyllus leuchteten schon von Weitem, schmückten und strukturierten die Landschaft.Alle Steppenkerzen blühten umgeben von farbenprächtigen Blütenpflanzen und Sträuchern." Die Beschreibung unterstreicht er durch eindrucksvolle Bilder.

Im Garten kann man sich nur eine Ahnung solcher "blühenden Paradiese" verschafffen, um diese abgegriffene Begriffspaarung einmal zu verwenden. Jedenfalls war es für mich immer ein Ziel,  auch die imposanten Steppenkerzen in meinen Garten zu integrieren. Eremurus-Sorte ('Cleopatra'?) in diesem Jahr zwei BlütenstängelEremurus-Sorte ('Cleopatra'?) in diesem Jahr zwei Blütenstängel

Dies einigermaßen dauerhaft hinzubekommen, ist, wie ich finde, gar nicht so einfach. Das schöne Wort Steppenkerze für die verschiendenen Eremerusarten hat mich erst dazu verleitet, sie in das Trockenbeet zu pflanzen. Da haben sie zwar vermutlich die Winternässe überdauert, aber es fehlte ihnen die Nahnung, um ihre großen Blütentürme aufzubauen. Wie ich jetzt weiß, haben die Pflanzen Ansprüche, die in unseren Regionen widersprüchlich klingen. Einerseits brauchen sie unter ihen Rhizomen Böden, die sehr wasserdurchlässig, also steinig und  sandig sind,andererseits brauchen sie sehr nahrhaften Boden, was Steine nicht sind. Für das Trockenbeet als Standort hoffe ich, jetzt die Lösung gefunden zu haben. Die Steppenkerze erhält nach dem Austrieb zweimal  kräftige Düngegaben (zugegeben auch mit Blaukorn) und siehe da, in diesem Jahr hat sie sogar erstmals zwei orangefarbene 1,50 m hohe Blütenkerzen  getrieben. Leider weiß ich nicht mehr, welche genaue Sorte es sein dürfte, denn es handelt sich ziemlich sicher um eine gezüchtete Hybride. Vermutlich ist es 'Cleopetra'. Es gibt ja auch den deutschen Namen Kleopetranadel für die Pflanze. Das ist aber eher weit hergeholt; In Ägypten wächst sie nicht in  der Natur.

Foto aus dem letzten Jahr: Aus vier wurden in diesem Jahr nur eine gelbe Blütenkerze, wohl weil die Pflanzen zu sehr bedrängt wurden. Foto aus dem letzten Jahr: Aus vier wurden in diesem Jahr nur eine gelbe Blütenkerze, wohl weil die Pflanzen zu sehr bedrängt wurden.

 

An einem ähnlichen Standort im leicht hängigen Gelände, was dem Wasserabzug entgegenkommen sollte, ist dagegen nur noch einer von mehreren gepflanzten Eremerus zu sehen, wohl weil die Pflanzen zu sehr von Nachbarpflanzen bedrängft wurden.

Keine Zukunft: Eremurus himalaicus in der WieseKeine Zukunft: Eremurus himalaicus in der WieseMein besonderes Interesse galt dem Versuch, Eremerus auch in meiner kleinen Wiese anzusiedeln. Leider wurde bei der Anlage der Wiese versäumt, den Boden abzumagern und so wachsen jetzt die Gräser mehr als 1 m hoch. Deswegen habe ich es dort mit einem früh blühenden Eremerus himalaicus  (der jetzt schon verblüht ist) versucht, der bis 1,80 m hoch wrid. Das brachte noch einmal einen Blütenhöhepunkt der Wiese, bevor sie im Juli gemäht wird. Aber die Recherche zu diesem Blog und die Bilder aus der Natur und von gärtnerischen Beispielen haben mich gelehrt, dass ich nicht die Hoffnung haben kann, den imposanten Blütenstand im nächsten Jahr wiederzusehen. Die Blätter des Eremerus sind erstaunlich kurz; maximal 50 cm lang und recken sich auch nicht in die Höhe, sondern in die Breite. Das hohe Gras nimmt ihnen daher das Licht, das sie brauchen, um in den Rhizomen neue Kraft fürs nächste Jahr zu sammeln.

Ich muss also einen sonnigen Platz suchen, wo die Blätter nicht zu sehr beschattet werden. Dann muss ich ein 40-50 cm tiefes Pflanzloch ausheben, darauf 20 cm Steine, Sand und  Splitt packen, dann eine 5 cm dicke Schicht sandiger Erde anfüllen, jetzt die Rhizome pflanzen und zum Abschluss ist auch die kräftige Erde meines Garten zulässig. Außerdem unterschätze ich immer das Ausmaß, das die wie ein Seestern aussehenden Rhizome annehmen, so dass ich die "Seesternarme" immer biege oder gar abbreche (was leicht passieren kann).Im Herbst, wenn  die Pflanzsaison für die Emeremusarten und -sorten ist, werde ich diee Ratschäge endiich befolgen und ein so großes Pflanzloch ausheben, dass mehrere der Sternrhizome Platz haben.

Bei der Wahl der Sorten und Arten gibt es eine große Auswahl. Vilelleicht werde ich auch einmal Eremerus robustus, die größte Art versuchen, deren blassrosafarbene Blütenkerzen bis 2 m aufragen. Oder ich nehme doch eine der niedrigeren farbenfrohen Sorten bzw. die Art E. stenophylllus. Einige mögliche Plätze habe ich schon ausgemacht.  Meine Vorfreude wrid durch den Gedanken an die schweißtreibende Arbeit allerdings etwas gedämpft.

Ein Trost für meine Fehlversuche ist, dass es anderen nicht unbedingt besser geht. In der Gartenpraxis 5-2022 berichtet Prof. Bernd Hertle über den Kniphofia-Hang im Sichtungsgarten Weihenstephan. Ein Foto zeigt verschiedene prächtige Steppenkerzen. Im Text heißt es dann, die zeit- und kostenintensive Nachpflanzung der edlen Steppenkerzen sei aufgegeben worden, weil diese nicht länger als drei Jahre beglückt hätten.  Soweit bin ich noch nicht. Träume, auch wenn sie sich zur Ahnung von einemTraum reduzieren müssen, sind eben sehr langlebig. Schade nur, dass ich nicht rechtzeitig nach Weihenstephan gereist bin. Aber der Sichtungsgarten lohnt sich bestimmt auch so. Dieser Traum ist erfüllbar. 

Literatur: Karlheinz Rücker, Dieter Felger, Steppenkerzen nicht nur für den Hausgarten, Gartenpraxis 2014-08 S. 12; Daan Smit, Erfolg mit Steppenkerzen, Gartenpraxiis 2005-10 , S. 15; beide mit Pfanz- und Pflegehinweisen und der Beschreibung von Arten und Sorten; https://www.mein-schoener-garten.de/pflanzen/steppenkerzen

Bezugsquellen: Im Blumenzwiebelhandel im Herbst, z.B.  https://www.nijssentuin.nl/nl/

 

 

 

 

 


 

 

Die Blüte hat die "Spitzen" schon umgeschlagen. dei Hummeln können kommen.Die Blüte hat die "Spitzen" schon umgeschlagen. dei Hummeln können kommen.Designed by Nature: Tränendes Herz 2022-05-29

Ob sich eine menschlicher Designer eine derartige Blüte ausdenken könnte? Ich habe meine Zweifel. Die Blüte des Tränenden Herzens (Lamprocapnos spectabilis), hat in ungeöffnetem Zustand die perfekte Form eines Herzens  bei dem am unteren Ende zwei schmale lange  Spitzen die inneren Blütenblätter umklammern (die Träne). Zum Zeitpunkt der Befruchtugsfähigkeit öffnen sich diese Schalen der beiden äußeren Blütenblätter um ca. 30 Grad, ihre schmalen Spitzen werden zurückgeschlagen und die inneren Blüttenblätter geben Staubbeutel und Fruchtknoten als röhrenähnliches Gebilde zur Befruchtung frei. Das sieht besonders attraktiv bei einer rosa gefärbten  Blüte aus, weil die inneren Die rosafarbene GrundformDie rosafarbene Grundformweißen, unten hervorlugenden Blütenblätter dazu einen schönen Kontrast darstellen.

Eine schöne Laune der Natur? Nein,  keine Laune, denn alles macht seinen Sinn: "Form follows function." Erstaunlich ist nur, welche Formenvielfalt die Evolution für den Prozess der generativen Vermehrung hervorgebracht hat. 

Das aus Korea und China stammende Tränende Herz ist schon lange und zu Recht  in Europa  eine sehr beliebte Gartenpflanze  und der schöne deutsche Name tut sein Übriges, um Romantik pur zu vemitteln.  An bogigen Stielen pendeln aufgereiht  die Blüten,  innen die ältesten, schon zur Befruchtung aufgeklappt, und dann werden sie immer kleiner zu Konspen, ohne dass die Knospen von Kelchblättern verdeckt würden. Die "Mutterpflanze" der weiß blühenden Exemplare inm PflanztrogDie "Mutterpflanze" der weiß blühenden Exemplare inm PflanztrogAber auch die  Blätter mit ihrem  dreilappigen Aufbau und den stumpfen  Spitzen schmücken die Pflanze. Ihre Unterseite schimmert blaugrün. Besonders schön anzusehen ist die Pflanze, wenn nach einem Regen die Sonne scheint und auf der mit einer feinen Wachsschicht bedeckten Blattobefläche lange bleibende  Wassertropfen glitzern.  Auch diese schimmerden Tropfen rechtfertigen den Namen  Trränendes Herz, obwohl er wohl in erster Linie die aus der Blüte heraushängenden Befruchtungsorgane meint.

Die Pflanze mag vor allem einen humosen Boden, steht am besten im Halbschatten, mag aber auch Sonne, wenn der Boden nicht zu trocken ist. Im meinem Garten habe ich nur eine rosafarbene Pflanze. Jedoch gibt es mindesten sieben weißblühende Tränende Herzen. Grund ist, dass in Im Beet mit BaumstumpfIm Beet mit Baumstumpfdem 60 cm breiten und   2 m  langen Pflanzkasten über der Haustür in bestem humosen Boden eine weißblühende Mutterplanze seit mehreren Jahren einige Sämlinge produziert, die immer weiß ausfallen. Außerdem muss ich von Zeit zu Zeit im beginnenden Frühjahr vom mächtigen Wurzelstock Teile abstechen, die eingepflanzt wieder austreiben.  Das Ergebnis sind so viele Pflanzen, dass ich auch immer einige weitergeben kann.  Jetzt Ende Mai ist die Mutterpflanze fast 1 m breit und ich werde sie etwas zurücknehmen, damit andere Pflanzen auch noch Licht haben. Erstaunlich ist, dass die Pflanze so gut gedeiht, obwohl der Pflanzplatz eine reine Nordeite ist und nur an langen Frühsommertagen etwas Sonne  abbekommt.

Im Beet fügen sich die Tränenden Herzen sehr gut in die Pflanzung ein. Gut gefällt mir ein Exemplar, das einen kleinen Baumstumpf umspielt. Einem Zeitungsartikel habe ich kürzlich entnommen, dass ein Trend Wer entsteigt der Badewanne?Wer entsteigt der Badewanne?der  Gartenplanung die "Ästhetik des Vergehenden" sei. Ich habe den Stumpf allerdings stehengelassen, um Kleintieren eine Heimstatt zu geben.   Von nun an werde ich behaupten,    ein Beispiel für das planerische Konzept der  Ästhetik des Vergehenden setzen zu wollen. 

Tränendes Herz ist übrigens nicht der einzige deutsche Name der Pflanze. Bei Wikipedia fand ich, dass sie auch noch "Männchen in der Badewanne " oder -  galanter - auf englisch "Lady in a bath" heißen soll. Wie das? Des Rätsels Lösung: Dreht man die Blüte um und öffnet die beiden Klappen stärker, so kann man die entstehende Figur entsprechend interpretieren. Mit scheint es allerdings eher, als ob der Badewanne ein Geist mit Kochhaube entstiege.

 

 


 

Mr. Robinsons Summer Snowflake                                                2022.04.25

Einzelblüte der Sommer-KnotenblumeEinzelblüte der Sommer-KnotenblumeNein, nicht Robinson Crusoe, sondern William Robinson, gebürtiger Ire, und Schneeflocken (Snowflakes), sei es im wörtlichen Sinne oder seien es  die Pflanzen, die im Englischen diesen Namen tragen,  gab es auf der Südseeinsel Robinson Crusoes nicht,  höchstens in dessen Träumen. Es gibt Spring Snowflakes (Leucojum vernum), die im Deutschen Märzenbecher heißen, und Summer Snowflakes (Leucojum aestivum), um die es hier vor allem gehen soll, auf Deutsch  wenig  einprägsam: Sommer-Knotenblume. 

Die Sommer-Knotenblume, die aber im Frühling blüht, ist in der Einzelblüte dem bekannteren Märzenbecher (vgl. Archiv, Blog 2016-03), Märzenbecher, im Vordergrund eine seltene Doppelblüte an einem StängelMärzenbecher, im Vordergrund eine seltene Doppelblüte an einem Stängelzum Verwechseln ähnlich. Beide sind die einzigen Arten  der botanischen Gattung Leucojum und sind Zwiebelpflanzen. Wie Geschwister auch sonst haben sie dennoch verschiedene Charakteristika. Der Märzenbecher blüht im Vorfrühling, wird nur 10-15 cm hoch und trägt pro Blütenstiel und Pflanze meist nur eine Blüte.  L. aestivum wird 40 cm hoch, hat als zur Famililie der Lilien gehörende Pflanze lange, riemenfömige Blätter und  bis zu 8 Blüten an einem Stiel; die Blüten sind allerdings kleiner als bei L. vernum.  Die Pflanze bildet mit der Zeit dicke, kompakte Pflanzenbüschel. In meinem Garten liegt der Superlativ bei 25 Blütenstielen. Bedingt durch die vielen Blüten hat die Sommer-Knotenblume eine lange Blütezeit, die bis in den Mai hineinreicht.   Dagegen wandert L. vernum gerne und es finden sich immer  nur wenige Pflanzen  in einem gemeinsamen Verbund.  Die weißen, glockenförmigen Blüten laufen bei beiden Arten in sechs Zipfeln  aus, die an der Spitze bei beiden außen einen grüngelben Punkt tragen. Und beide mögen feuchte Böden.

Das größte Büschel von Sommer-Knotenblumen inmeinem Garten: nahezu 200 EinzelblütenDas größte Büschel von Sommer-Knotenblumen inmeinem Garten: nahezu 200 EinzelblütenDie Sommer.-Knotenblume steht bei mir sowohl im schattigen Vorgarten als auch auch in der eher sonnigen Wiese, wo sie jetzt gemeinsam mit der  Schachbrettblume die "Eifel"-Osterglocken  (Narcissus pseudonarcissus) in der Blütenfolge abgelöst haben.  Sie kommt wild z.B.  in Südeuropa vor,  in Deutschland soll sie an einigen Stellen verwildert sein.

Von der Sommer-Knotenblume gibt es nur eine nennenswerte Sorte 'Gravetye Giant'. Es lohnt, diese zu kaufen, weil ihre Blüten größer sind und die Sorte insgesamt wüchsiger ist als die Art. Und damit bin ich bei William Robinson, denn er war der Züchter dieser Sorte. Das ist eigentlich nichts Besonderes, William Robinson aber ist sehr wohl eine ganz besondere Persönlichkeit der Gartengeschichte.

Man kan ihn gut und gern als Vater  der Nutzung von Stauden, also mehrjähriger krautiger Pflanzen, als Hauptelement der Gartengestaltung bezeichnen. Nicht nur das: Mit seinem Buch "The Wild Garten"  hat er bereits im Jahre 1870 viele Elemente der heutigen Naturgartenbewegung vorweggenommen. Dabei geht er nicht puristisch vor. Die zur damlaigen Zeit von Pflanzenjägern aus der ganzen Welt herbeigeschafften Stauden haben auch bei ihm ihren Platz. Ein umfangreiches Kapitel seines Buches widmet er aber ausschließlich der Verwendung von Stauden seiner britischen Heimat im Garten. Die Wiese (meadow) übernimmt die Rolle einer Matirx für die Stauden. Sogar Päonien will er in die Wiese gepflanzt sehen und freut sich daran, wie sie zum hohen Gras harmonieren (Muss ich mal ausprobieren).  Vom sog. klassischen englischen Rasen ist nicht die Rede. Als einer der ersten integriert er Doldenblütler, die vielen heute noch als nicht gartenwürdig gelten und für alle Kletterer kann er sich begeistern.  Sommer-Knotenblumen in der Wiese (wie von William Robinson vorgeschlagen) nahe am im Frühjahr feucht gehaltenen Graben; an der gegenüber liegenden Böschung Sumpfdotterblumen (Caltha palustris), die Robinson in seinem Buch ebenfalls würdigt.Sommer-Knotenblumen in der Wiese (wie von William Robinson vorgeschlagen) nahe am im Frühjahr feucht gehaltenen Graben; an der gegenüber liegenden Böschung Sumpfdotterblumen (Caltha palustris), die Robinson in seinem Buch ebenfalls würdigt.

Der Prediger des radikalen Wandels  und der Abkehr von teppichartigen Pflanzungen einjähriger Blumen im Garten muss trotz seiner Radikalität damals mit seinen Ideen  den Zeitgeist getroffen haben. Sonst wäre es nicht zu erklären, dass er zum gefeierten Gartenschriftsteller wurde, dessen Bücher schon zu seinen Lebzeiten viele Auflagen erlebt haben. Anders als heute konnte man davon auch reich werden, so dass er sich das Anwesen Graveteye Manor kaufen konnte, auf dessen Gelände er seine Vorstellungen ausprobierte und an das der Name seiner Sorte der Summer Snowflakes erinnert.  Das Anwesen ist heute ein Hotel. Vor 13 Jahren, als wir dort auf einer Gartentour druch Südengland übernachteten, um diesem  Pionier nachzuspüren, war Graveteye Manor ziemlich abgewohnt und der Garten nur noch ein Schatten dessen, was er einmal gewesen sein muss.   Immerhin waren zum Bach hin die in die Wiese integrierten Staudenpflanzungen erkennbar, die durch gemähte Wege  erschlossen wurden. Inzwischen  scheint das Haus renoviert und auch der Garten zum Teil erneuert. Die Übernachtungskosten sind jetzt allerdings  enorm, bis zu mehr als 1000 Pfund in der  exklusiven Robinson Suite.

In "The  Wild Garden" hat Robnson die Summer Snowflakes mehrfach erwähnt und als gute Pflanzen für den Garten gelobt; die nach seinem Anwesen benannte Sorte "Graveteye Giant" sucht man im Buch aber vergebens.

Literatur:

William Robinson, The Wild Garden, 5. Aufl. 1895, mit einer Einführung von Rick Darke, 2009 (Englisch Sprache)

Bezugsquellen:

https://www.gaissmayer.de/web/shop/https://pflanzen-fuer-dich.de/

Ausflugstipp für Schnellentschlossene:

Neben seinen Kulturschätzen zeigt die Museumsinsel Hombroich  bei Neuss zurzeit  in hervorragender Weise, wie die Sommer-Knotenblumen wunderbar in die Wiesen einer Auenlandschaft eihgebettet sein können https://www.inselhombroich.de/de.

 

 


 Huflattich als  "Kuckucksei" eines Gärtners

Immer leicht zerzaust sind die Zungenblüten des Huflattichs.Die Zungen bilden die weiblichen Blüten, während die Röhren im Körbchen den Pollen produzieren.Immer leicht zerzaust sind die Zungenblüten des Huflattichs.Die Zungen bilden die weiblichen Blüten, während die Röhren im Körbchen den Pollen produzieren.Mit meinen Staudenaussaaten gehe ich leider nicht pfleglich genug um. Das gilt vor allem für Kaltkeiner, die man entweder schon im Herbst säen sollte oder durch Warmhalte- und anschließende Kühltricks bzw. durch Behandlung  mit Gibbellerinsäure aus ihrem Samenschlaf wecken muss. Meist lasse ich die Samentöpfe, wenn sich nichts getan hat, noch über einen zweiten Winter stehen in der Hoffnung, dass der zweite Winter endlich die Samenruhe brechen könnte.  Mangels guter Pflege sind es dann aber nicht selten Unkräuter, die sich im Töpfchen breit machen. 

Sehr erstaunt war ich dennoch, als sich Anfang März bei einem der Töpfe, der laut Etikett eigenlich Actaea pachypodia (Weißfruchtiges Christophskraut) hervorbringen sollte, auf schuppigen Stielen recht hübsche gelbe, 2,5 cm große Korbblüten zeigten. Zu erkennen, was es war, fiel mir nicht schwer. Seit meiner Kindheit bin ich gerne im Wald unterwegs gewesen und diese Blüten waren oft die erste Farbe, die auf meist kahlem Boden zwischen etwas trockenem, abgefallenen Laub zu finden war. Diese Jugenderinnerung war es, die mich abhielt, den Topfinhalt in den Kompost zu werfen, aber auch die erstaunliche Strahlkraft der Blüte, die ich so stark nicht  in Erinnerung hatte.  Die leicht zerzausten Zungenblüten hatten etwas lausbubenhaftes, als wollte die Pflanze mich auslachen,  weil sie sich in meinem Topf ungebeten breit gemacht hat. Also entschied ich, dass der Huflattich (Tussilago farfara) erst mal bleiben durfte. Durchaus ansehnlich: HuflattichDurchaus ansehnlich: Huflattich

Die 10-20 cm großen Blätter des Huflattichs erscheinen  erst nach der Blüte, so dass Insekten die Blüte gut finden können. Die Blattform  und noch mehr der Querschnitt des Laubstiels ähnelt  dem Huf eines Pferdes, daher der deutsche Name. Da die Blätter weich und ziemlich groß sind, hat man laut Wikipedia der Pflanze auch einen Namen gegeben, der andeutet, dass sie auch zur Beseitigung  plötzlich drängender Probleme von Wanderern nützlich sein kann.

Nach der Blüte strecken sich die schuppigen Stiele, die Blüten drehen nach unten. Bei der Fruchtbildung stellt sich der Stiel wieder gerade auf, damit die Samen gut wegfliegen können.Nach der Blüte strecken sich die schuppigen Stiele, die Blüten drehen nach unten. Bei der Fruchtbildung stellt sich der Stiel wieder gerade auf, damit die Samen gut wegfliegen können.Huflattich gilt als Heilpflanze und war 1994 Heilpflanze des Jahres. Er wirkt schleimlösend und wurde  schon seit alters her gegen Hustenreiz verabreicht, was auch der botanische Name Tussilaga anzeigt, denn lateinisch tussus bedeutet Husten.  Weil Huflattich auch krebserregende Inhaltsstoffe hat, wird er heute nicht mehr in der Medizin verwendet. 

Bei einem Kuckucksei kümmern sich die unfreiwilligen Pflegelelternvögel so rührend um das Kuckuckskind, weil sie es für das eigene halten. Diesem irrtum obliege ich  bei meinem Kuckuckskind namens  Huflattich nicht.  Denn ich weiß, das hier eigntlich ein Christophskraut  wachsen müsste. Dennoch quält mich die Frage, ob ich den Huflattich an einem geeigneten Platz einpflanzen  sollte oder nicht. Dagegen spricht, dass Huflattich, wo es passt, drei Meter lange Wurzelausläufer treiben soll.  Auch die dem Löwenzahn ähnliche Verbreitung über fliegende Samen ist nicht zu verachten. Das beweist schon die  nicht beantwortete  Frage, von woher der Samen in meinen Topf  geweht wurde (also wer das Kuckucksei gelegt hat). Weder in meinem Garten noch in den Nachbargärten wächst bisher diese Pflanze. Andererseits: 14 Wildbienen sammeln Pollen und  Nektar des Huflattichs für ihre Brut, 15 Schmetterlingsraupen leben von den Blättern und vier  Schmetterlinge saugen den Nektar. Wollte mich das Kuckucksei auf das Insektensterben hinweisen? 

Ich denke, jetzt warte ich erst mal ab, wie sich das Ganze weiterentwickelt....

 Literatur: https://www.naturadb.de/pflanzen/tussilago-farfara/


 

 Wo bleibt dein Duft, liebe Sarcococca?                                                            2022-02-14

Duft ist für mich bei der Auswahl von Pflanzen eines der wichtigsten Kriterien. Niemals würde ich wieder ein Rose kaufen, die keinen Duft verströmt. Um meinen Vorgarten, der in der kalten Jahreszeit ein wenig kahl aussieht, auch in den Monaten Dezember und Januar  etwas attraktiver zu machen, suchte ich nach einem immergrünen Kleingehölz,  das ein wenig mit Grün auflockert und dem Vorgarten mehr Struktur gibt. Es sollte keine Konifere sein, sondern der kleine Strauch sollte  früh im Jahr blühen und auch duften. Größere Sträucher  kommen aus Platrzgründen nicht in Betracht. Eigentlich schien das aussichtslos bis ich auf einen Bericht von Anne Repnow über den Winter-Garten  im Luisenpark in Mannheim stieß (Gartenpraxis 2020-01, S. 30-37). Dort gibt es eine spezielle winterliche Duftinsel und neben den  größeren im (Spät-)Winter duftenden Sträuchern, wie Zaubernuss und Winterblüte, finden sich dort mehrere Exemplare eines duftenden Kleinstrauchs, den ich bisher nicht gekannt habe.Sarcococca mit Blütten und Beeren Anfang FebruarSarcococca mit Blütten und Beeren Anfang Februar

Sarcococca hookeriana var. humilis heißt er, übersetzt  etwa "Niedrige Fleischbeere", benannt nach Sir Hooker (einem früheren Direktor von Kew Gardens in London). Die auch gebräuchliche deutsche Bezeichnung Schleimbeere ist noch weniger attraktiv als Fleischbeere; deswegen bleibe ich  bei dem klingenden Wort Sarcococca.  Das Kleingehölz ist mit dem Buchsbaum verwandt, was die Anordnung der ledrigen spitz-ovalen Blätter erahnen lässt und stammt ursprünglich aus  waldreichen Gegenden Ostasiens. Der Buchsbaumzünsler scheint es allerdings zu verschonen.

Die creme-weißen blüten von Sarcococca Die creme-weißen blüten von Sarcococca Ich pflanzte also drei Stück des sehr preiswerten Strauches im Frühjahr letzten Jahres in den zielich schattigen Vorgarten und überwand mein schlechtes Gewissen, als ich viel  Rhododendronerde im Pflanzbereich untermischte, denn der Strauch mag keinen Kalk. Denn eigentlich sollte man nur Pflanzen setzen, die zum eigenen Gartenboden passen! Jetzt wartete ich im Februar, der die Hauptblütezeit sein soll,  auf den Duft, nachdem sich die ersten kleinen Blüten bereits um die Jahreswende gezeigt hatten. Ich hatte gehofft, damit auch  den Passanten eine kleine Spätwinterfreude machen zu können. Allerdings regnete es bisher im Februar dauernd. Da ist kein Duft zu erwarten. Jetzt endlich - Sonnenschein! Leider - ich konnte dennoch nichts schnuppern.

In den schwarzglänzenden Beeren umgibt den Kern eine schleimige Flüssigkeit - daher auch SchleimbeereIn den schwarzglänzenden Beeren umgibt den Kern eine schleimige Flüssigkeit - daher auch SchleimbeereDa ich jetzt im Nachhinein gelesen habe, dass die Sarcosocca sich durch Ausläufer ziemlich stark ausbreiten soll, dämmert mir, dass ich mit dem Duft warten muss, bis der ganze Vorgarten von der Flesichbeere beherrscht wird, damit die Duftmenge ausreicht,was ich aber auch nicht will.  Um der Duftfrage auf den Grund zu gehen, habe ich einen Zweig mit den kleinen cremefarbigen Blüten abgeschnitten, um direkt daran zu schnuppern. Tatsächlich. Die Blüten haben einen honigartigen, etwas schwer anmutenden Duft.  Den Zweig habe ich dann im Wintergarten auf ein kleines Podest gelegt und beim Vorbeigehen riecht man ebenfalls angenehme Aromen.

Die Duftehre meiner Sarcococca wäre demnach gerettet.

Mögen sich die ersten kälterestistenten Hummeln an Nektar und Pollen laben, wenn sie von Schneeglöckchen, Winterlingen, Märzenbechern, Frühlingsalpenveilchen und Krokussen im Garten noch nicht genug haben. Das ist vielelicht noch wichtiger als Spaziergänger zu erfreuen.   Ob die Vögel die schwarzglänzenden kleinen Beeren mögen, die vom letzten Jahr immer noch an den Zweigen hängen, weiß ich noch nicht.  Die Pflanze gilt als in allen Teilen giftig, was aber auch sonst die Vögel oftmals nicht stört. Vielleicht mögen sie auch einfach die scheimartige Flüssigkeit nicht, die den Kern umgibt.

Zum Schluss noch etwas Konfusion: Mein Pflanzen habe ich bei Garten Schlüter bestellt, wo die Höhe des ausgewachsenen Strauches mit 80 cm angegeben wurde. So niedrig bleibt von den Sarcococca Arten nur S. humilis. Auf dem Etikett der gelieferten Pflanzen stand jedoch S. confusa, die bis 2 m hoch und breit wird. Auf mein Monitum schrieb Garten Schlüter, sie hätten keine hochwachsenden Fleischbeeren. Die Exemplare würden sich an die vorgegebene Höhe halten und es gäbe eben manchmal Etikettenverwechslungen. In diesem Jahr bietet  Garten Schlüter  freilich nur S. confusa an, Höhe bis 1,50 m, mit rosa Staubgefäßen, was allerdings nicht dem Website-Foto entspricht, wo diese creme-weiß sind. Laut Fachautor Andreas Bärtels hat S. confusa creme-weiße Staubgefäße, das entspricht auch meinen Pflanzen und S. humilis hat die rosafarbenen Staubbeutel. Wer hilft mir aus der Konfusion heraus?

Zunächst mal egal. Beide sollen ja stark duften. Jetzt warte ich erst einmal das weitere Wachstum ab und auf die Blüte im nächsten Winter. Wenn es S. confusa ist, was ich glaube, werden die Blüten bald Nasenhöhe erreichen, was gut für das Dufterlebnis wäre.. Allerdings muss ich dann wieder Pflanzen ausgraben, weil dann drei Exeplare viel zu viel sind und vermutlich auch zurückschneiden. Wenn Sie eine überzählige Pflanze haben wollen, bitte melden!

Literatur: Andreas Bärtels, Sarcococca: duftende Blüten im Winter, Gartenpraxis 2005, S. 18-21; https://www.baumschule-horstmann.de/himalaya-schleimbeere-duftende-schattenblume-732_80309.html

Bezugsquellen: Baumschule Horstmann (sh. Literatur); https://www.garten-schlueter.de/laubgehoelze/winterblueher/duft-fleischbeere

 


 

Gartenkunst vom Feinsten mit Moosen und Farnen                                     2022-01-10

Was macht man mit einem alten Gartentisch, der irgendwo nutzlos, vielleicht sogar störend, herumsteht? Einen einmaligen Hingucker, wenn man es kann.

Wer mich kennt, weiß bereits nach dem Lesen der Überschrift, dass ich dieses Mal nicht über meinen eigenen Garten schreibe, weil das Gestalterische nicht meine Stärke ist.  Ausgelöst durch meinen Blog vom Dezember 2021 über Moose und Flechten im Garten kam ich in Gedankenaustausch mit Margrit Lind-Eging aus Bochum, die, wie ich, der Dortmunder Gruppe der Gesellschaft der Staudenfreunde angehört. Sie schickte mir ein Foto von einem Tisch, der mich so begeistert hat, dass ich sie bat, darüber einen Blog schreiben zu dürfen.

Die Idee kam Margrit Lind-Eging bei einem Gartenbesuch in Schweden, wo Gartenanlagen, bei denen Moose eine Rolle spielen, nicht so selten sind wie bei uns. Der bepflanzte Tisch im Überblick - Moose und Farne decken den größten Teil der Fläche. Foto: Margrit Lind-Eging, ebenso alle anderen Fotos des Blog 2022-01Der bepflanzte Tisch im Überblick - Moose und Farne decken den größten Teil der Fläche. Foto: Margrit Lind-Eging, ebenso alle anderen Fotos des Blog 2022-01

Detail: Im Vordergrund Asplenium trichomanesDetail: Im Vordergrund Asplenium trichomanesAusgangspunkt war ein alter runder Holzgartentisch mit 120 cm Durchmesser. Sie belegte ihn mit einem Rest Teichfolie, die ebenso wie der Tisch für den Wasserabfluss mit Löchern versehen wurde. An die 2,5 cm dicke Tischkante wurde ein 10 cm breiter Streifen aus gehämmertem, altem Kupferblech, ebenfalls Recyclingmaterial, geschraubt. Die so entstandene Pflanzfläche hat sie mit einer 2 cm dicken Schicht Blähton sowie einer dünnen Kiesschicht gefüllt und das „Gelände“ auf der Tischfläche so mit Erde modelliert, dass in der Mitte ein kleiner Hügel entstand. Als Pflanzsubstrat wurde normale Gartenerde, an der Blechkante ca. 6-7 cm hoch, verwendet.

Moose in verschiedenen Farbschattierungen, u.a. hinten Polytrichum formosum, links daneben Disporopsis fuscopicta.Moose in verschiedenen Farbschattierungen, u.a. hinten Polytrichum formosum, links daneben Disporopsis fuscopicta.Da das Grundstück ziemlich steil in einen Siepen abfällt, konnte auch ein zur Bepflanzung  passender Standort für den Tisch gefunden werden, nämlich unten im kühlen und feuchten Siepen-Grund.

Das Pflanzkonzept bestand in einer sehr dichten Bepflanzung mit Moosen, Farnen und anderen Feuchtigkeit liebenden, schattenverträglichen Pflanzen. Die Basismatrix gestaltete sie mit  Moospolstern aus dem nahen Wald, vornehmlich Wald-Frauenhaarmoos (Polytrichum formosum - vgl. Nahaufnahme Gartenblog 2021.12).  Als zentralen Blickfang positionierte sie eine extrem langsam wachsende Ulmus parviflora 'Hokkaido' und als weitere Gehölze setzte sie eine Zwergeibe und Die Ulme hat am 28.12. ihr Blattwerk verloren, aber der Tisch ist nach wie vor attraktiv. Vorne links Ophiopogon japonicus 'Minor‘Die Ulme hat am 28.12. ihr Blattwerk verloren, aber der Tisch ist nach wie vor attraktiv. Vorne links Ophiopogon japonicus 'Minor‘einen Buxus microphylla compacta. Die Waldbodenstimmung wurde ergänzt durch verschiedene Miniaturfarne, z.B. Adiantum pedatum ‘Imbricatum‘ (Zwerg-Pfauenradfarn) und Asplenium trichomanes (Braunstieliger Streifenfarn). An Stauden finden sich unter anderem drei verschiedene kleinbleibende Hosta-Sorten, z.B. die Sorte 'Blue Mouse-Ears‘, sowie ein zwergwüchsiges Epimedium (Elfenblume), Viola labradorica (Labradorveilchen), Disporopsis fuscopicta (eine mit dem Salomonssiegel verwandte Pflanze aus Taiwan) und Ophiopogon japonicus 'Minor‘ (Zwerg-Schlangenbart).

Eine kleine Kostbarkeit ist Linnaea borealis (Moosglöckchen), das als schwierig zu Raureifzauber Raureifzauber halten gilt und an das ich mich noch nie herangewagt habe. Bald, im Februar, werden Schneeglöckchen als erster Höhepunkt im Jahresverlauf mit ihren weißen Blüten das dunkle Moos kontrastieren. Das Grün der Pflanzen ragt inzwischen über die Kanten des Kupferblechs hinaus und lässt die Grenzen der Pflanzfläche verschwimmen.

Ein hohler Baumstamm, ein sich zersetzender Wurzelstock und kleine Äste, alle von Moosen  und Flechten überwuchert, sowie einige Brocken Ruhrsandstein ergänzen das Bild eines idealen Fleckchens Natur in perfekter Gartenkunst. Das ist unbedingt sehenswert für jede/n Gartenliebhaber/in.

Adiantum pedatum ‘Imbricatum‘ ist im Raureif besonders ausdrucksstarkAdiantum pedatum ‘Imbricatum‘ ist im Raureif besonders ausdrucksstarkMargrit Lind-Eging beteiligt sich auch 2022 wieder an der Offenen Gartenpforte und zeigt Besuchern dann gerne (u.a.) ihre Gartenkunst mit Moosen und Farnen.

Bezugsquelle für klein bleibende Pflanzen: Gärtnerei Findling, Abstoß 2b, 51688 Wipperfürth, Tel. 02267 871690 (keine eigene Website).

Literatur: Michael Altmoos, Der Moosgarten, 2. Aufl. 2021

Offene Gärten Bochum (noch ohne Termine 2022): http://www.offenegaerten-bochum.de/?page_id=73

Gesellschaft der Staudenfreunde  https://gds-staudenfreunde.de/;   Regionalgruppe Dortmund https://gds-staudenfreunde.de/regionalgruppe-dortmund

 Gartenportrait des Gartens  von Margrit-Lind-Eging http://www.gartenansichten.de/themen/abenteuer-reise/privatgaerten/276-garten-margrit-lind-eging


 

 

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