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Rolands Garten-Blog 2019

Deinanthe, die verschämte Tante                                                                                                                                                                                        2019-07-31

Freiland-Orchideen - keine Hexerei                                                                                                                                                                                     2019-06-20

Usambaras Garten-Schwestern                                                                                                                                                                                            2019-05-25

Mythos einer Blume: Adonisröschen                                                                                                                                                                                  2019-04-14

Wo die Osterglocken läuten                                                                                                                                                                                                   2019-03-24

Galanthomania für unter 10 €                                                                                                                                                                                              2019-02-23

Blüten essen - wie barbarisch!?                                                                                                                                                                                           2019-01-27                        

Deinanthe caerulea (Blaue Scheinhortensie)Deinanthe caerulea (Blaue Scheinhortensie)Deinanthe, die verschämte Tante

Zugegeben, dieser Reim ist albern und einer Sommerlaune entsprungen.  Vermutlich können auch nicht so viele Leserinnen uund Leser des Blogs mit dem Namen Deinanthe viel anfangen. Das konnte ich bis vor einigen Jahren auch nicht, bis ich zwei Exemplare Deinanthe geschenkt bekam. Beide haben sich gut entwickelt, sind in die Breite gegangen, ohne zu wuchern, lassen kein Unkraut durchkommen,  und geben das ganze Gartenjahr mit ihren schönen Blättern und ihrem kompakten Wuchs ein gutes Bild ab. Trotz meines kalkhaltigen Gartenbodens kommen sie mit etwas  Rhodohum bei der Pflanzung gut zurecht, obwohl sie eher sauren Boden  wollen. Im Frühjahr kann es passieren, dass Fröste ihrem Austrieb schaden. Das sieht zunächst ganz "Blaue Augen, reich bewimpert""Blaue Augen, reich bewimpert"schlimm aus. Aber sie treiben dann später neu aus, als wäre  nichts gewesen.

Warum das Attribut "verschämt"? Das hängt mit den Blüten von Deinanthe zusammen. Sie sind nach unten gerichtet oder maximal zur Seite, so dass der flüchtige Betrachter die schönen blauen "Augen" von Tante Deinanthe , also die Blüten,  mit dem dichten Wimpernkranz aus Staubfäden  nicht erkennen kann, sondern nur die Rückseite der Kelchblätter zu sehen bekommt. Die 2 cm großen Einzelbüten stehen in einer flachen Rispe zusammen und blühen zeitlich versetzt.

Warum Tante? Weil es uns wohbekannte Verwandte gibt, denn die botanische Gattung Deinanthe gehört zur botanischen Familie  der Hortensiengewächse. Deswegen führt die Deinanthe auf deutsch den wenig schönen Namen Scheinhortensie. Deinanthe caerulea (die bläuliche) aus meinem Garten hat noch Deinateh rechts, neben Freilandfuchsie, Wiesenraute und Rhodendren. Man sieht die Sonnenschäden. Deinateh rechts, neben Freilandfuchsie, Wiesenraute und Rhodendren. Man sieht die Sonnenschäden. eine weiß blühende Schwester, Deinanthe bifida. Außerdem gibt es Sorten, die aus Kreuzungen beider Arten entstaden sind.

Mir macht in diesem Jahr die viele Sone Probleme mit den beiden Pflanzen, denn sie mögen Schatten oder Halbschatten, Sie stehen bei mir aber eher  etwas zu sonnig. Dadurch haben die Blätter eingie unschöne Flecken. Wer in den Gartenkatalogen nach Deinanthe sucht, wrid immer Lobeshymnen über ihre Gartentauglichlichkeit lesen können. Sie mag ja verschämt sein, die Tante, sie hat aber Qualitäten. Dennoch glaube ich nicht an eine große Karriere der Deinanthe, weil man diese Qualitätem auf den ersten Blick nicht erkennt.

 Bezugsquellen: Staudenfan mit schönen Fotos und Erläuterungen  https://www.staudenfan.de/Stauden/Deinanthe.html; Sarastro Stauden https://shop.sarastro-stauden.com; Allgäu Stauden https://www.allgaeustauden.de.


 

Freiland-Orchideen - keine Hexerei

Hier ist der Blütenaufbau der Orchideen gut erkennbarHier ist der Blütenaufbau der Orchideen gut erkennbarOrchideen gelten immer noch als etwas Besonderes, seien es die tropischen Im Zimmer, obwohl wir inzwischen von Massen an Phalaenopsis, der Schmetterlingsorchidee, in den Gartencentern förmlich überschwemmt werden, sei es auch im Garten. Ich habe nicht viele, nur fünf verschiedene Orchideen im Garten, aber die lassen sich zumindest bei meinen Gartenbedingungen gut halten. Mit einem weiteren Vorurteil muss ich aufräumen. Nicht alle Orchideen haben  prächtige Hinguckerblüten, sondern sehr viele der heimischen und europäischen Orchdieenarten sind eher bescheidene Blümchen, auch wenn sie alle den ähnlichen komplizierten Blütenaufbau haben.

Vereinfacht gesagt, haben sie sechs Blütenblätter, drei äußere udndrei innere, wobei die unterste der drei inneren zur vergrößerten Lippe ausgebildet ist, auf der die Bestäuberinsekten landen können. Zieht man eiene gedachte senkrechte Linie durch die Orchideenblüte, dann sind beide Seiten spiegelbildlich symmetrisch. Bei den Frauenschuhorchideen sin die drei inneren Blütenblätter zum Schuh zusammengewachsen, so dass die Insekten hineinfallen. Beim Herauskrabbeln müssen sie an der Sstendelwurz 'Sabine' (Epipactis gigantea x palustris) am BeetrandSstendelwurz 'Sabine' (Epipactis gigantea x palustris) am Beetrandsogenannten Säule mit den weiblichen Fortpflanzungsorganen vorbei und bestäuben diese.

Entschuldigung, das musste sein. Denn auf den ersten Blick sehen auch meine Orchdieen sehr uterschiedlich aus.  Da ist zunächst Stendelwurz 'Sabine', eine Züchtung aus der amerikansichen Riesenstendelwurz Epipactis gigantea) und der europäischen Sumpfstendelwurz (Epipactis palustris). Trotz der Herkunft braucht sie keinen Sumpf, sondern wächst gut im Halbschatten, wenn der Boden nicht zu trocken ist. Diese Pflanze ist sehr robust, denn sie gehört zu den wenigen Orchideen, die kurze  Ausläufer bilden, so dass man bald einen kleinen Bestand davon hat. Ich nutze sie als Randbepflanzung. Dringt sie zu weit ins Beet vor, dann werden die Ausläufer eben entfernt. Die zarte Schönheit der Blüten kann man von oben kaum erkennen, eigentlich müsste man sie erhöht pflanzen, was aber dann zu trockenem Boden führen dürfte.

Wieder ganz anders sieht das dunkelrot blühende Übersehene Knabenkraut Übersehenes Knabenkraut (Dactylorhiza praetermissa) Übersehenes Knabenkraut (Dactylorhiza praetermissa) (Dactylorhiza praetermissa) aus, das heimisch ist, in Deutschland anders als in anderen europäischen Ländern aber selten zu  finden ist. Diese Pflanze braucht viel Feuchtigkeit. Bei mir steht die seltenere Form mit den gefleckten Blättern  in einem  Graben, der immer wieder mal mit Brunnenwasser bewässert wird und vor der Teichrenovierung gab es sogar ein Exemplar im Teich.   Während die Einzelblüten der Sumpfstendelwurz etwa 1-1,5 cm groß sind, sind die Blüten des Knabenkrauts noch einmal kleiner, dafür ist der Blütenstand nicht einseitswendig, sondern  ist rundum mit Blüten besetzt. Ich hatte nur ein Exemplar des Knabenkrauts gekauft, seitdem hat es sich aber mäßig ausgesät, so dass jetzt mehrere davon im Graben blühen.

Blickfanghöhepunkt sind natürlcih die drei Frauenschuhorchideen, die ihre Blüte anders als die vorigen Orchideen schon im Mai bis Anfang Juni hatten.  Die ganze Pflanze des Knabenkrauts schon leiciht verblühtDie ganze Pflanze des Knabenkrauts schon leiciht verblühtBeeindruckend ist der Königin-Frauenschuh (Cypripedium reginae), der ursrpünglich aus Nordamerika stammt. Weil der Boden in meinem Garten zu schwer ist, muss er eine Dräinage und Lockerung druch Sand, Perlite und Bimskies haben. Keine Fotos habe ich von den beiden Frauenschuhsorten 'Emil' und 'Ingrid'. Die habe ich mal als "Überbrückung" gepflanzt, weil sie dem heimischen Frauenschuh (Cypripedium calceolus)  ähnlich sehen.  Den hatte ich nämlich auch mal gehabt bis die unterirdischen Liebhaber meines Gartens, die Wühlmäuse,  zubissen. Da der heimsiche Frauenschuh nicht immer leicht zu bekommen ist, habe ich es eben mit den beiden  versucht. Alle Frauenschuhsorten und -arten mögen keinen sonnigen Stadnplatz, sondern Halbschatten oder Schatten.

Weitere Fotos von europäischen Wildorchideen finden Sie unter dem Menüpunkt Fotogalerie in der Bildergalerie Montenegro.

Übrigens:  alle meine Orchideen sind sehr langlebig und stehen mindestens schon 10 Jahre im Garten. Und das kann sicher noch sehr lange so weitergehen, außer die unterirdischen  Liebhaber sollten zu großen Gefallen an ihren Knollen finden. Könign-Ferauenschuh (Cypripedium reginae) mit blauem Lerchensporn (Corydalis flexuosa) Könign-Ferauenschuh (Cypripedium reginae) mit blauem Lerchensporn (Corydalis flexuosa)

Bezugsquellen: https://www.orchideen-wichmann.de; Frosch Gartenorchideen  https://www.cypripedium.de; Gartenbau Härtl https://www.ihrgartenbau-haertl.com

 


 

Usambaras Garten-Schwestern

Das beliebte Usambaraveilchen (Saintpaulia ionantha) Das beliebte Usambaraveilchen (Saintpaulia ionantha) Fast jeder kennt das niedliche Usambaraveilchen, das mit Veilchen allerdings nicht verwandt ist. Als Taschengeld adäquates Muttertagsgeschenk dürfte es kürzlich wieder eine Rolle gespielt haben. Ich selbst kaufe mir auch immer wieder einmal eines  (meist in dunklem Blau), warte nach dem Verblühen vielleicht einmal noch eine Wiederblüte ab, um es dann in den Kompost zu  geben. Kindern kann man an der Pflanze sehr schön zeigen, wie neue Plfanzen gezogen werden können, indem der Stiel abgepflückter Blätter  in Erde  gesteckt werden und mit einer  Plastikhaube bedeckt werden.

Das Usambaraveichen (Saintpaulia ionantha) ist ein Gesneriengewächs, das aus dem gleichnamigen Gebirge in Tansania stammt.  Es gibt  ca. 160  nahezu ausschließlich tropische Gesnerienarten. Einige andere haben es ebenfalls in unsere Zimmer geschafft, wie die Drehfrucht (Streptocarpus) oder der Schiefteller (Achimenes). Drei Gattungen allerdings kommen nicht weit von unserer Heimat in den Gebirgen Südeuropas vor  und sind winterhart, also Ramonda serbica (Serrbischer Felsenteller) am Naturstandort in MontenegroRamonda serbica (Serrbischer Felsenteller) am Naturstandort in Montenegrogartentauglich. Zwei davon kultivieren ich in meinem Steingarten.

Den Pyrenäen-Felsenteller (Ramonda myconii) habe ich schon lange mit wechselndem Erfolg. In diesem Jahr blüht er leider nicht. Stattdessen war mir beim Osterurlaub in Montenegro  das Glück beschieden, eine andere Unterart der Ramondas zu sehen: Ramonda serbica. Der serbsiche Felsenteller fand sich in Massen  in einem Felsband an einer Straße hoch über dem Skutarisee. Es gibt Momente, da schlägt einem Pflanzenliebhaber das Herz einfach höher. Das war ein solcher Augenblick für mich. Einfach beeindruckend fand ich, wie die blühenden Ramondas sich bei heftigem Wind in den senkrechten Fels krallten.  Und dieses Erlebnis war Auslöser dafür, den südeurpäischen Gesnerien diesen Blog zu widmen.

Ramondas haben wie auch die beiden weiteren nahen Schwestern des Usambaraveilchens eine immergrüne Rosette dunkelgrüner runzlicher Blätter und ihre hellblauen Blüten mit den fünf Blütenblättern sehen denen des Usambaraveilchens richtig ähnlich. Sie brauchen alle eher schattige, leicht feuchte und dennoch durchlässige Steinpartien zum Gedeihen im Garten.Ramonda serbica klebt massenhaft im senkrechten FelsenRamonda serbica klebt massenhaft im senkrechten Felsen

Haberlea rhodopensis (Haberlee) im GartenHaberlea rhodopensis (Haberlee) im GartenDie zweite Schwester heißt Haberlea rhodopensis und kommt aus den Rhodopen, einem Gebirge  in Bulgarien und Nordgriechenland. Die Haberlea ist etwas einfacher zu ziehen und kommt notfalls auch ohne Steine aus, braucht aber natürlich auch Schatten und eienn leicht feuchten durchlässigen Boden.  Ihre Blätter sind deutlicher gezähnt und länglicher als die der Ramonda, die hellblauen Blüten sehen denen der Drehfrucht und des Schieftellers mit der schlundartigen Blütenform  etwas ähnlich.  Die manchmal benutzte Bezeichnung "Freilandgloxinie" ist zwar von der Nomenklatur her irreführend, aber dennoch bildhaft.

(Die dritte Schwester, Jankaea heldreichii ist eine Pflanze vom thassalischen Olymp und wohl die schwierigste in Gartenkultur. Bisher habe ich es mit ihr noch nicht probiert.)

Spannend finde ich, dass es über so viele Kilometer Entfernung und in so unterschiedlichen Klimazonen verwandte Pflanzen gibt, die sich Ramonda myconii im Garten blüht in diesem Jahr leider nichtRamonda myconii im Garten blüht in diesem Jahr leider nichtäußerlich so ähnlich sehen wie das Umsambaraveilchen mit seinen europäischen Schwestern, insbesondere mit Ramonda. Auch das Usambaraveilchen liebt eher schattige Stellen und seine Blätter sehen denen der Ramonda ähnlich, auch wenn sie nicht runzlig sind. Das bringt mich auf die Idee, einmal auszuprobieren, ob  sich die europäischen Schwestern auch durch Blattstecklinge vermehren lassen. Ist diese Eigenschaft genetisch bedingt oder  eher dem tropischen Klima der Herkunft des Usambaraveilchen zuzuschreiben? Mein Forschergeist ist geweckt.  

Literatur:  Dimitrij Trofimov, Winterharte Gesneriengewächse, der  Staudengarten , Mitgliederzeitschrift der Gesellschaft der Staudenfreunde, 2019, Heft 2, S. 16-23

Sven Nürnberger/Thomas Eidmann, Gesnerien für anspruchsvolle Standorte, Gartenpraxis 2014, Heft 9, S. 30-35

Bezugsquellen:  staudengaertnerei-eidmann.de  (hat alle drei Arten, z.T. auch Unterarten); Kilians Staudenkulturen kilian@my-lohfelden.de (Ramonda in Sorten; Haberlea)

 


 

Mythos einer Blume: Adonisröschen

Schöne Menschen leben gefährlich. Der schönste jemals auf der Welt lebende  junge Mann soll nach verschiedenen Erzählungen der Antike Adonis gewesen sein. Und es ist klar, dass sich Aphrodite, die ebenfalls einmalig schöne Göttin der Liebe, sofort in ihn verliebte. Eifersüchtig beobachtete der Göttervater Zeus das lustwandelnde Liebespaar. Weil Aphrodite ihm keine Beachtung schenkte, sann er auf Rache.  Zu Hilfe kam ihm sein Kumpan, der Kriegsgott Ares. Als Adonis auf der Jagd war, verwandelte sich Ares in einen wilden Eber und verletzte Adonis mit seinen Hauern so schwer, deass dieser starb.   Mit dem Herzeleid von Aphrodite hatte die Götterwelt Erbarmen udn so wurde jeder Blutstropfen des Gemeuchelten zu einer rot blüheden Blume, dem Sommeradonisröschen, das auch den Volksnamen  Blutströpfchen hat.  Aphrodite blieb aber weiter untröstlich Das strahlende Frühlingsadonsiröschen (Adonis vernalis)Das strahlende Frühlingsadonsiröschen (Adonis vernalis)und folgte ihrem Geliebten sogar in die Unterwelt. Da empfand Zeus Reue  und  verfügte, dass Aphrodite mit ihrem Geliebten, der nun die Gestalt einerr schönen strahlenden Blume annahm, dem Frühlings-Adonisröschen, jedes Jahr sechs Monate zusammen sein konnte.  Wie  allerdings die kraft göttlicher Bestimmung und göttlichen Auftrags allzeit sinnenfreudige Aphrodite ihre Liebe zu dem kleinen Blümchen  ausgelebt haben mag, das sie so sonnig anstrahlte, bleibt für uns Nachgeborene das ungeklärte Geheimnis des antiken Mythos.

Auflbühendes FrühlingsadonisröschenAuflbühendes FrühlingsadonisröschenMythos hin, Mythos her, fest steht für mich, dass  das Frühlingsadonisröschen trotz seines bescheidenen Ausmaßes von wenigen Zentimetern und der zunächst sich nicht besonders von anderen gelben Zungenblüten unterscheidenden Blüte einer der schönsten Frühlingsboten ist. Das liegt an dem strahlenden Glanz, den die Blüte in der Sonne zeigt und der von einem speziellen Farbstoff hervorgerufen wird. Zuhause ist die Pflanze egenlich in den Steppen Asiens, nach Europa ist sie erst nach der letzten Eiszeit eingewandert und kommt verbreitet z.B. in Ungarn und im Burgenland vor.  In Deutschland gibt es in den östlichen Bundesländern größere Vorkommen. Es in der Natur  zu finden, z.B. in den Külsheimer Gipshügeln bei Bad Windsheim in Franken, wo es in Nachbarschaft zu dem wunderschönen Federgras wächst, war für mich immer eine besonderes Erlebnis.

Auch im Garten braucht das Frühlingsadonisröschen einen sehr durchlässigen, kalkhaltigen, steinigen Boden, um zu gedeihen. Bei mir steht es seit Jahren am obere Rand eines geneigtenSteingartens  und fühlt sich Adonis amurensis blüht vor dem Laubaustrieb. Foto 2011Adonis amurensis blüht vor dem Laubaustrieb. Foto 2011jetzt besonders wohl, nachdem dort mehr Sonne ist als früher.

Nah verwandt mit dem Frühlingadonisröschen ist das ebenfalls gelb blühende Adonis amurensis aus Siblrien, das leider bei mir nur einmal geblüht hat und jetzt nur noch sein schönes gefiedertes Laub zeigt. Vielleicht hiflt Verpflanzen. A. amurensis ist eine Liebhaberpflanze. Von einem dänischen Gärtner habe ich eine Liste mit über 20 Sorten gesehen. Mir würde es reichen, diese eine Pflanze wieder zum Blühen zu bringen.

Das Sommeradonisröschen/Blutströpfchen (Adonis aestivalis), welches das aus den Wunden des Adonis tropfende Blut symbolisiert, war früher ein häufiges Getreidebeikraut und ist heute selten geworden. Es ist einjähirg und hat relativ kleine, aber selbstverständlich rote Zungenblüten mit schwarzem Grund, die wie beim anderen Adonsiröchen kreisrund um Stau0bfäden und Narbe angeordnet sind. Ich habe es nur einige Male gesehen und kann leider kein Foto bieten.

Zurück zum eigentlichen Helden dieser Geschichte, dem fröhlich strahlenden Frühlingsadonisröschen. Es ist ein Nutznießer des Klimawandels mit Das schöne Laub von Adonis amurensisDas schöne Laub von Adonis amurensistrockeneren und heißer werdenden Sommern. Überhand nehmen zurzeit das Stadtklima zusätzlich aufheizende Grobschotterwüsten in südlicher Vorgartenlage. Die englische Gärtnerin Beth Chatto hatte vor Jahren die Idee des Gravel Gardens , d.h.  Gärten zu schaffen, bei denen auf das Gießen verzichtet werden kann. Mit den deutschen Schotterwüsten wird Chatto übelst pervertiert. Dabei wäre es fast genauso  pflegeleicht statt des pflanzenlosen Schotters  mit Splitt,  Kies und Sand  einen Steppenboden herzustellen, den nicht nur das Adonisröschen, sondern auch viele andere schöne Pflanzen  freudig annehmen würden.

Wo bleiben nur die heutigen Aphroditen?

 

Informationen zu Standorten des Frühlingsadonsiröschens in Deutschland:

https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/pflanzen/pflanzenportraets/wildpflanzen/04627.html; http://lpv-wuerzburg.de/cms/phocadownload/heilkraut_01_adonisroeschen.pdf;    http://www.kuelsheimer-gipshuegel.de/main.php?page=flora.php&sprache=de

Bezugsquelle:

Gärtnerei Naturwuchs http://www.garden-shopping.de/shop/artikel_205932.html

 


 

Wo die Osterglocken läuten

Sehr viele großblütige Zwiebelpflanzen, die bei uns heimisch sind,   gibt es nicht. Viele wissen aber auch nicht, dass ganz in der Nähe, in der Eifel, eine   Narzisse, die Gelbe Narzisse oder Osterglocke, botanisch Narcissus pseudonarcissus, wild wächst. Üblicherweise im April, aber witterungsabhängig, blühen Tausende von Narzissen zum Beispiel im Perlenbachtal. Wer ein wenig Sinn für die Wunder der Natur hat, muss die Narzissenblüte in der Efiel eigentlich mal gesehen haben.  Mein eigener letzter Besuch liegt leider 11 Jahre zurück, aber die Bilder davon habe ich immer noch im Kopf. Narzissenblüte im Perlenbachtal - Foto von 2008, schon etwas verblasstNarzissenblüte im Perlenbachtal - Foto von 2008, schon etwas verblasst

Osterglocke (Narcissus pseudonarcissus) im GartenOsterglocke (Narcissus pseudonarcissus) im GartenWer jetzt da hin fährt, sollte sich Waldeinsamkeit aber erst mal abschminken, denn es handelt sich nicht um einen Geheimtipp. Von einem riesigen Parkplatz aus beginnt eine Massenwanderung, insbesondere am Wochenende. Nur nicht aufgeben, denn nach einer halben Stunde haben die meisten umgekehrt und dann ist man fast allein mitten unter lauter Narzissen und zwar entlang fast des ganzen mehrstündigen Weges. Goethes Faust kannte diesen Osterspaziergang nicht, vielleicht wäre ihm in der Eifel das Herz so aufgegangen, dass er  in Demut vor der Natur Mephisto widerstanden hätte.  Aber Ihnen kann ich den Osterspaziergang dorthin wärmstens ans Herz legen. Alle Infos einschließich Führungen unter https://www.eifel.info/natur/narzissenbluete-eifel/termine-narzissenwanderungen.

Natürlich habe ich die Osterglocke (dieser deutsche Name gefällt mir am besten) neben anderen Arten und Sorten der Narzisse, deren Namen ich aber meist nicht mehr im Kopf habe, auch im Garten.  Ich gebe zu, dass ich erst ein wenig mit den Osterglocken gefremdelt habe, weil ihre Narcissus pseudonarcissus in meiner kleinen GartenwieseNarcissus pseudonarcissus in meiner kleinen Gartenwieseblassgelben Blütenblätter, die um die dottergelbe Trompete herumstehen, manchmal  ein wenig schlapp dahängen oder auch ein wenig unordentlich aussehen.  Sie stehen jetzt aber zahlreich in meiner "Wiese" und blühen wegen der höheren Stadttemperatur schon jetzt.  Was mich freut:  es gefällt ihnen bei mir. Offensichtlich bekommen ihnen der eher feuchte und schwere Boden und das Herner Klima. Jedes Jahr vermehren sie sich auch über Samen, was an der Ausbreitung und vielen Einzelstellungen der Narzisse zu erkennen ist.  So spiegelt sich ein bescheidener Abglanz des Eifel Narzissenerlebnisses in meinem Garten wider, auch wenn zu Ostern bei mir Garten ihr Läuten längst verstummt sein wrid.

Übrigens ist ein wichtiger Vorteil aller Narzissen zum Beispiel gegenüber Tulpen oder Lilien,  dass  die unterirdischen Gartenfreunde, die Wühlmäuse, sie in Ruhe lassen.

Narcissus pseudonarcissus  ist nciht die einzige mitteleuropäische Narzissenart. Daneben gibt es die weiß blühende und statt einer Trompete mit einer kleiner gelben Schüssel  asusgestattette Narcissus poeticus, die Dichternarzisse, und die ihr sehr ähnliche, windradartige  Narccisus  radiflorus (Sternnarzisse). Auch die Dichternarzisse habe ich natürlich im Garten. Sie blüht aber erst später. In den Julischen Alpen in Slowenien habe ich sie vor Jahren gesehen und traute meinen Augen nicht. Die weißen Narzissenblüten standen in Massen  so dicht beieinander, dass ich die Narzissenwiese von weitem zunächst für ein Schneefeld gehalten hätte, wenn dies angesichts der Jahreszeit und der Höhenlage nicht unmöglich gewesen wäre. Ein wahrhaft poetischer Anblick. (sh. Erratum unten)Narcissus radiflorus am Naturstandort in Kalalbrien (Aspromonte Gebiet)
Bildrechte: Florian KirchhofNarcissus radiflorus am Naturstandort in Kalalbrien (Aspromonte Gebiet) Bildrechte: Florian Kirchhof

Bezugsquellen:

Michael Camphausen:  https://www.michaelcamphausen.de/pflanzen/narcissus-pflanzenliste/

Staudengärtnrei Gaissmaier:   https://www.pflanzenversand-gaissmayer.de/shop.php?mode=show_group&group=949C5997AC234B9C8D8975893ED229DD&sort=&s=20&limit=10

Horst Gewiehs, Blumenzwiebeln:  http://www.gewiehs-blumenzwiebeln.de/WebRoot/Store7/Shops/61425977/MediaGallery/Gewiehs,_Katalog_2018_Herbst-ohne_Geschaeftsbedingungen.pdf

Erratum

Von einem aufmerksamen Leser wurde ich auf eine falsche Erinnerung hingewiesen. Danke. Die weißen Narzissenwiesen finden sich nicht in den Julischen Alpen,  sondern auf dem Berg Golica in den Karawanken im slowenisch-österreichischen Grenzgebiet.  Es scheinen auch dort nicht die Dichternarzssen zu sein, sondern wie auf dem obigen Foto des kalabrischen Standortes  Sternnarzissen  (Narcissus radiflorus), wie sich aus den Bildern dieser schönen Website ergibt, die man auf jeden Fall ansehen sollte, wenn man die Absicht hat, im April/Mai sich das einmal anzuschauen:  https://exploringslovenia.com/2017/05/31/this-hike-will-blow-your-mind-golica-and-endless-fields-of-daffodils/.

 


 

Galanthomania für unter 10 €

Galanthus nivalis 'Flore Pleno'Galanthus nivalis 'Flore Pleno'Das kennen wir von kulinarischen Zeitschriften: Kaufanregungen für Weine, die man sich leisten kann, unter  10 €. Was für Weine gilt, muss auch für Schneeglöckchen möglich sein. Zwar sind Preise für seltene Schneeglöckchensorten nicht so schwindelerregend wie bei einem Chateau Petrus (Unter https://www.welt.de/icon/essen-und-trinken/article171508249/Chateau-Petrus-Wie-schmeckt-ein-Wein-fuer-2495-Euro.html findet sich ein sehr netter Erlebnisbericht über den Schauder, der einem  beim Trinken eines solches Weines über den Rücken laufen soll.). Die teuersten dieser Weine  liegen im fünfstelligen Bereich und wer die Flasche öffnet, weiß dennoch nicht, ob der Wein überhaupt noch noch gut ist oder vielleicht einen Korkschmecker hat.

Ausgehend von Großbritannien hat sich unter SchneGalanthus nivalis 'Viridapice im Garten'Galanthus nivalis 'Viridapice im Garten'leglöckchenliebhabern eine Sammelwut entwickelt, möglichst viele, möglichst seltene und möglichst teure Schnelleglöckchensorten zu haben, eben die Galanthomania, die Sucht nach dem Schneeglöckchen (Galanthus). Bei den Schneeglöckchen gehen die Preise für eine einzige kleine Zwiebel zwar nur bis in mehrere  100 €.  Auch gibt es hier nicht die Gefahr  Korkschmeckers; diesem  entspricht aber die Ungewissheit, ob das Zwiebelchen im nächsten Jahr wohl austreiben wird, da es möglicherweise am falschen Platz gepflanzt, mit einem Virus befallen, von den Wühlmäusen verwühlt, von anderen Pflanzen erstickt oder gar aus Versehen dem Spaten zum Opfer gefallen  sein könnte.

In meinem Garten hatte ich bisher  nur wenige Namenssorten von Schneeglöckchen und  Sorten der herimischen Art G. nivalis. G. nivalis 'Flore Pleno' ist eine alte gefüllte Sorte, Galanthus 'Desdemona', die schöne Gattin OthellosGalanthus 'Desdemona', die schöne Gattin Othellosderen Zweibeltütchen es  gelegentlich sogar im Gartenmarkt zu kaufen gibt. G. nivalis 'Viridapice' (4,50  € bei Sarastro) unterscheidet sich von der natürlichen  Art dadurch, dass es auf den äußeren Blütenblättern einen hellgrünen Fleck zeigt.  Zum anderen ist es eine Sorte des  britische Züchter Greatorex,der viele gefüllte Sorten heraugebracht hat, deren Artherkünfte nicht mehr zu klären sind. Die Namen der Sorten beziehen sich meist auf Figuren Shakespeares. G. 'Desdemona' kostet z.B. bei Camphausen 8 €, bestockt sich bei mir recht gut,  zeigt einen Hauch von Grün auf den äußeren Blütenblättern, ein sattgrünes Herz auf den inneren, und eine Zwiebel treibt oft noch eine zweite Blüte.

Eine gute Hilfe für Leute, die sich eine kleine Sammlung zulegen wollen ist der jetzt erschienene Artikel von Anne C. Repnow  "Ausgezeichnete Schneeglöckchen" (Gartenpraxis Galnthus 'Trympostor', meine pagodenförmige ErwerbungGalnthus 'Trympostor', meine pagodenförmige Erwerbung2019, 2, S. 2-12) . Sie beschreibt darin alle Schneeglöckchenarten, die von der Royal Horticultural Society (RHS) mit dem "Award of Golden Merit" ausgezeichnet worden sind, weil sie sich als "robust, attraktiv udn bezahlbar" bewährt hätten.  Die Überprüfung ergab, dass "bezahlbar" in diesem Fall bis unter 100 € meint. aber es gibt auch eine Reihe von Sorten in dieser Liste, die weniger als 10 € kosten.

In der Hoffnung auf Schnäppchen unter 10,00 € zog es mich am Sonntag, 17.02.2019, zum Schloß des Goldenen Galanthograls, dem Kloster Knechtsteden bei Dormagen. Unglaublich viele Besucher waren da, so dass ich Angst hatte, am Sonntag Mittag könnte alles schon verkauft sein.  Mit einer Liste von Sorten der Begierde - die Schneeglöckchen sollten pagodenförmig sein oder einen gelben Fruchtknoten haben oder sechs gleich lange Gantus 'Trympiostor' mit grün-weißen Streifen innen auf den äußeren Blütenblättern udn zwei solchen auf den inneren. Gantus 'Trympiostor' mit grün-weißen Streifen innen auf den äußeren Blütenblättern udn zwei solchen auf den inneren. aufgeplusterte  reinweiße Blütenblätter - zog ich los.  

Mir gefiel G. 'Trympostor', pagodenförmig und mit einer grünen Zeichnung außen  auf  den äußeren Blütenblättern und innen  grün-weiß gestreift, ebenso die inneren Blütenblätter, Kosten einer Pflanze 30.00 €. Trympostor ist ein Abkömmling der berühnten Sorte Trym (nicht der Sorte Trumps, wirklich, die gibt es). Trym soll das Problem haben, schlecht Tochterzwiebeln zu produzieren ist aber ein guter Vererber über Samen. Offensichtlich geht es bei der Schneeglöckchenzucht nicht anders als bei der Zucht von Pferden oder Hunden zu. Ohne Stammbaum geht gar nichts.

Außerdem habe ich eine  herbstblühende natürliche  Art, G. reginae olgae für 12,00 € erworben. Schnäppchen der von mir gesuchten Sorten unter 10 € waren nicht zu finden; G. 'E.A.Bowles', 50 ,00 € mit sechs gleich langen weißen aufgepluusterten BlütenblätternG. 'E.A.Bowles', 50 ,00 € mit sechs gleich langen weißen aufgepluusterten Blütenblätternvielmehr entsprachen die Preise den Internetpreislisten und lagen zwischen 25 € und 60 € .  'E.A. Bowles' mit gleichlangen aufgeplusterten Blütenblättern: 50,00 € ; 'Primrose Warburg' mit gelbem Fruchtknoten 30,00 €.  Das teuerste Schneeglöckchen, das ich gesehen habe, gab es bei Avon Bulbs aus England: G. plicatus 'Golden Fleece', pagodenförmig und mit gelbem Fruchtknoten und gelber Zeichnung für 354,00 €. Es ist eine Züchtung des englischen Züchters Joe Sharman und wurde berühmt als teuerstes jemals bei Ebay versteigertes Schneeglöckchen: für 1.390 engl. Pfund.

Mein Defilee vor den vielen unterschiedlichen Schneeglöckchen in Knechtsteden  hat bewirkt, dass auch mich die Galanthomania ziemlich fiebrig gemacht hat. Trotz heftiger Entzugsempfindungen beließ ich es aber bei den beiden Zwiebelchen. Jetzt bin ich froh G. 'Primrose Warburg', 30,00 € mit gelbem FruchtkontenG. 'Primrose Warburg', 30,00 € mit gelbem Fruchtkontendarüber. Denn wo soll ich den teuren Schatz 'Trympostor' hinpflanzen, damit er gut sichtbar ist und gleichzeitig nicht den oben genannten Gefahren ausgesetzt ist.  Und das u.a. aus Griechenland stammende, nach der Königin Olga  benannte Herbstschneeglöckchen kann ich in Blüte erst im Herbst sehen. (Wer war Olga? Vielleicht  Olga Konstantinowna Romanowna  (1851-1926), Königin von Griechenland, Schwester des Zaren, gerühmt für soziales Engagement und dass sie die Übersetzung der Bibel ins Neugreichische verantrieb?)  Das Schneeglöckchen selbst ist bei uns heikel, weil nicht sicher winterhart und es  braucht einen trockenen, warmen Standort. Vielleicht bei den  herbstblühenden Alpenveilchen?

Ein Rotwein für 30 € wäre schnell  aufgetrunken, beruhige ich mich, bei den G. plicatus 'Golden Fleece' , 354,00 €, pagodenförmig, gelber Fruchtknoten, gelbe ZeichnungG. plicatus 'Golden Fleece' , 354,00 €, pagodenförmig, gelber Fruchtknoten, gelbe ZeichnungSchneeglöckchen habe ich immerhin die Hoffnung, sie, wenn alles klappt,  demnächst wiederzusehen.

Noch besser wäre es, eigene Sorten zu finden. Eine immerhin fand sich vor zwei Jahren in meinem Vorgarten unter den türkischen Schneeglöckchen dicht an einer Samthortensie. Die inneren Blütenblätter haben abweichend von der Norm eine grüne Zeichnung von oben bis unten, was wie ein kleiner Mensch aussieht (mit etwas Phantasie). Nach dem Finder habe ich es Galanthus elwesii 'Florian' getauft. Da e sich schon verdoppelt hat, habe ich es jetzt an eine gesonderten Platz gepflanzt.  Leider glaube ich, dass diese Abweichung von der Norm häufiger vorkommt, also nichts mit  EBay. Hier wäre also ein Schnäppchen für unter 10,00 €.

 Bezugsquellen: www.michaelcamphausen.de; www.staudenfan.de; www.boschhoeve.nl; G. nivalis 'Florian' mit durchgehender grüner Ziechnung innen, daneben die NormalformG. nivalis 'Florian' mit durchgehender grüner Ziechnung innen, daneben die Normalformwww.sarastro-stauden.com

Literatur: Der Klassiker ist "Schneeglöckchen - Zauber in Weiß" von Günter Waldorf, DVA; alles über Schneeglöckchen im Internet unter http://www.galanthomanie.de/literatur.html

 

 

 

 

 


 

Blüten essen - wie barbarisch!?

Zugegeben, man kann diese Auffassung vertreten. Es war die Reaktion einer Blog-Zuschrift ,  als  ich im Dezember-Blog 2018 davon geschrieben hatte, dass man die Herbstkamelienblüten essen kann. Aber andererseits: Bei Pflanzen, die wir als Gemüsepflanzen einordnen, ist es eher selbstverständlich, auch die Blüten als essbar anzusehen.  Dass Zucchini-Blüten, gefüllt, eine Delikatesse sind, dürfte allgemein bekannt sein und auch dass man die kleinen blauen Borretschblüten ebenso wie Schnittlauchblüten als nette essbare Dekoration verwenden kann. In Knospenform werden Artischocken und  Kapern ohne Hemmungen verspeist.

Die Barbareigrenze verläuft also da, wo das Land der Zierpflanzen beginnt und ich gebe es zu: Wer Blüten isst, kann sie nicht mehr bewundern. Aber man kann es ja so einrichten, dass man nur einen kleinen Teil davon isst und dann finde ich das jedenfalls nicht barbarisch, sondern durchaus interessant und spannend. Wenn man das Land der Barbaren im ursprünglichen Sinne wie die alten Griechen versteht, dann bedeutet es ja nichts anderes als das "fremde Land, dessen Sprache man nicht versteht".  In diesem Sinne  möchte ich mit  Ihnen also jetzt  in einem für Sie vielleicht noch fremden  Land ein wenig spazieren gehen, indem ich ein paar  essbare Blüten aus dem Reich der Zierpflanzen vorstelle, deren Blütengröße es lohnt,  sie auf die Geschmacksprobe zu stellen.  

Taglilie (Hemerocallis) mit gelben BlütenTaglilie (Hemerocallis) mit gelben BlütenWie viele essbare Blütenarten gibt es? Ich weiß es nicht. Eine  Internetseite zählt allein 60 Gartenpflanzen und 13 Gewürzpflanzen auf   https://www.seminarhausuckermark.de/2016/04/28/liste-essbarer-bl%C3%BCten/.  Das sind sicher nicht alle. Aber essbar heißt ja auch nicht ohne weiteres auch schmackhaft und viele Blüten sind auch sehr klein, so dass sie nicht für alle Zwecke geeignet scheinen.  Wer will, kann auch verschiedenste essbare Blüten getrocknet im Internet kaufen.

Ich wil hier auch nicht näher auf die Klassiker, wie Rosen und Veilchen/Stiefmütterchen eingehen. Dazu gibt es genug nachzulesen.  Die erste Blüte, die es mir vom Geschmack her angetan hat, ist die Taglilie (Hemerocallis). Essbar sind die Knospen und die morgens gepflückten Blüten. Da diese relativ fleischig sind, kann man sie z.B. in Butter anbraten, so dass ihr leicht nussiger Geschmack sehr gut herauskommt. Morgens zusammen mit Rührei oder als kleine Vorspeise -  aus meiner Sicht sehr zu empfehlen.

Etwas schwer fällt es vielleicht, Gladiolenknospen und frische Blüten auszubrechen, weil der Rest dann nicht mehr ansehnlich ist.  Sie schmecken eher etwas säuerlich.  Meist wird empfohlen, Gladiolenblüten als Zugabe von Salaten zu verwenden. Aber  auch bei ihnen  ist, um ihren Geschmack richtig einordnen zu können und für die Gladiolen die richtige Kombination mit einem Gericht zu finden, das Anschmoren in Butter ein guter Ratschlag. Diese Methode  stammt von meinem Pilzlehrer Martin Knoop und gilt nicht nur für Pilze. (Sein vor Jahren erschienenes, immer noch beispielhaftes Pilzbuch  gibt es im Internet antiquarisch).

FuchsienfrüchteFuchsienfrüchteDass  Dahlienknollen essbar sind, ist ziemlich bekannt und die die Firma Lubera in der Schweiz will  jetzt sogar besonders schmackhafte  Dahlienknollen herausgezüchtet haben und verkauft sie als sog. DeliDahllien wie Kartoffeln als Pflanzgut für die Nahrungsmittelproduktion https://www.lubera.com/de/shop/delidahlien_kat-418.html.  Auch die Blütenblätter der Dahlien sind jedoch essbar. Wie bei allen Korbblütlern  lässt die zarte  Konsistenz der Blütenblätter fast nur die Nutzung als Salat zu. Da insbesondere bei den gefüllten Dahlien hiervon aber eine Menge anfällt, kann man einen Salat ausschließlich aus Dahlienblüten mixen. Das sieht schön aus und schmeckt auch. Ich habe es mal gemacht, als wir eine größere Zahl Gäste hatten: Nur einer hat etwas davon probiert. "Wat de Buer nit kennt, het fritt hei nit!".  Oder empfanden die Gäste es als barbarisch, sich an dem Dahliensalat zu vergreifen?

In meinem Wintergarten blühen jetzt noch die Fuchsien, während gleichzeitig  Fuchsienfrüchte reif werden und dabei die Farbe von Auberginen annehmen.  Der Geschmack der kleinen Früchte, die von der Menge her allenfalls zm Naschen geeignet sind, ist fad -süss und erinnert an Maulbeeren. Die  Blüten hingegen schmecken  fein säuerlich und können durchaus einen Salat bereichern. Für mich überraschend verlief die Schmorprobe in Butter: Die  Säure war viel intensiver spürbar und wenig angenehm, also in dieser Form nicht zu empfehlen.

Weil Blüten fast imme nur einen kleinen Teil der Pflanzengestalt ausmachen, können sie nicht die gleiche Rolle  für die Ernährung spielen, wie Stiele, Blätter und Knollen. Wahrscheinlich gibt es deswegen auch kaum  Rezepte für Gerichte, in denen Blüten die Fuchsienblüten in Butter geschmortFuchsienblüten in Butter geschmortHauptrolle spielen. Aber reizvoll ist es doch, die Vielfalt der Natur einmal auszuprobieren und sich nicht nur der Angebotsdiktatur des Supermarktes  zu unterwerfen.    Und schließlich isst das Auge ja bekanntlich mit. Wie wäre es also mit dem Vorsatz für das begonnen Jahr,  ein paar Versuche zu wagen?

Literatur: Allein im Internet  ist die Literatur unüberschaubar groß.  Eine schöne Bildergalerie essbarer Blüten ist hier zu finden: http://www.wellness-for-human.de/ernaehrung/ernaehrungswissen-allgemein/essbare-blueten/index.html;  https://www.hauenstein-rafz.ch/de/pflanzenwelt/sammelsurium/Essbare-Blueten.php; https://www.br.de/themen/ratgeber/inhalt/rezepte/essbare-blueten-blumen-pflanzen158.html ; ferner https://www.gartenzauber.com/essbare-bluten/;  https://www.mein-schoener-garten.de/lifestyle/gruenes-leben/essbare-blueten-willkommen-der-bluetenkueche-7526;

Buch: Claudia Költringer/Bettina Salomon, Essbare Blüten: 50 kreative Rezepte für Speisen & Getränke, 2015,  BLV, 16,99 €

 

 


 

 

 

 

 

 

 


 

 

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