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Rolands Garten-Blog 2020

 Gartenfarbe Braun hat auch ihren Reiz                                                                                                                                                            2020-12-15

Wollmispel - Duft im Herbst, Früchte im Mai                                                                                                                                                   2020-11-12

 Herbstanemone - die ideale Gartenpflanze?                                                                                                                                                  2020-10-22

Kleiner goldgelber Herbststar: Sternbergia                                                                                                                                                     2020-09-23

Gruß aus der  Prärie –Sonnenbraut                                                                                                                                                                     2020-08-16

Lilien - schöner als Salomos Kleider                                                                                                                                                                   2020-07-16

Wie schön, die Dierama ist da, aber....                                                                                                                                                                2020-06-24

Akelei - mal Adlerkralle und mal Taube                                                                                                                                                             2020-05-26

 Aus der Natur in den Frühlingsgarten                                                                                                                                                                2020-04-19

Blausternchen: Zwerg mit Hang zu großer Geltung                                                                                                                                      2020-03-16

Irrungen und Wirrungen eines Hobbygärtners                                                                                                                                                2020-02-24

Staudenblattwerk im schneelosen Winter                                                                                                                                                        2020-01-12

 


 

Fruchtrispe des Froschlöffels gegen den Himmel betrachtetFruchtrispe des Froschlöffels gegen den Himmel betrachtetGartenfarbe Braun hat auch ihren Reiz

Kurz vor den ersten Frosttagen schickte ich einem Bekannten ein Foto mit der blühenden Winterkirsche (Prunus subhirtelle autumnalis). Im Vordergrund waren abgestorbene, unordentliche Reste von Stauden zu sehen.  Das Motiv gefiel ihm, aber andererseits bemerkte er:  "Gleichzeitig offenbart es stellenweise, warum Stauden in meinem Garten vergleichsweise dünn gesät sind: So prachtvoll sie (je nach Art) im Sommer wirken, so trostlos liegen sie im Winter danieder."  Und sozusagen dennoch als Trost für mich: "Aber zugegeben: Das Erwachen im Frühling ist immer wieder bezaubernd…"

Er hat ja Recht. Die abgestorbenen bräunlichen Reste vieler Stauden sind im Winter wenig  ansehnlich, so dass unter den Hobbygärtnern und auch in meiner Familie der Kampf tobt Die Hohe Fethenne sieht immer gut ausDie Hohe Fethenne sieht immer gut auszwischen Abschneiden im Herbst und Stehenlassen bis zum Frühjahr. Für die meisten Gräser ist inzwischen anerkannt, dass sie auch im strohfarbenen bis braunen Winterkleid eine Zierde sind. Aber sonst?

Mein Ehrgeiz war geweckt, mich einmal im Garten umzusehen, ob es  in den Farbschattierungen von Braun abgestorbene  Pflanzen gibt, die eine interessante Ästhetik vermitteln. Natürlich muss man manchnal genauer hinschauen und neben den Stauden habe ich auch Halbsträucher und Kleinsträucher betrachtet. Es sind durchweg die Fruchtstände, die sich länger an den Stauden halten. Grund ist sicher, dass die Samen ausreifen müssen und die Fruchstände so lange  halten müssen, bis der Zeitpunkt für die Verbreitung der Samen gekommen ist. Wenn die Pflanzen für die Verbreitung der Samen  Fruchtstände der Herbstanemone gegen die weiße Hauswand gesehen - noch ohne WolleFruchtstände der Herbstanemone gegen die weiße Hauswand gesehen - noch ohne Wollekeine Vögel anlocken müssen, können sie auf auffällige Farben verzichten und auf  Wind, Bodeninsekten, wie Ameisen, oder auch einfach die Schwerkraft vertrauen.  Und dann sieht eben alles braun aus.

Erstaunlich  lange hält sich im Teich der Fruchtstand des Froschlöffels (Alisma plantago-aquatica). Obwohl die Samen weitgehend abgefallen sind, ragt die  große Fruchtrispe hoch aus dem Wasser hervor.  Ganz in der Nähe am Teichrand steht ein Saum der Hohen Fetthenne  (Sedum telphium 'Matrona'), die den ganzen Winter überdauert und, wie es scheint,  nur ihre  Blütenfarbe Rosa in ein Braun der Fruchtkapseln gewechselt hat. 

Im Oktoberblog habe ich die Herbstanemone (Anemone japonica  Hybriden)  als fast ideale Gartenpflanze beschrieben. Für diese Charkterisierung sprechen auch ihre langanhaltenden In den geöffenten Fruchtkapseln der Weinraute erblickt man die schwarzen SamenIn den geöffenten Fruchtkapseln der Weinraute erblickt man die schwarzen SamenFruchtstände. Später sollen sich noch feine Haare  an den knöpfchenförmigen Fruchtständen entwickeln, an denen winzige Samen hängen,  so dass das Ganze wie ein kleiner Wattebausch aussieht. Sehr stabil wirkt der hohe, elegante Fruchtstand des Kleinblütigen Fingerhuts (Digitalis parviflora)  mit seinen sehr dunkelfarbigen harten Fruchtkapseln. Es wird sicher noch dauern bis er dem Winter Tribut zollt.

Ob es der Fruchstand der Weinraute (Ruta graveolens), die ein kleinen Halbstrauch ist,  auch so lange durchhält, bezweifle ich. Jetzt aber sieht die Kapselfrucht  mit den kleinen, schwarzen, darin liegenden Samen sehr hübsch aus.   Wikipedia entnehme ich, dass diese Kapselfrüchte der Weinraute als "Austrocknungsstreuer fungieren",  das heißt wohl, dass die Samen einfach herausfallen, wenn die Kapsel trocken und brüchig wird .  Die Weinraute Sehr schön aus der Nähe betrachtet: die leere Fruchthülle der StrauchpfingstroseSehr schön aus der Nähe betrachtet: die leere Fruchthülle der Strauchpfingstroseist eine historische Medizinpflanze mit 200 nachgewiesenen Inhaltsstoffen. Wegen ihrer Geschichte und wegen Ihrer schönen, blaugrünen Fiederblätter, aber auch wegen des starken, dunkelrauchigen Geruchs beim Darüberstreichen gehört sie meines Erachtens in jeden Garten. In den Balkanländern  wird sie zum Würzen von Tresterschnaps genutzt, der als Digestiv gereicht wrid. Das kann man leicht auch selbst machen und von den auch vorhanden sein sollenden  giftigen Inhaltsstoffen habe ich persönlich nichts gemerkt.

Die vertrockneten Blütenstände der Bauernhortensien (Hydrangea macrophylla)  und der Rispenhortensien (Hydrangea paniculata)  kennt wohl jeder (Sh. Foto auf der Start-Seite), zumal sie sich in vielen Trockenstäußen wiederfinden. Aber auch andere  Sträucher haben braune, lang haltende Fruchtstände. Sehr schön finde ich die sternförmig aufbrechenden,  Kapselfrüchte des StraucheiibischsKapselfrüchte des Straucheiibischsdunkelbraunen, fast lliafarbenen Früchte der Strauchpfingstrose (Paeonia suffruticosa), wobei aber nicht alle Sorten mit solchen schön geformten, lange haltenden "Sammelbalgfrüchten" glänzen können.  Die harten Schalen halten bis ins Frühjahr.  Lange zzu sehen sind auch die kleinen Kapseln des Straucheibischs (Hibiscus syriacus) und ihnen  sehr ähnlich wirken die Früchte der Lorbeerblättrigen Zistrose (Cistus laurifolius), auch eine Kapselfrucht. Das besondere dieser Mittelmeerpflanze  ist, dass  die Fruchtstände trocken und braun geworden sind, während sich das  Zweig- und Blattwerk sein Grün erhalten hat. 

Mein Fazit: Wegen der bräunlichen, trockenen Fruchtstände allein würde ich eine  Pflanze nicht in den Garten setzen, aber als "Add-on" lohnt es sich, darauf zu achten, ob die Staude oder der (Halb-)Strauch mit seinem Fruchtstand ein ansprechendes Winterbild abgibt. Und Braun und grün gleichzeitig: die Lorbeerblättrige ZistroseBraun und grün gleichzeitig: die Lorbeerblättrige Zistroseich persönlich habe bei der Recherche etwas über Balgfrüchte und Kapselfrüchte gelernt, die beide zu den Streufrüchten zählen, d.h. es sich leisten können, eine braune Farbe anzunehmen, weil sie niemanden auf sich aufmerksam machen müssen.  Deswegen fallen sie uns im Garten ja normalerweise gar nicht auf.

 

 

 

 

 


 

Wollmispel - Duft im Herbst, Früchte im Mai

 Eigene Erfahrung bringt Vorteile. Bei einem Urlaub in Vor-Corona Zeiten im sizilianschen Spätfrühling Ende April lagen auf dem Tisch fürs  Frühstücksbüfett große Mengen  aprikosenähliche, orangene Früchte, aber ohne Narbe und mit glatter Haut.  Die Hotelgäste waren alle aus Mitteleuropa oder England und die meisten von ihnen ließen diese Früchte links liegen oder  zeigten sich unschlüssig , wie sie diese Früchte  wohl essen sollten. Für uns kein Prroblem, denn wir haben das dazugehörige Bäumchen seit Jahren im Wintergarten.   Japanische Wollmispel  (Eriobotrya japonica) heißt es und es ist eine der wenigen Pflanzen, die in unserem Wintergarten keinerlei Probleme machen. In dem nur bei Frostgefahr angewärmten  Wintergarten sind mehrere Gehölze im gewachsenen Boden ausgespflanzt. Aber die Zitrone  ist leider ständig verlaust und die Olive wächst und wächst, aber blüht nicht.  Also, einige mediterranen Pflanzen, für die der Wintergarten gedacht ist, zicken bei mir ein wenig. Vermutlich ist der Wintergarten zu klein für eine gute Luftzirkulation.Die Japansche Wollmispel (Eriobotrya japonica) mit großen, samtenen Blälttern und ausladenden Ästen Die Japansche Wollmispel (Eriobotrya japonica) mit großen, samtenen Blälttern und ausladenden Ästen

Kerzenartige Bütenrispe am Ende der ZweigeKerzenartige Bütenrispe am Ende der ZweigeDie immergrüne Wollmispel aber mit den großen, lanzettlichen, dunkelgrünen samtartigen Blättern lässt uns hingegen nicht im Stich.  Dabei muss ich sie regelmäßig schneiden, weil sie recht breit wächst und auch in der Höhe an das Glasdach heranreicht. Mit der heimischen Mispel (Mespilus gemanica), über die die ich im Novermber Blog 2018 berichtet habe, ist sie nur weitläufig verwandt. Kurioserweise fruchtet die Wollmispel im Mai, wenn die Mispel blüht  und sie blüht im Oktober Noverber, wenn die Mispel heranreift. Die Wollmispel blüht an kerzenrartig aufrecht stehenden Rispen, die sich unter der Last der reifenden Früchte später nach unten senken.  Die Blüten selbst sind 2 cm groß, cremeweiß und  eher unscheinbar. Aber ich brauche nicht hinzusehen, um zu wissen, ob die Wollmispel blüht. Denn vor allem morgens durchzieht ein zugleich zarter und intensiver Duft mit einem Aroma zwischen Vanille und Honig den Wintergarten. Weil ich mich auf die wenigen  Insekten im November nicht verlassen kann, bestäube ich mit dem  Pinsel. Das macht wenig Mühe, weil die Blüten in den Rispen eng beisammen stehen. Wenn sich die Blütezeit zu Ende neigt, haben die Blüten so viel Nektar, dass man sich beim Bestäuben mit Nektar bespritzt. In diesem Jahr sind es 12 Blütenkerzen., so das wir im Mai mit gut 100 Früchten rechnen können.

Reife WollmispelnReife WollmispelnEriobotrya japonica zählt wie der Apfel zum Kernobst, nur dass die zwei bis drei braunen Kerne im Vergleich zum Apfel riesig sind; da liegt wieder der Vergleich zur heimischen Mispel nahe, die auch große Kerne hat.  So ist weniger Fruchtfleisch vorhanden als man beim Anblick von außen annehmen möchte. Dennoch lohnt es sich, die Früchte zu essen - des saftigen, süßen, mit feiner Säure unterlegten,  guten Geschmacks wegen, zumal es im Mai so viele Früchte nicht gibt.  Leider kann man Wollmispeln bei uns kaum kaufen, weil sie nicht sehr gut lagerfähig sind und so den Transport schlecht überstehen. Man soll die kleinen Bäume auch im Kübel halten können, vielleicht probieren Sie es mal aus.

Die großen Kerne lassen sich leicht entfernenDie großen Kerne lassen sich leicht entfernenUnd wie isst man die Früchte nun. Am besten teilen, die Kerne fallen leicht heraus. Dann das innere Häutchen, das als Kerngehäuse dient, vom Fruchtfleisch mit einem Messer abziehen und danach auch die Außenhaut der beiden Hälften. Das klingt  umständlich, ist es auch ein wenig und macht viel Abfall im Verhältnis zu dem, was essbar ist. Aber es lohnt sich.

Bezugsquellen: https://www.baumschule-horstmann.de ; https://flora-toskana.com/de/mediterrane-fruchtpflanzen; https://www.lubera.com/de/gartenbuch/wollmispel-winterhart-p1569 alle mit guten Erläuterungen

 


 

 Herbstanemone - die ideale Gartenpflanze?

'Honorine Jobert' mit Kerzenknöterich 'Fat Domino' - Foto 10.08.2020'Honorine Jobert' mit Kerzenknöterich 'Fat Domino' - Foto 10.08.2020

 Gibt es die ideale Gartenpflanze? Wohl kaum. Unsere Wünsche an die Pflanzen sind von unseren persönlichen Vorlieben geprägt; auch sind die Voraussetzungen der einzelnen Gärten für das Gedeihen der Pflanze sehr unterschiedlich. Aber es gibt Pflanzen, so meine ich, die den Ansprüchen der meisten Gartenliebhaber an die  ideale Gartenpflanze sehr nahe kommen. Dazu zähle ich auf jeden Fall die Herbstanemonen.  Sie sind Kreuzungen aus mehreren ostasiatischen im Herbst blühenden hohen Anemonenarten, deren wichtigste wohl Anemone hupehensis sein dürfte. In den Katalogen werden daher oft nur die Sorten genannt oder sie werden unter Anemone japonica zusammengefasst. Eine der wichtigsten  dieser Sorten dürfte 'Honorine Jobert' sein, die ich auch in meinem Garten habe und die dort immer noch ein Stargastspiel gibt. Ich habe sie einerseits im Vorgarten  und andererseits in fast freier Mittagssonne auf der Gartensüdseite.'Honorine Jobert' mit Glattblattaster Foto 17.10.2020'Honorine Jobert' mit Glattblattaster Foto 17.10.2020

Am Beispiel von 'Honorine Jobert' will ich zeigen, warum ich glaube, dass die Herbstanemone nahezu ideale Garteneigenschaften hat. Sie ist ein Herbstblüher von August bis Oktober.  Davon gibt es in unserer heimischen Natur nur wenige; damit ist sie wichtig für Insekten; mit 1 m  bis 1,20 m Höhe hat sie eine auffallende Größe;  ihr Habitus ist filigran, aber sie ist  trotz ihrer Größe gleichzeitig sehr standfest und muss nicht gestützt werden; ihre weißen, nur minmal gefüllten offenen Blüten wirken sehr edel;  auch ihr ahornähnliches Blattwerk und ihre langhaltenden kugeligen Fruchtstände sind sehenwert; sie ist vielfältig kombinierbar mit anderen Pflanzen; sie ist nicht wählerisch beim Boden; sie verträgt Sonne und auch ziemlich viel Schatten, denn  bei mir im Vorgarten  hat sie nur in den allerersten Morgenstunden die Chance  auf Sonne;  sie sät sichnicht aus; bei hr habe ich nennenswerte Schädlinge bisher nie festgestellt; sie ist extrem langlebig, denn ich habe sie vor "unvordenklicher Zeit"  gepflanzt , mindestens aber vor 15 Jahren, ohne dass sie je umgepflanzt wurde. Eigentlich kümmere ich mich das ganze Jahr über nicht speziell um sie.

'Honorine Jobert' hat halbgefüllte Blüten und zeigt schon die kugeligen Fruchtstände'Honorine Jobert' hat halbgefüllte Blüten und zeigt schon die kugeligen Fruchtstände"Fehler"  finde ich allenfalls zwei.  Man sagt, die Herstanomonen wachsen sehr schwer an (ich habe dazu bei Madame Jobert keine Erinnerung) und wenn einmal angewachsen, wuchern sie ein wenig.  Bei mir hält sich das Wuchern in Grenzen; beide Pflanzen bedecken jetzt etwa 1 qm.  Sollte es zu viel werden, gibt es für die kurzen Ausläufer sicher in meinem oder in einem anderen Garten  ein Plätzchen.  

Eine rosafarben blühende Sorte, die schon ab  Juli blüht, wächst ebenfall seit langem bei mir in einem großen Lichtschacht. Da sie bereits verblüht ist, habe ich kein Foto und auch die Sorte kann ich nicht mehr bestimmen bzw. muss auf die Blüte im nächsten Jahr warten: vielleicht Anemone hupehensis 'Praecox'.

Ganz sicher fest steht der Sortenname der dritten Anemone  meines Garten: Anemone x 'White Swan' von vorne'White Swan' von vornecultorum 'Wild Swan'. Sie zu pflanzen,  verdanke ich einem heißen Tipp des Staudengärtners Andreas Kirschenlohr aus Speyer  in einem Vortrag vor den Dortmunder Staudenfreunden. 'Wild Swan' hat eine extrem lange Blütezeit vonJuli bis Oktober und wird nur 50 cm hoch. Die weiße Blüte hat eine  - und das ist das Aparte an ihr - graublaue, manchmal ins Lilafarbene gehende, zarte  Rückenzeichnung, die besonders jetzt im Oktober zur Wirkung gelangt.  Dass Herbstanemonen langsam anwachsen,  haben meine beiden wilden Schwäne bestätigt. Nach einem Jahr glaubte ich schon nicht mehr an sie, aber heute stehen beide Exemplare prächtig da.  Inzwischen gibt es auch Schwanengeschwister auf dem Markt, die noch besser sein sollen:  Zum Beispiel 'Dainty Swan' und 'Dreaming Swan' mit gerüschten Blüten.  Mir reichen meine Schwäne. 

'White Swan' Rückenansicht mit einer grau-blau-lilafarben "Gravur"'White Swan' Rückenansicht mit einer grau-blau-lilafarben "Gravur"Überhaupt: wer bei den Herbstanemonen nach besonderen Sorten sucht, wird auch fündig werden. Die Blütenfarbe bewegt sich zwar immer zwischen rosa und weiß. Es  gibt auch eine ganze Reihe mit gefüllten Blüten. Ich persönlich finde die  nur durch einige Blütenblätter gegenüber der Art A. hupenhensis ergänzte  weiße Blütenscheibe der 'Honorine Jobert' viel eleganter als die gefüllten Sorten. Aber das ist natürlich Ansichtssache.

Sicher aber dürfte sein, dass auch diese Sorten der idealen Gartenpflanze nahekommen, denn die übrigen Eigenschaften dürften der der 'Honorine Jobert' ähneln.

Literatur: Kaiser, Klaus, Anemonen, Stuttgart 1995; https://www.mein-schoener-garten.de/pflanzen/herbst-anemonen

 Bezugsquelle: https://www.gaissmayer.de/web/shop/pflanzen-sortiment/stauden/anemonen/204/ mit schönen Fotos und guter Beschreibung; https://shop.stauden-kirschenlohr.de/ und in allen guten Staudengärtnereien

 


 

Kleiner goldgelber Herbststar: Sternbergia

Sternbergia lutea (Herbst-Goldbecher) am Naturstandort in GriechenlandSternbergia lutea (Herbst-Goldbecher) am Naturstandort in GriechenlandWenn ich  unterwegs in der Natur plötzlich unerwartet auf Pflanzen treffe, die ich zu den besonderen Schätzen meines Gartens zähle, kann ich meine Begeisterung nicht verbergen. So ging es mir  im letzten Herbst bei unserem Urlaub in Nordgriechenland.  Die schöne quirlige Stadt  Joannina liegt am Pamvotis See und im See gibt es die kleine lokalhistorisch bedeutsame Insel Nisi.  Für Touristen ist es nahezu Pflicht, zur Insel rüberzuschippern, um u.a. einige der zahlreichen byzantinischen Klöster zu besichtigen. Am Abhang unter einem der Klöster in einem sehr trockenen und öde aussehenden Bereich sah ich plötzlich Massen der Sternbergia lutea, dass ich mir fast die Augen rieb, weil ich so überrascht war.

Große Mengen an Sternbergia lutea inmitten von trockenem Gras und Salbei Große Mengen an Sternbergia lutea inmitten von trockenem Gras und Salbei Im Deutschen wird die Pflanze meist Goldkrokus genannt, auch wenn  sie trotz krokusähnlichen Aussehens mit Krokussen nur wenig verwandt ist.  Der Grund, der Nichtbotanikern kaum einleuchten wird:  Sternbergia hat sechs Staubfäden (wie unsere Herbstzeitlosen), Krokusse haben drei. Treffender ist daher die Bezeichnung Herbst-Goldbecher; für den weiteren Namen  Gewitterblume habe ich keine Begründung gefunden. 

In der Natur kommt Sternbergia lutea rund um das ganze Mittelmeer bis zur Höhe von 1.000 m vor. In unseren Breiten ist sie dennoch winterhart. Ich habe sie schon sehr lange im Garten und sie kommt immer wieder, ohne dass nachgepflanzt werden muss. Nachdem ich sie am Naturstandort gesehen habe, sind mir ihre Bedürfnisse auch noch klarer geworden. Sie mag Sonne und im Sommer Trockenheit. Mit der ersten Herbstfeuchtigkeit treiben dann zunächst die schmalen riemenartigen Blätter aus, aber zunächst nur bis zu einem Teil ihrer Endhöhe von 20 cm. Dadurch überragen die wunderbar goldgelben glänzenden Blüten  die Blätter deutlich. Neben dem Adonisröschen (Blog 2019-4-14)  ist diese Blüte für mich die schönste in dieser Farbe.

Mehr als drei Blüten gibt es Garten nicht pro Tuff: Sternbergia luteaMehr als drei Blüten gibt es Garten nicht pro Tuff: Sternbergia luteaIn  meinem Garten habe ich zurzeit drei Tuffs der Sternbergie. Nicht alle Blattpaare bringen bei uns auch Blüten hervor. Aber schön ist, dass die Blüten nicht alle gleichzeitg erscheinen, so dass man trotz der relativen Kurzlebigkeit der Einzelblüte länger etwas davon hat. Mir scheint, dass die Blütenblätter des Kulturklons etwas breiter sind, so dass sich die Becherform deutlicher zeigt. Der Standort bei mir ist hausnah, südausgerichtet und im Frühjahr und Sommer von einjährigen Mohnen und  Verbena bonariensis bewachsen. Der Mohn hat seine Schuldigkeit im Herbst getan  und auch die Verbene kann, wo sie stört, herausgenommen werden, so dass Platz für die grün austreibende Sternbergie ist, die dann ihr Laub bis in den Winter hält. Wie wichtig Sonne ist, zeigt, dass ein Tuff, der etwas schattiger steht, zwar ergrünt, aber nicht blüht. Ihn werde ich umpflanzen. Der S. lutea sehr ähnlich  ist die ebenfalls goldgelb blühende S. clusiana. Ihre Blüten erscheinen auch im Herbst, die  30 cm  langen  Blätter zeigen sich aber erst  im Frühjahr. Ich überlege noch, ob ich damit eine Versuch wagen soll.

Im Vergleich zu  der Situation am Kloster auf der Insel Nisi ist das, was ich ich im Garten habe, ein Nichts.  Auch kleine Ereignisse kann man aber feiern. Und das tue ich, wenn sich das erste Goldgelb der Sternbergie im Garten zeigt und die Erinnerung an die Insel Nisi wachruft.

Literatur : https://galasearch.de/plants/14992-sternbergia-lutea 

Bezugsquelle: https://www.nijssentuin.nl/nl/ (beide Sternbergia Arten)

 

 


 

Gruß aus der  Prärie – Sonnenbraut

Jetzt im August wird mein großes Staudenbeet eindeutig von zwei Helenium Sorten – soll man auf Deutsch im Plural Sonnenbräute sagen? - ,  beherrscht.  Sonne satt, das mögen die Bräute der Sonne. Deswegen hat sie auch der Namensgeber der lateinischen Bezeichnung dieser Staudengattung, Carl von Linné, in freier Formensprache nach dem griechischen Sonnengott Helios benannt.Vorne Helenium 'Sahins Early flower', hinten H. 'El Dorado'; am linken Bildrand Pfeifengras 'Molina caerulea 'Heidebraut' Vorne Helenium 'Sahins Early flower', hinten H. 'El Dorado'; am linken Bildrand Pfeifengras 'Molina caerulea 'Heidebraut'

Helnium 'Sahins Early Flower' mit Monarda didyma 'Bee Happy'Helnium 'Sahins Early Flower' mit Monarda didyma 'Bee Happy'Helenium ist eine Gattung von Pflanzen, die aus der amerikanischen Prärie stammt und es soll davon 40 Arten geben oder gegeben haben. In gärtnerischer Kultur sind nciht mehr die Arten,  sondern die vielen Sorten, die sich allerdings zum Teil kaum unterscheiden. Von anderen ähnlichen meist in Gelbvariationen blühenden Präriepflanzen, die ebenfalls in der Blütenmitte Röhrenblüten und außenherum Strahlenblüten haben, unterscheiden sie sich (mit Ausnahme der Abkömmlinge der Art H. hoopesii) durch die Enden der Strahlenblüten: diese laufen breit mit mehreren Ausbuchtungen aus wie die Bordüre einer Stickerei.

Am schönsten sehen die Helenium Stauden in prärieähnlichen Aufpflanzungen aus. Bestes Beispiel dafür ist der Hermannshof in Weinheim, für mich die schönste moderne Helenium 'El Dorado', durch August- Gewitter etwas auseinandergefallenHelenium 'El Dorado', durch August- Gewitter etwas auseinandergefallenGartenanlage in Deutschland und zu fast jeder Zeit ein Pilgerziel für Gartenenthusiasten. Der Besucher kann jetzt in dieser Jahreszeit auf schmalen Wegen zwischen bis 2,50 m hohen, sich im Wind wiegenden Präriestauden und –gräsern wandeln und man fühlt sich wie Moses, der sein Volk durch die aufgetürmten Wogen des Roten Meeres führt. Dieses Live-Erlebnis kann der dennoch lohnenswerte virtuelle Rundgang der Website nur andeuten https://sichtungsgarten-hermannshof.de/. Nicht ganz so gut wie der Hermannshof, aber auch toll, ist der Präriegarten in der Essener Gruga.

Der amerikanischen Prärie verdanken wir wohl die meisten im Spätsommer und Herbst blühenden Gartenpflanzen, wie Helianthus (Sonnenblume), Heliopsis (Sonnenauge), Rudbeckia (Sonnenhut), Echinacea (Scheinsonnenhut), Ratibida (Präriesonnenhut) und Helenium 'Chelsey' im Halbschatten: nicht so dicht und blütenreichHelenium 'Chelsey' im Halbschatten: nicht so dicht und blütenreichSolidago (Goldrute). Schade, dass die europäischen Kolonisten Amerikas allenfalls kümmerliche Reste der einstmaligen Prärie übrig gelassen haben.

Auf eine gärtnerisch nachempfundene Prärie muss in meinem Hausgarten schon aus Platzgründen verzichten. Schließlich füllen die Sonnenbräute an sonniger Stelle nach zwei, drei Jahren bereits die Fläche von einem Quadratmeter aus und mit leichtem Überhang trotz großer Standfestigkeit sind schnell andere Pflanzen bedrängt, obwohl lästiges Wuchern nicht zu ihren Eigenschaften zählt.

Eine der beiden Heleniumsorten in meinem Sonnenbeet ist die orangeblühende 'Sahins Early Flower'. Sie fängt in der Tat schon Anfang Juli an zu blühen und jetzt, Mitte August neigt sich die Blüte dem Ende zu. Als Pflanzenhöhe ist angegeben 100 cm, bei mir wir sie Name der großblumigen Sonnenbraut vergessen - man sieht schön die charakteristische BordüreName der großblumigen Sonnenbraut vergessen - man sieht schön die charakteristische Bordüreallerdings etwas höher. Sie steht neben der cremefarbenen Strauchrose 'Schloss Ippenburg‘, einer kleineren Beetrose, und einer Indianernessel (Monarda didyma 'Bee happy‘). Die Beetrose (Name vergessen), die an diesem Platz seit 25 Jahren ausharrt, wird durch das Helenium etwas erdrückt. Da muss ich im Herbst also etwas tun.

Das andere Helenium 'El Dorado‘ ist noch etwa höher, goldgelb, wie der Name sagt, mit einer braunen Zeichnung, vor allem  auf der Rückseite und steht neben der Strauchrose 'Westerland‘, die dennoch ihre Größe ausspielt.

Was brauchen Helenium? Wie gesagt, viel Sonne, aber auch nicht zu viel Trockenheit. Dank meines Brunnens ist die Bewässerung kein Problem, solange dieser nicht versiegt. Bereits im Halbschatten verlieren die Sonenbräute Standfestigkeit und Wuchskraft. Dort kümmern bei mir, weil ich die Situation falsch eingeschätzt habe, eine rotblühende Sorte 'Chelsey‘ und eine großblumige gelbe Sorte, die ich nicht mehr zuordnen kann. Es wäre also nötig, beide umzupflanzen. Nur – wohin?

Literatur: https://www.gartenflora.de/gartenwissen/ziergarten/stauden/helenium/; https://www.mein-schoener-garten.de/pflanzen/sonnenbraut/sonnenbraut; Schmidt, Cassian / Perdereau, Philippe, Schau- und Sichtungsgarten Hermannshof, Stuttgart, 2013

Bezugsquelle: Alle großen Staudengärtnereien, z.B. https://www.stauden-stade.de/; https://www.baumschule-horstmann.de/

 

 

Madonnenlilie (Lilium candidum)Madonnenlilie (Lilium candidum)Lilien - schöner als Salomos  Kleider

Lilien gehören zu den schönsten und eindrucksvollsten Pflanzen. Nicht zu Unrecht werden sie von Jesus in der Bibel sowohl laut Lukas als auch Matthäus für ihre Schönheit gerühmt: „Schaut die Lilien auf dem Felde, wie sie wachsen: Sie arbeiten nicht, auch spinnen sie nicht. Ich sage euch, dass auch Salomo in aller seiner Herrlichkeit nicht bekleidet gewesen ist wie derselben eins.“

Auch ist kaum eine andere Blume so symbolhaft aufgeladen wie die Lilie, genauer gesagt, die Madonnenlilie (Lilium candidum). Sie galt in der abendländischen Geschichte als Zeichen der Reinheit und damit der unbefleckten Madonna. Eine berühmte Darstellung in Königliche Lilie (Lilium regale)Königliche Lilie (Lilium regale)der Kunst ist Leonardo da Vincis „Verkündigung Mariae“. Hier hat Leonardo nicht nur die Wiese des Geschehens mit Lilien drapiert. Auch direkt vor dem Gesicht des Erzengels Gabriel, der die Geburt Jesu ankündigt, hat er unter Vernachlässigung jeder Perspektive eine große Madonnenlilie platziert. Die berühmte heraldische Lilie der französisch-spanischen Bourbonendynastie bezieht sich allerdings nicht auf die Madonnenlilie oder eine andere Lilie, sondern auf die Schwertlilie (wie ich jetzt gelernt habe).

In meinem Garten habe ich eine ganze Reihe von Versuchen gestartet, die Madonnenlilie anzusiedeln. Mal war der Boden nicht richtig aufbereitet, mal wurde sie zu sehr von anderen Pflanzen bedrängt, mal war es die Wühlmaus – nie hatte ich Erfolg. Dazu kommt, dass man sie im August pflanzen sollte, wenn eigentlich noch keine Pflanzsaison ist, so dass Dunklere Hybride de Türkenbunds (Lilium martagon) Dunklere Hybride de Türkenbunds (Lilium martagon) man noch nicht an Bestellungen denkt. In diesem Jahr endlich kann ich aufatmen: Eine von drei gepflanzten Madonnenlilien hat Ende Juni geblüht. Die beiden anderen waren beleidigt, weil ihnen andere Pflanzen zu nahe gekommen sind. Die Blütezeit ist kurz, der Duft aber sehr lieblich, wie es sich für eine der Madonna gewidmete Blume gehört. Sie will Sonne, kalkhaltigen Boden, guten Wasserabzug.

Gut zurecht kommt mein Garten mit der Königslilie (Lilium regale). Sie gehört zu den Trompetenlilien und kann bis 1,20 m hoch werden und ca. sechs Blüten haben. Ihr Duft ist viel schwerer als der der Madonnenlilie. Die Blüte ist innen weiß und am Schlund gelb, außen leicht bräunlich-rosa gestreift. Häufig wird auch eine rein weiße Form verkauft.

Heimisch ist der Türkenbund (Lilium martagon). Er ist eine Waldpflanze und liebt Höher als der 1,80 m hohe Zaun: Mandarinlilie (Lilium henryi)Höher als der 1,80 m hohe Zaun: Mandarinlilie (Lilium henryi)Halbschatten bis Schatten in humos- kalkhaltigem Boden. Die reine Art mit rosa-lila zurückgeschlagenen gepunkteten Blüten ist schwer im Handel erhältlich, dafür aber viele Hybriden in vielen Farbschattierungen. Meine Türkenbundlilien stehen ziemlich schattig zwischen einem großen Fliederbusch und einer dichten 1,5 m hohen Baumpäonie, so dass man richtig auf Entdeckungsreise gehen muss, um sie zu finden. Das gefällt mir. Ich glaube, ich werde Türkenbund-Lilien (entspricht der deutsche Name der political correctness?) zukaufen.

Später, Mitte Juli, blüht Lilium henryi, im Deutschen Riesentürkenbund oder - sehr schön - Mandarinlilie, genannt, was auf ihre Herkunft aus China hindeutet. Ihretwegen kann ich den Juliblog den Lilien widmen, denn alle anderen in meinem Garten sind Juniblüher und zurzeit bereits verblüht. Auch die Mandarinlilie  akzeptiert, anders als die sog. Asiatischen Blüte Lilium henryiBlüte Lilium henryiLilien,  sehr gut meinen schweren kalkhaltigen Boden. Die Einzelblüten der 1,50  bis 2 m hohen Pflanze mit den zurückgeschlagenen orange-getigerten Blütenblättern und den ewig langen Staubfäden sind wirklich sehenswert.

Meinen Liebling unter den Lilien habe ich leider nicht im Garten; es gibt ihn praktisch nicht im Handel. Warum, ist für mich unerklärlich. Die Feuerlilie (Lilium bulbocodium) wächst in den süd- und mitteleuropäischen Kalkgebirgen, aber auch im nordwestdeutschen Flachland soll eine Variante anzutreffen sein. Sie in der Natur zu finden, ist auch heute noch für mich ein beglückendes Erlebnis, obwohl sie (wie auch Lilium henryi) nicht duftet. Über den Samentausch der Gesellschaft der Staudenfreunde (GdS) habe ich jetzt Brutknöllchen erhalten. Diese sog. Bulbilllen entstehen in den Blattachseln und entwickeln sich nach dem Feuerlilie (Lilium bulbiferum) am Naturstandort in SüdtirolFeuerlilie (Lilium bulbiferum) am Naturstandort in SüdtirolHerunterfallen auf den Boden zu neuen Pflanzen. Zwei solcher Bulbillen haben bei mir tatsächlich ausgetrieben. Ich befürchte allerdings, dass ich es nicht schaffen werde, die Minipflänzchen zur blühfähigen Lilie zu bringen; wenn doch, werde ich berichten.

Schade, dass man Lilien trotz ihrer kulturhistorischen Bedeutung relativ selten in Gärten und öffentlichen Anlagen findet. Zugegeben, ihre Kultur ist etwas heikel. Sie wollen alle gute Drainage, nicht von anderen Pflanzen bedrängt werden, sind Lieblingsspeise der Wühlmäuse und ihre Blüte währt nicht allzu lang. Nicht alle Lilien gedeihen in jedem Boden. Die Schädigungen durch das Lilienhähnchen (kaum Befall allerdings bei Lilium henryi), einem schönen kleinen roten Käfer, kann man nicht herunterspielen. Wer hat schon Zeit und Lust,  jeden Abend oder Morgen die Käfer oder gar die kotigen Raupen abzusammeln, wie es meist empfohlen wird. Dafür entschädigt der herrliche Duft von Madonnenlilie und Königslilie, der anders als bei Liliensträußen im Zimmer, in der Natur nie unerträglich schwülstig ist. Und schließlich sind Lilien schöner selbst als Salomos Kleider.Feuerlilien (Lilium bulbiferum) in ihrer natürlichen Umgebung in SüdtirolFeuerlilien (Lilium bulbiferum) in ihrer natürlichen Umgebung in Südtirol

Bezugsquellen: https://www.gaissmayer.de/web/shop/pflanzen-sortiment/blumenzwiebeln/lilien/634/https://www.gewiehs-blumenzwiebeln.de/epages/61425977.sf/de_DE/?ObjectPath=/Shops/61425977/Categories/Sommerblueher/Lilien

Literatur: Michael Jefferson-Brown,  Lilien: Das Handbuch zur Auswahl, Gestaltung und Pflege (Deutsch) Gebundene Ausgabe, 2004;  https://www.mein-schoener-garten.de/pflanzen/lilien


 

Wie schön, die Dierama ist da, aber.....

 Dies sollte eine Hymne sein, also im antiken Wortsinn ein feierliches Lied auf eine Gottheit. In diesem Falle ist die Gottheit eine Göttin, denn sie heißt Dierama.

 „Gras oder Blütenstaude?“, das war für mich die Frage, als ich sie vor etwa 15 Jahren in Wisley Garden, dem Schaugarten der Royal Horticultural Society, in der Nähe von London zum ersten Mal wahrnahm. „Dierama pulcherrimum“ stand auf dem  beschreibenden Schild. Die Recherche ergab dann: Kein Gras, eine immergrüne Staude mit schmalen, gladiolenähnlichen Blättern, die aus Südafrika stammt.  Ich war total begeistert von der Eleganz und Grazilität ihrer bogigen Blütenstände mit den kleinen, roten, glöckchenförmigen Blüten, die wie an einer Schnur aufgereiht scheinen. Und mir gefiel das Verwirrspiel mit der Grasähnlichkeit, denn im knospigen Zustand vor der Entwicklung der Blüten sehen die ährenförmigen Blütenstände Gräsern täuschend ähnlich.Auch bei Regen schön. Dierama pulcherrimum in Wisley Garden 2016Auch bei Regen schön. Dierama pulcherrimum in Wisley Garden 2016

 Seitdem ist Dierama, der man den hässlichen deutschen Damen "Trichterschwertel" gegeben hat, (den ich hier nur einmal nur aus  Chronistenpflicht verwende) eine meiner absoluten Lieblingsstauden. In allen Gärten auf der Insel, die ich seither besuchte, sah ich mich nach Dierama  um, um die Lebensbedingungen konkret zu erkunden; aber ich fand sie auch z.B. auf Madeira. Das hielt ich für nötig. Denn nicht umsonst ist  ein anderes Begriff für Göttin das Wort "Diva": Die Pflanze ist ein wenig exzentrisch, nicht ganz frosthart und beansprucht einen lockeren, durchlässigen Boden.

Gras der Staude? Blütenstand von Dierama igneum in konspigem Zustand; nach der Blüte mutiert er auch wieder zum GrasGras der Staude? Blütenstand von Dierama igneum in konspigem Zustand; nach der Blüte mutiert er auch wieder zum GrasBei guten Staudengärtnereien gibt es sie zu kaufen, was ich machte, im Samenhandel gibt es Samen verschiedener Sorten und Arten zu bestellen, was ich auch machte. Die Samen keimten leicht und reichlich, ich pflanzte gekaufte Dieramas und Sämlinge an verschiedenen Stellen im Garten, im Steingarten  und im Wintergarten, einige überdauerten sogar zwei Winter, aber dann war es irgendwie vorbei. Das glaubte ich und habe eigentlich meinen Traum von der zu besingenden Göttin aufgegeben.

  Im letzten Jahr bemerkte ich vor einem dicken Blauregenstamm neben einem kleinen Pulk Gladiolen und einer Iris variegata (Bunte Schwertlilie) ein Busch von  schwertförmigen Blättern, die viel schmäler waren als die der vorgenannten Arten. Mir dämmerte, dass e sich vielleicht um ein Überbleibsel meiner Dierama-Manie handelt konnte.

Dierama igneum im GartenDierama igneum im Garten Im Winter habe ich daher für ein wenig Frostschutz gesorgt und  tatsächlich hat der inzwischen 20 cm dicke Blattschopf gut überdauert. Vor zehn Tagen sah ich zwei grasähnliche Blütenstände treiben. Inzwischen sind sie erblüht: Es handelt sich um Dierama igneum, eine von den Dierama Arten, die ausgesät habe. Leider ist es nicht Dierama pulcherrimum, muss ich sagen. D. igneum ist sozusagen die unscheinbarere Schwester von D. pulcherrimum. Pulcherrimum bedeutet nicht von ungefähr „die schönste“. Die bogigen Blütenstände sind bei D. igneum viel kürzer und damit weniger elegant, die fünf Zipfel der einzelnen rosafarbenen Blütchen streben viel weiter auseinander und sind länger. Die Einzelblüten halten nur ein oder zwei Tage, so dass immer nur wenige geöffente Blüten zu sehen sind.

 Also, leider habe ich die Hymne verfrüht angestimmt. Die Göttin verbirgt sich vor mir  noch im fernen Olymp.  Traumfoto eines Traumpaares: Dierama pulcherrimum oberhalb des Lago Maggiore
Bild: Petra Mörbitz Traumfoto eines Traumpaares: Dierama pulcherrimum oberhalb des Lago Maggiore Bild: Petra Mörbitz  

Immerhin, es scheint ja klappen zu können. Und da im meinem Garten sich durch Veränderungen in der Nachbarschaft nun mehr sonnige Plätze ergeben, findet sich sicher auch einer für Dierama pulcherrimum, das ich jetzt noch mal kaufen werde. Wenn sie blühen sollte, werde ich die Hymne erklingen lassen.

Literatur: Sven Nürnberger,  Angelruten der Engel, Gartenpraxis 2012, Heft 12, S. 9-12

Bezugsquellen: Samen: https://www.jelitto.com; Pflanzen: https://staudenfan.de/; https://www.stauden-stade.de/

 

 


 

Akelei - mal Adlerkralle und mal Taube

Sie war vor mir im Garten. Als wir vor Jahren in Herne eine Baulücke mit Haus und Garten  belegen konnten und Ende April das von der Landschaftsbaufirma hergerichtete Grobplanun bepflanzen wollten, zeigten sich bald massenhaft  Akeleipflanzen an der westlichen Nachbargrenze und zwar in den Farben weiß bis dunkelrosa.  Erstaunlicherweise hatten die damaligen Nachbarn kein einzige Akelei in ihrem Garten. Mich hats gefreut und noch heute dürften Akeleipflanzen zu den häufigsten Einzelpflanzen in meinem Garten zählen.Rosa Nachfahre meiner Akelei- Ureinwohner am unteren, leicht feuchten Teil des Steingartens mit Hollandiris (Iris x hollandica) und Sumpfgladiole  (Gladiolus palustris)Rosa Nachfahre meiner Akelei- Ureinwohner am unteren, leicht feuchten Teil des Steingartens mit Hollandiris (Iris x hollandica) und Sumpfgladiole (Gladiolus palustris)

Naturnahe Situaition:
Heimische Akelei (Aquilegia vulgaris) blau und weiß vor Sternmiere (sh. Aprilblog)Naturnahe Situaition: Heimische Akelei (Aquilegia vulgaris) blau und weiß vor Sternmiere (sh. Aprilblog)Schon immer war die  Akelei für mich etwas Besonderes und ich bin immer noch aufgeregt, wenn ich die (streng geschützte)  heimische Art Aquilegia vulgaris bei Wanderungen im Mittelgebirge am Wegrand erblicke. Allein der Name "A-ke-lei" hat  etwas Besonderes, scheint er doch für sich selbst zu stehen, drückt Raunendes, Romantisches, Erinnerung an ferne Zeiten aus.  Die in ganz West-, Mittel- und Südeuropa vorkommende Pflanze mit dem einmailigen Blütenaufbau und der  bei der wilden Pflanze  blauen Farbe, wurde daher auch schon - als früheste Quelle - von Hildegard von Bingen im 12. Jh. als agleya bzw. acoleia erwähnt.  Geht man dem Namen etymologisch nach, dann zeigt sich bei allen europäischen Bezeichnungen ein Bezug zu der die Phantasie anregenden Blüte. Auch wenn ungeklärt ist, ob sich die lateinische Bezeichnung aquilegia  aus dem althochdeutschen Begriff, wie ihn Hildegard benutzt, bzw. dem ähnlichen altfranzösichen  ancolie  entwickelt hat oder Wer will, kann die "Tauben" auf diesem Bidl gut erkennen Wer will, kann die "Tauben" auf diesem Bidl gut erkennen umgekehrt: In allen Fällen wird auf die gekrümmten Sporne Bezug genommen. Diese wären dann  die Adlerkrallen, den aquila  ist lateinisch der Adler.  Im englischen Wort columbine sowie  im Neufranzösichen und Portugiesischen wird dagegen auf eine Taube angespielt. Tatsächlich kann man, wenn man seitlich von oben auf die Blüte sieht,  in den Spornen und ihrer Verlängerung nach unten fünf einander zugewandte "Tauben" oder "Vögel"  sehen. (Dies ist die vereinfachte Zusammenfassung meiner Lesefrüchte  - Friedhelm Sauerhoff, Pflanzennamen im Vergleich, 2001, S. 74 )

Zurück zum Garten. Natürlich habe ich inzwischen auch blaue  Akeleien der Art  Aquilegia vulgaris und da sie sich munter kreuzen, alle Farbschattierungen zwischen weiß, rosa und blau, solche mit blauen äußeren und weißen inneren Blütenblättern und solche, bei denen Außen blau, innen weißAußen blau, innen weißdie äußeren kürzer sind als die inneren, so dass sie ein barockes Aussehen gewinnen. Erstaunlicherweise hat es funktioniert, im Vorgarten durch allmählich Selektion der Sämlinge auf der einen Seite nur blaue und auf der anderen Seite nur weiße Akeleien zu haben.

Neben A. vulgaris  habe ich zwei weitere Arten. Etwas Besonderes ist  A. viridiflora.  Sie wurde aus Samen vom Naturstandort in der Mongolei gezogen, die mein Sohn vor Jahren gesammelt hat quasi als Nachfahr der legendären Pflanzenjäger de 19. Jarhunderts, Banks, Douglas, Delavay, Fortune oder wie immer sie heißen mögen und denen wir einen Großteil der heutigen Gartenwelt verdanken.  Sie blüht früher als die anderen Akeleien und kreuzt sich auch nicht, sät sich bei mir allerdings auch sehr bescheiden aus, so dass ich immer Sorge habe, sie zu verlieren. Sie wächst sehr kompakt und unterscheidet sich von der heimischen Akelei nicht nur, wie der Name sagt, durch  ihre blassgelbe Farbe, sondern auch, weil ihr Sporn nicht Mit barockem RöckchenMit barockem Röckchenbzw. wenig gekrümmt ist. Seit letztem Jahr habe ich auch die Schwarzviolette Akelei (A. atranta), die eine dunkellila, fast schwarze Farbe hat und  in den Kalkalpen udn der schwäbsichen Alp vorkommt. Da sie sich mit A. vulgaris kreuzt, bin ich gespannt, wie es weitergeht. Beide Arten wollen eher durchlässigen Boden, so dass sie einen Platz im Steingarten haben.  Die heimische Akelei ist dagegen mit jedem Boden, mit Sonne und Schatten zufrieden und aher überall im Garten zu finden.

Vielfach im Handel angeboten werden gefüllte Sorten der Akelei, die ich definitv  nicht haben möchte.  Denn wozu die Füllung, wenn sich eine solche Blüte mit der Eleganz der natürlichen Blüte und  ihrer einmaligen geometrischen Form des regelmäßigen Fünfecks (was Mystiker zu tiefsinnigen Überlegungen angeregt hat)  nicht messen kann. Auch habe Aquilegia viridifloraAquilegia viridifloraich nicht die als Gartenakelei bezeichnete amerikanische A. coerulea. Coerulea bedeutet blau, aber die erhältlichen Züchtungen sind meist rot-gelb zweifarbig  und für mich wenig schön. Ich will dennch bei der nächsten Bestellung mal suchen, ob ich etwas finde, was mir gefällt.

Dass ich so viele Einzelpflanzen der Akelei habe, hat einen einfachen Grund: den faulen Gärtner. Akeleien der Art A. vulgaris säen sich stark aus und bilden dann dicke, starke Wurzelballen, so dass sie nur mit großem Spaten oder großer Gabel aus dem Boden genommen werden können. Manchmal haben sie sich Plätze gesucht, da passt es so gut, dass ich das Spiel der Natur nur neidlos bestaunen kann. Aber es gibt auch das Gegenteil und dann ist Schweiß angesagt.   Soll ich also meine ehemaligen Nachbarn ob ihres Fleißes bei der offenkundig stattgefundenen Ausmerzung der Akeleien bewundern oder doch besser bedauern?Aquligia atrantaAquligia atranta

Aus der Natur in den Frühlingsgarten


 Die Sternmieren ergießt ihre Blüten am GrabenhangDie Sternmieren ergießt ihre Blüten am GrabenhangDas ist nicht wörtlich gemeint. Denn viele Pflanzen in der Natur sind geschützt, entweder  weil die Pflanzenart selbst selten geworden ist  oder die Pflanze in einem Landschaftsschutz- oder Naturschutzgebiet wächst. Aber, ob man will oder nicht, manches siedelt sich auch von selbst an.

So ging es mir mit der Großen Sternmiere (Stellaria holostea). Eines Tages war sie da. Erst auf einem kleinen Stück oberhalb des naturnah gehaltenen Grabens, der häufiger mal mit Brunnenwasser gefüllt wird und in einer Grube endet, in der Feuchte liebende Pflanzen sich weitgehend nach Belieben tummeln können. Inzwischen hat die Sternmiere die Grabenseite gewechselt, dorthin, wo etwas mehr Sonne ist und bedeckt eine Fläche von einem Quadratmeter. Mir gefällt das. Plötzlich, wie über Nacht, war auch in diesem Große Sternmiere (Stellaria holstea) Große Sternmiere (Stellaria holstea) Jahr der weiße Sternenteppich  da. Auch die Einzelbüte der 15 cm hohen Nelkenverwandten kann sich sehen lassen mit ihren fünf bis zur Mitte gespaltenen Kronblättern (sh. auch Foto auf der Start-Seite). Die Blütezeit der Sternmiere ist relativ lang, weil die eigentlich kurzlebigen Einzelblüten ständig durch neue nachwachsende Blüten ersetzt werden.

Die Große Sternmiere soll übrigens ebenso wie ihre (Un)krautverwandtschaft, die Vogelmiere (Stellaria media) die ähnliche, aber  viel kleinere Blüten hat und  rundliche und nicht lanzettliche Blätter, hervoragend im Salat schmecken.  Ich habe es allerdings noch nicht probiert. Außerdem soll die Große Sternmiere Leibspeise der Raupen verschiedener Nachtfalter sein. Auch das kann ich mangels Augenschein nur glauben. Bisher ist die Große Sternmiere, da sie abgesehen von ihrem Grabenseitenwechel sehr standorttreu ist, im Sumpfdotterblume (Caltha palustris)Sumpfdotterblume (Caltha palustris)Garten nicht lästig geworden. Gartenbesitzer sollen also nicht von der Vogelmiere, die sicher jeder schon einmal verärgert  herausgerissen hat, auf ihre größere Verwandtschaft schließen.

Nicht nur die Große Sternmiere kann man gelegentlich in den heimischen Gefilden finden, auch die Sumpfdotterblume (Caltha palustris) ist an feuchten Stellen, insbesondere wenn die Flächen unter Schutz stehen, noch zu sehen. Wegen ihrer schönen dottergelben Blüten wird es kaum einen Garten mit Teich oder Gewässer geben, wo sie nicht gepflanzt wurde. Die Bezeichnung Butterblume wird im deutschen Sprachgebrauch für viele gelbe Hahnenfußgewächse  verwendet;  für mich die Sumpfdotterblume die wahre Butterblume mit ihrem speckig glänzenden Dottergelb. Die Pflanze ist sehr langglebig und eine der unkompliziertesten Stauden im Garten, wenn ihre Wurzeln nur genügend Feuchtigkeit erhalten.  Ich hatte ursprünglich zwei oder drei Exemplare, jetzt nach vielen Jahren sät sie sich auch etwas aus. Ich muss gestehen, hätte ich die Sämlinge gepflanzt, die von mir ausgesuchten Standorte wären wahrscheinlich weniger passend gewesen und hätten sich hinsichtlich der Optik damit nicht messen können. Übrigens hat sich bei mir auch ein halbgefüllter Sämling eingestellt. (Gefüllte und weiße Sorten kann man auch kaufen.) Ich finde die ungefüllten Blüten schöner, aber immerhin ist zeigt sich daran eine nette Laune der Natur.

Draußen häufiger zu finden als Sternmiere und Sumpfdotterblume  ist  wohl die dritte Pflanze, die ich gerne auch im Garten sehe, das Wiesenschaumkraut  (Cardamine pratensis). Es mischt sich nach Belieben in die Beete oder in den Rasenteil, der jetzt noch wegen der Wiesenschaumkraut (Cardamine pratensis) ragt aus den Krokus- und Grasblättern herausWiesenschaumkraut (Cardamine pratensis) ragt aus den Krokus- und Grasblättern herausBlätter der verblühten Krokusse und Blausternchen sowie dem Blattwerk der Herbstrzetilosen nicht gemäht wird. Das Wiesenschaumkraut blüht bei mir jetzt gerade auf und ich finde, dass die zartviolette Farbe dieses  anspruchslosen Kreuzblütlers überall hinpasst. Wer will, kann Blüten oder Blätter auch in den Salat nehmen. Das Wiesenschaumkraut hat einen kresseartigen, leicht scharfen Geschmack. Ähnlich schmeckt sein wesentlich kleinerer Unkraut -Verwandter,  das Behaarte Schaumkraut  (Cardamine hirsuta), das eifrige Unkrautjähter zur Verzwefilung bringen kann, weil es wirklich überall zu finden ist.  Das Wiesenschaumkraut verhält sich bei mir zumindest sehr gesittet. Ja umgekehrt, obwohl es als mehrjährige Staude gilt, die man aber außerhalb der Blütezeit kaum bemerkt, hatte ich ziemliche Probleme, es durch Einpflanzen anzusiedeln.

Perspektive des Grabens mit Sumpfdotterblumen im April. Im Vordergrund links Blätter der Etagenprimel und dahinter des Übersehenen Knabenkrauts sowie 
die Schwertliplienblätter der Iris ensata. Perspektive des Grabens mit Sumpfdotterblumen im April. Im Vordergrund links Blätter der Etagenprimel und dahinter des Übersehenen Knabenkrauts sowie die Schwertliplienblätter der Iris ensata. Warum ich gerade diese Frühlingsblüher aus der Natur sehr mag?  Vermutlich liegt das an frühkindlichen Erinnerungen. Bei ersten Ausflügen von uns Kindern  in die Umgebung habe ich mit diesen Blüten  die Schönheit der Natur zu empfinden gelernt.   Und ich erinnere mich daran, dass wir als Kinder auf der mit Wiesenschaumkrautblüten bedeckten Wiese die Ostereier in die Luft geworfen haben.

 


 

 

Blausterchen von oben betrachtet, die Blütenblätter sind ausgebreitet, daneben noch die restliche Traube mit den KonspenBlausterchen von oben betrachtet, die Blütenblätter sind ausgebreitet, daneben noch die restliche Traube mit den KonspenBlausternchen: Zwerg mit Hang zu großer Geltung

Es ist ziemlich lange her, dass ich an einem Frühlingstag im Berggarten in Hannover- Herrenhausen, der gerade um diese Jahreszeit sehr sehenswert ist,  von weitem eine große blau schimmernde Wiesenfläche unter einen rieisigen Baum sah,  die mich völlig faszinierte. Bei weiterer Annäherung erkannte ich, dass die Wiese  so schön blau leuchtete, weil darin eine Unzahl von Zweiblättigren Blausternchen (Scilla bifolia) blühte. Ich schäme mich überhaupt nicht,  dass ich später versucht habe, diesen Frühlingsblütenteppich zu kopieren. Als mein Nussbaum eine akzeptable Größe erreicht hatte, habe ich  Scilla bifolia Zwiebelchen in die Wiese in seinem Wurzelbereich gelegt. In Erwartung der Nur 1 qm groß und sehr lückig ist mein Blausternchenteppich Nur 1 qm groß und sehr lückig ist mein Blausternchenteppich Vermehrungsfreude des Blausternchens  und des Fleißes der Ameisen, die die Samen munter verteilen sollten, ging ich davon aus, bald stolz  auf einen großen blauen Blütenteppich sein zu können. Das war eine Fehlspekulation. Bis heute nach etwa sieben oder acht Jahren habe ich es gerade auf eine Fläche von knapp einem Quadratmeter geschafft mit vielen Asustrahlungen auch ins Beet, wo die kleinen Pflanzen aber gar nicht stören.

Weil ich nicht mehrere Generationen mit meinem Blog zu diesem Thema warten kann, habe ich mich entschlossen, trotzdem darüber zu berichten. Das Zweiblättirge Blausternchen ist  eine  zumindest in Süddeutschland heimische, eigentlich mediterrane Pflanze, die relativ selten ist. Ich selbst habe sie  nur ein paar Mal in der Natur in Österreich gesehen. In den Scilla sibirica mit hängenden Blüten an mehreren BlütenstielenScilla sibirica mit hängenden Blüten an mehreren BlütenstielenAuwäldern der nördlichen Oberrheinebene soll es aber laut Wikipedia auch natürliche Blausternteppiche geben. Dabei ist das Blausternchen ein wahrer Zwerg unter den Zwiebelpflanzen. Die unscheinbaren beiden Blätter des Blausterchens werden etwa 8 cm lang und die 1,2 cm großen Blüten erscheinen an nur einem einzigen Stiel in Dolden mit bis zu 12 Knospen. Das Besondere ist, dass diese Knospen sich beim Aufblühen  fast in einer Ebene ausrichten und die lichtblauen Blütenblätter sich bei der nach oben zeigenden Blüte waagrecht ausrichten. So kann eine in der Sonne flirrende fast zusammenhängende blaue Fläche entstehen, wobei die Blüten, was bei unseren Verhältnissen  besonders wichtig ist, sich auch bei wolkigem Himmerl nicht schließen. Kein Wunder, dass so bei massenhaftem Auftreten der Pflanze  ein einheitlicher Farbteppich ensteht.

Blütenteppich mit sibirischen Blausternchen in der Essener GrugaBlütenteppich mit sibirischen Blausternchen in der Essener GrugaIn Gärten häufiger zu finden als Scilla bifolia ist der Sibirische Blaustern (Scilla sibirica). Er ist etwas größer und hat mehrere Blütenstiele, die aber jeweils nur wenige Blüten tragen. Er blüht etwas später als Sc. bifolia in einem dunkleren Blau und seine Blütenblätter breitet er nicht waagrecht aus, sondern sie hängen meist nach unten. Auch  Sc. sibirica kann  schöne Blütenteppiche im Rasen bilden, aber ich finde die von Sc. bifolia unübertroffen.  In der Essener Gruga gibt es eine solche Fläche  mit Sc. sibirica;  in der Nähe des Zaubernusshains kann man sie zurzeit nicht übersehen.

Neben diesen beiden Scilla- Arten gibt es ähnliche Scilla Arten und Sorten, beide z.B. auch in weiß, auch in meinem Garten.  Leider habe ich Probleme, manche genau zu bestimmen. Vielleicht kann mir jemand anhand des Fotos helfen.

Ich bitte um Hilfe! Keine Scilla, da die Blütenblätter an Blütenboden verwachsen sind. Erinnert mich an Puschkinien, die aber weiß mit blauem Mittelstreifen blühen.Ich bitte um Hilfe! Keine Scilla, da die Blütenblätter an Blütenboden verwachsen sind. Erinnert mich an Puschkinien, die aber weiß mit blauem Mittelstreifen blühen.Übrigens vergeht das Laub der Scilla bifolia sehr schnell, schneller als z.B. das der Krokusse. Denn als Bewohner lichter Laubwälder nimmt ihr bald die Konkurrenz am Boden und an den Bäumen das Licht weg. Deswegen muss das Blausternchen seine Zwiebeln ganz schnell für die näcshte Saison  aufladen, Samen bilden und kann  dann die Blätter vergilben lassen.   Auch leidenschaftlichen Rasenliebhabern kann man daher zu dieser Pflanze raten, denn sie brauchen ihre Mählust nicht allzu lange zu zügeln. Überzeugt?  Dann machen Sie es besser als ich und sparen Sie nicht an Zwiebelchen. 100 Stück sind für unter 20 Euro zu haben. Und anders als bei den meisten Stauden muss man sich nur einmal bücken, beim Pflanzen der Zwiebeln.  Naja, vielleicht auch noch einmal beim Fotografieren. Denn schön sind auch die Einzelblüten.  

Bezugsquellen: Nahezu überall, wo es Blumenzwiebeln gibt.

Literatur: Elisabeth Schmid, Gartenwürdige Scilla Arten, Garten Praxis 9/1991 S. 26-29; https://www.mein-schoener-garten.de/pflanzen/blaustern

Nachtrag: Vo einem Leser wurde ich darauf hingewiesen, dass es natürliche himmelblaue Blütenteppiche mit Scilla bifolia auch südlich von Bonn im Ennert (Siebengebirge) gibt. Das Besondere: Die Pflanze erreicht dort ihre nördliche Verbreitungsgrenze:  https://www.natur-erleben-nrw.de/natura-2000/regionen-und-gebiete-in-nrw/details/siebengebirge-teilgebiet-ennert/. Also nix wie hin.

 
 


 

 Irrungen und Wirrungen eines Hobbygärtners

 

Frisch im Topf gekauftes türkisiches Schneeglöckchen (Galanthus elwesii subsp. elwesii) mit durchgehender grüner ZeichnungFrisch im Topf gekauftes türkisiches Schneeglöckchen (Galanthus elwesii subsp. elwesii) mit durchgehender grüner ZeichnungDie Zucht neue Sorten ist Profisache. Jedenfalls habe ich es noch nie versucht, durch gezielte Kreuzung verschiedener Pflanzen eine neue Sorte zu züchten. Manche Sorten ergeben sich aber auch durch Auslese von auf natürlichem Weg entstandenen Kreuzungen oder Mutationen. Im letzten Jahr fand ich unter den Schneeglöckchen der Art Galanthus elwesii (Türkisches  S.) in meinem Garten eines, das von den direkt benachbarten abwich. Während die anderen nur eine grüne Zeichnung am unteren Rand der inneren Blütenblätter aufwiesen, war bei diesem die Zeichnung bis  oben zum Fruchtknoten hin durchgezogen, was ein wenig an einem kleinen Menschen erinnerte. Ich habe im letzten Jahr darüber berichtet. Das Foto vom letzten Jahr mit beiden unterschiedlichen Formen habe ich noch einmal auf der Startseite der Website wiedergegeben.  Vielleicht  weil ich damals kurz vorher die Schneeglöckchentage in Knechtsteden besucht hatte, wo eine unglaubliche Fülle an Schneeglöckchensorten ausgestellt werden, dachte ich sofort, ich könnte eine neue Sorte gefunden haben und habe ihr - wenn auch nicht ganz ernsthaft - einen Namen gegeben.  Zwar war mir klar, dass sie sicher keine Sortenkarriere machen könnte, denn dafür war die Abweichung vom scheinbar Normalen zu gering. Aber immerhin.

G. elewsii subsp. monosticus mit schmalem Mal nur untenG. elewsii subsp. monosticus mit schmalem Mal nur unten Vor wenigen Tagen  sah ich im Gartenmarkt eine Auslage mit vielen getopften G. elwesii. Schon das Schneeglöckchen  im ersten Topf, den ich in die Hand nahm, zeigte mir: Das ist doch in der Zeichnung ähnlich zu dem kleinen Menschen wie  bei meiner neuen "Sorte". Das konnte kein Zufall sein. Ich muss gestehen, etwas mehr Recherche  hätte mich vor meinem Irtum, etwas  Neues gefunden zu haben,  bewahrt. In meinem Buchbestand befindet sich das kleine Buch "Schneeglöckchen - Zauber in Weiß " von Günther Waldorf. Darin wird beschrieben, dass es zwei Unterarten  von   Galanthus elwesii gebe, eine mit Zeichnung nur am unteren Ende der inneren Blütenblätter, G. elwesii var. monosticus, die andere mit zwei Zeichungen unten und oben oder auch durchgehend.  Letztere Unterart G. elwesii var. elwesii stellt also meine "Sorte" dar und verwirrend ist nur, dass beide Unterarten offenkundig in den Blumenzwiebelpackungen, die verkauft werden, vermischt sind. Möglicherweise ist der Übergang zwischen den beiden Unterarten aber auch fließend. denn im meinem Bestand habe ich nicht weit von einander  Pflanzen gefunden, die nur einen dünnen, schmalen Haken als Zeichnung aufweisen, bei anderen schwillt er zu einem schönen dicken Herzen an und es zeigen sich außerdem zwei schwache grüne Flecken oben oder die Zeichnung ist durchgehend, aber nicht bis zum Fruchtknoten, oder er endet erst dort.  Erst jetzt hat sich mir also (vielleicht?) die ganze Vielfalt dieser Schneeglöckchenart erschlossen.

Nach diesem frustrierenden Erkenntnisgewinn, dass die Sortenfindung ein Fehlschlag war,  habe ich  lieber zwei "echte" Sorten im Versand "in the green", also als grüne Pflanze, gekauft: Galanthus plicatus 'Wendys Gold' mit gelber Zeichnung am Fruchtknoten und auf den inneren Blütenblättern, und Galanthus 'Mrs. Thompson' mit zurzeit vier dicken äußeren Blütenblättern, die sich bei älteren Pflanzen noch auf sechs vermehren sollen, und halber Füllung innen. Mut hat mir gemacht, dass sich die Sorte G. plicatus 'Trympostor' vom letzten Jahr gut bestockt hat und jetzt schon zwei Blütenstiele zeigt.  (Foto in der Kleinen Schneeglöckchenparade im Menüpunkt Fotogalerie)

Im Garten gefundenes Schneeglöckchen Galanthus nivalis (leider schon etwas ramponiert) mit gelber Zeichnung an den inneren Blütenblättern und gelbem Fruchtknoten (wirklich, das Foto täuscht) Im Garten gefundenes Schneeglöckchen Galanthus nivalis (leider schon etwas ramponiert) mit gelber Zeichnung an den inneren Blütenblättern und gelbem Fruchtknoten (wirklich, das Foto täuscht) Trotz der Enttäuschung fällt es mir schwer, mich im Garten nicht nach Besonderheiten umzusehen. Fürs Erkennen der Abweichungen  von der Regel braucht es gute Augen, die ich nicht habe. Erfreulicherweise sieht es in der Familie  damit im wahrsten Sinne des Wortes  besser aus. Tatsächlich gab es jetzt wieder einen Fund -  mitten in einem Meer von Schneeglöckchen ein an Fruchtknoten und Mal gelbes Galanthus nivalis, ähnlich der von mir gekauften Sorte 'Wendys Gold', welche aber zur Art G. plicatus zählt.  Natürlich wurde der Fund ausgelesen und gesondert eingepflanzt. Eine Sortenbenennung habe ich  nach dieser Erfahrung aber nicht vor. Vielleicht ist das Schneeglöckchchen nur gelb im Abblühen und welche Farbe wird die Zeichnung im nächsten Jahr haben?  Und welche ähnlichen oder gleichen Sorten gibt es schon. Also  abwarten. Leider ist es also sehr, sehr unwahrscheinlich, dass ich durch eine Sortenbenennung in die Annalen der Gartengeschichte eingehe.

Der Name der englischen Gartenlady Ellen Willmott (1858 -1934)  bzw. der ihres Gartens Warley Place ist hingegen mit ca. 50  Pflanzenarten oder -sorten verbunden ist, z. B. auch der Schneeglöckchensorte 'Miss Willmott' https://swiss-drops.ch/en/gallery.html. Die  berühmteste aller nach ihr benannten Sorten ist jedoch 'Miss Willmotts Ghost', eine Sorte der  Elfenbeindistel (Eryngium giganteum).  Und zwar wegen der Geschichte, dass die  Namensgeberin  bei Besuchen fremder Gärten unbemerkt hier und da einige Samenkörner dieser Staude aus ihrer Rocktasche fallen zu lassen pflegte und vielleicht macht sie es als Geist immer noch.  Wenn die Sämlinge später aufgingen  (sie keinem nämlich sehr gut), sollten die  Gartenbesitzer an den Besuch von Miss Willmott erinnert werden.

Elfenbeindistel (Eryngium giganteum 'Miss Willmotts Ghost' mit Phlox paniculatum 'Blue Paradise'Elfenbeindistel (Eryngium giganteum 'Miss Willmotts Ghost' mit Phlox paniculatum 'Blue Paradise'Das habe ichin meinem Blog "Wo der Geist der englischen Gartenlady umgeht"  auch wiedergegeben.  http://rolandsstaudengarten.de/garten-blog-2018/#Distel. Aber, auch das war ein Irrtum von mir.  Dank eines Hinweises von Thorsten Willmann vom Arboretum Härle  in Bonn (das man unbedingt besuchen muss http://www.arboretum-haerle.de/ ) bekam ich Zugang zu einer Kurzbiografie von Ellen Willmott  in "The Plantsman", March 2018,p. 58. Der Autor Charles-Quest-Ritson versichert, dass die Geschichte  falsch sei. Denn die sehr "reiche,  energische, großzügige, leidenschaftliche und kundige" Gartenlady war mit allen damaligen Koryphäen bestens vernetzt und hatte derartiges nicht nötig. Dass ich auch in diesem Punkt irrtümlich etwas Falsches geschrieben habe, finde ich allerdings eher schade, denn die Story beweist ja die Gartenleidenschaft von Ellen Willmott. Und wahrscheinlich würde sie es im Nachhinein auch gut finden, wenn die Geshichte wahr wäre. Man müsste mal ihren Geist befragen.

Literatur zu neuen Schneeglöckchensorten:

Hagen Engelmann, Wenn Weiß-Grün und Weiß-Gelb nicht mehr reichen, Gartenpraxis 12-2019,   S. 13 ff; sh. auch seine Website http://www.garten-in-den-wiesen.de/startseite.html


Bezugsquellen von Schneeglöckchensorten: 

https://www.staudenfan.de/  https://www.michaelcamphausen.de/

 

 



 

 

Staudenblattwerk im schneelosen WinterEfeublättriges Alpenveilchen: Die unterschiedliche Zonierung der Blätter an zwei verschiedenen Pflanzen ist gut zu erkennen: links ist die Zonierung innen hell und rechts innen dunkel.Efeublättriges Alpenveilchen: Die unterschiedliche Zonierung der Blätter an zwei verschiedenen Pflanzen ist gut zu erkennen: links ist die Zonierung innen hell und rechts innen dunkel.

2020-01-12

Gärten im Winter: Der Standard von Kalenderblättern und Büchern sind immer  Bildsituationen, bei denen Schnee oder Rauhreif die Gartenpartie "verzaubern".  Das Weiß  des Schnees und die im Licht funkelnden Eiskristalle verbinden die verschiedenen Pflanzen, Sträucher udn Bäume zu einem  malerischen Bildganzen. Kein Zweifel, das  sind unglaublich schöne Gartenbilder   von durch Frost und Schnee wunderbar verwandelter Pflanzen.

Leider gibt es diese Traumbilder unseres winterlichen Gartens (vgl. dazu im Archiv aus Blog Auffälllig im Winter: Italiensicher AronstabAuffälllig im Winter: Italiensicher Aronstab2016:   http://rolandsstaudengarten.de/data/documents/Genau-besehen_Winterliche-Blatttexturen.pdf nicht zuletzt wegen des Klimawandels  nur noch an wenigen Tagen des Winters Ist der Garten an den übrigen Tagen im Winter also langweilig? Denn die Stauden sind von der Erdoberfläche verschwunden und zeigen sich erst wieder im Frühjahr mit neuem Grün. In vielen Gärte versucht man das durch immergrüne Gehölze auszusgleichen. Ich selbst gehe damit, insbesondere mit großblättrigen Gehölzen eher sparsam um, weil durch die Dominanz der immer gleich aussehenden Gehölze  der Unterschied der Jahreszeiten verwischt wird.

Deswegen haben ich mich einmal gezielt im Garten umgesehen und tatsächlich, es gibt sie, Stauden  im Winter mit schönem, sehenswerten Blattwerk. Dazu einige Beispiele aus Massenware, aber aufhellend im dunklen Winter: Weißfilziges GreiskrautMassenware, aber aufhellend im dunklen Winter: Weißfilziges Greiskrautmeinem Garten.

Nicht ausreichend hochgelobt werden können von mir die Alpenveilchen, deren verschiedene Arten gerade jetzt im Winter durch das schöne Blattwerk auffallen. Allen voran steht das völlig frostharte Efeublättrige Alpenveilchen (Cyclamen hederifolium), das im August und September geblüht hat, dann erst haben sich die Blätter völlig entfaltet, um im Frühjahr wieder zu vergehen. Jede einzelne Pflanze des Alpenveilchens zeigt eine andere bizarre farbliche Zonierung der Blätter (vgl. aus Blog 2017 im Archiv: rolandsstaudengarten.de/data/documents/Alpenveilchen-fuer.pdf ). Jetzt im Winter kann man das genau studieren und die hellgrünen  und dunkelgrünen farblichen Abstufungen der Blätter vergleichen.

Filgirane Aderung der ElfenblumeFilgirane Aderung der ElfenblumeErst in diesem Winter richtig aufgefallen ist mir der Schatten liebende italienische Aronstab (Arum italicum maculatum), der laut Literatur ein wenig braucht, um sich voll zu entwickeln ( https://shop.sarastro-stauden.com/products/getProduct/36/italicum-ssp-marmoratum).  Seine Blattzeichung ist mindesten so ausdrucksvoll wie die der Alpenveilchen. Da es von ihm eine Reihe von unterschiedlich gezeichneten Sorten gibt, werde ich vielleicht noch eine andere Sorte dazu pflanzen. 

Manche sehr passionierte Gärtner*innen mögen bei dem nächsten Beispiel die Nase rümpfen. Dennoch kann ich eine Massenware aus der Herbstkollektion der Gartencenter nur empfehlen: das Silberblatt oder Weißfilziges Greiskraut (Senecio cineraria). Gerade an trüben Tagen tritt das Leuchten seiner silbrig-grauen Blätter  vor dunkler Erde oder Falllaub Blaugrünes NelkenpolsterBlaugrünes Nelkenpolsterhervor. Es ist winterhart,  hält sich mehrere Jahre und muss nur zurückgeschnitten werden, wenn sich die wenig ansehnlichen gelben Blüten zeigen. Es steht bei mir im Wurzelbereich eiens flachwurzendeln Baumes, wo es im Sommer zienmlich trocken ist.

Nicht bemerkt hatte ich bisher, dass bei verschiedenen wintergrünen Elfenblumenarten sich die eher etwas langweiligen Blätter jetzt  leicht orange oder rot  verfärben bzw. sich eine  Verfärbung der Blattadern zeigt.  Hier im Bild der Klassiker  Epimedium x perralchicum 'Frohnleiten'.  Das macht sich gut und ist ein weiterer Grund diese unkomplizierten Schattenstauden zu pflanzen. Denn die einzige Mühe, die man mit ihnen hat, ist das Zurückschneiden dieser Blätter im März, damit das schöne helle neue Grün und die Blüten gut sichtbar austreiben können (vgl.  im Archiv  Blog 2017/04 zu Elfenblumen).

Im Steingarten und an der Trockenmauer sind jetzt die silbrigen oder bläulichen Polster Steinbrechrosetten mit wegelmäßiger BlattanordnungSteinbrechrosetten mit wegelmäßiger Blattanordnungverschiedener Nelkenarten am auffälligsten, deren sternförmige Triebspitzen im Polster wie vernetzt wirken.  Ebenso sticht das Filzige Hornkraut mit weiß-grauen Blättern hervor, während die starren Steinbreche, im Foto Jovibarba heuffelii, in der Regelmäßigkeit der Geometrie ihre ästhetischen Vorzüge haben. 

Manche zweijährige Pflanzen bilden im ersten Jahr flache Rosetten aus, die in ihrer Regelmäßigkeit zurzeit hervorstechen. Dazu zählen bei mir vor allem verschiedene Fingerhutarten, wobei die Rosetten des bekannten heimischen Roten Fingerhuts (Digitalis purpurea) allerdings ein wenig unordentlich aussehen. Ähnliches gilt sicher für die verschiedenen Arten der Königskerzen.

Die Liste lässt sich um viele insbesondere kleinblättrige Arten, oft aus dem Mittelmeerraum So kennt man den Fingehut nicht: Winterrosette eines südlichen Fingerhuts (die genaue Art kann ich erst zum Blühtermin bestimmen, da das Etikett weg ist)So kennt man den Fingehut nicht: Winterrosette eines südlichen Fingerhuts (die genaue Art kann ich erst zum Blühtermin bestimmen, da das Etikett weg ist)stammend oder aus dem alpinen Raum, erweitern: Lavendel, Salbei,  Schleifenblume, verschiedene Glockenblumen, Storchschnabelarten, Wulfenia, Heuchera-Sorten und natürlich alle NIeswurzarten, insbesondere die mächtige sog. Stinkende (was sie nicht der kaum tut) Nieswruz (Helleborus foetidus), deren Blütenglöckchen jetzt schon leicht geöffnet sind.

Es muss also nicht langweilig sein im schneelosen winterlichen Staudengarten, wenn man sich aufs Detail konzentriert. Da das Blattwerk bei den meisten Stauden sich in dieser Zeit aber nur wenig über den Boden erhebt, darf man jetzt von den Stauden allein in der Regel keine durchkomponierten Gartenbilder erwarten, denn dafür fehlt die dritte Dimension.

 

 


 

 

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