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"Es wird durchgeblüht!" Karl Foerster

 

Blog

 Das Winter- Kamelienwunder                                                                                          2018-12-10

Mispel: Baum der Missverständnisse                                                                             2018-11-20

Trompetenkonzert nach Duft-Noten                                                                              2018-10-14

Fuchsien im Garten, nicht im Topf                                                                                  2018-09-24

Die Blume des Paters Delavay                                                                                           2018-08-18

Wo der Geist der englischen Gartenlady umgeht                                                     2018-07-30

Erkaltete Liebe zur "Brennenden Liebe"?                                                                   2018 -06-22              

 Vom Wald in die Küche: Bärlauch                                                                                  2018-05-18

 Tulpen, die heiklen Frühingsboten - gibt es Ausnahmen?                                   2018-04-23

 Das Monster aus dem Keller                                                                                             2018-03-31

 Hilfe, Schneeglöckchen ante portas!                                                                            2018-02-13

 Kirschblüte zwischen den Zeiten                                                                                   2018-01-14


 Das Winter- Kamelienwunder

An den klassischen Kamelien der Art Camellia japonica und ihren Sorten habe ich bisher wenig Freude gehabt.  Auch wenn sie mir als frosthart verkauft wurden, mickerten sie im Garten mehr oder weniger dahin. Wenn dann - meist im April - die Blüte stattfinden sollte, gab es doch immer mal wieder einige leichte Frosttage dazwischen und die Blüten und sogar die Knospen wurden braun. Außerdem steht dann schon die Blüte der ersten Rhododendronsorten an und dann braucht man die empfindlciheren Kamelien eigentlich nicht mehr.Camellia sasanqua 'Narumigata', Foto 10.12.2018Camellia sasanqua 'Narumigata', Foto 10.12.2018

Dann machte mich ein Artikel über duftende, essbare Kamelienblüten der Art Camellia sasanqua neugierig und ich fand zufällig im November 2009 drei verschiedene Sorten C. sasanqua  im Gartencenter Schley in Ratingen (nebst der üblichen Masse an Camellia japonica Sorten).  Diese Kamelien haben vor allem noch die Besonderheit, , dass die Blütezeit von C. sasanqua  im Herbst und Frühwinter ist.

Blüte der Sorte 'Narumigata'Blüte der Sorte 'Narumigata'Das halte ich für einen wichtigen Vorzug. In unserem Klima sind die Monate Oktober, November, Dezember (zunehmend) ziemlich mild mit nur geringen Frosttagen und -graden.  In diesem Jahr z.B. gab es bisher etwas Frost Anfang November.  Mit Januar handelt es sich um die blütenärmste Zeit im Jahr und gerade dann verwöhnen uns die Sorten von C. sasanqua mit ihren Blüten. Da nie alle Blüten auf einmal aufgehen, machen ihnen einige Frosttage, selbst wenn die Blüte unter dem Frost leiden sollte, wenig aus. Ist der Frost vorbei und wird es etwas wärmer, kommen die nächsten zum Vorschein. Das hat natürlich zur Folge, dass - zumindst wenn sie im Garten ausgefpflanzt sind - niemals die ganze Kamelie im vollen Blütenkleid steht. Auch war die züchterische Bearbeitung bisher so zurückhaltend, dass es im Wesentlichen nur ungefüllte und halbgefüllte Sorten gibt. Aber was will man im Dezember mehr?

Blüte der Sorte 'Hinode-gumo'Blüte der Sorte 'Hinode-gumo'Was machen meine drei Exempklare C. sasanqua heute?  Die Sorte  'Narumigata' gilt wohl als die Standardsorte. Ich habe sie, wie die beiden anderen, jahrelang im Kübel gehalten und bei Frost in den nur frostfrei gehaltenen Wintergarten gestellt. Außerdem habe ich sie als Bäumchen gezogen, d.h. nur einen Haupttrieb bis zur gewünschten Höhe wachsen lassen  und alle anderen Trieibe und Seitentriebe im späten Frühjahr abgeschnitten. Vor zwei Jahren  ist mir die Pflanze im Gefäß zu groß geworden und ich habe sie ausgepflanzt. 'Narumigata' hat im September angefangen zu blühen und ist jetzt im Dezember im Blütenhöhepunkt. Seine  ca 8 cm großen Blüten sind weiß mit einzelnen rosa anlaufenden Rändern. Der Habitus ist straff aufrecht. Ausgepflanzt habe ich das ca. 1,70 m hohe Bäumchen etwas geschützt nahe der Westwand des Hauses, von dem das Nachbarhaus  die baurechtsüblichen 6 m entfernt steht, an der Grenze wächst eine Buchenhecke.  Sonne gibt es nur kurz, dann aber  zur Mittagszeit.

"Hinode-gumo": man erkennt die überhängende Wuchsform"Hinode-gumo": man erkennt die überhängende WuchsformDas Bäumchen der zweiten Sorte, 'Hinode-gumo', mit rein weißen, ähnlich großen Blüten steht etwas weniger geschützt, weil am Ende der Hauswand Richtung  Süden, aber direklt an der  Hecke. Sehr schön sind hier der hängende Wuchs der Äste mit den gut sichtbar glänzenden Blättern, was das Bäumchen auch im Sommer attraktiv macht. 'Hinode-gumo' hat gerade jetzt im Dezember zu blühen begonnen. 

'Yuletide', die dritte Sorte, hat rostrote, einfache, anemonenförmige Blüten und soll, wie der englische, aber aus dem nordischen Sprachraum stammende, Name sagt, zur Weihnachtzeit blühen. Bei mir klappte das nur, wenn die Kamelie immer ab Herbst im Wintergarten stand, ansonsten blühte sie  erst im Februar. Leider ist die Pflanze bei mir vor drei Jahren auf Grund eines Danaergeschenks eingegangen: die kostenlose Probedüngerbeigabe eines Pflanzenversenders erwies sich Sorte 'Yuletide'; Foto aus 2015Sorte 'Yuletide'; Foto aus 2015 leider - nicht nur bei der Kamelie - als Pflanzenvernichtungsmittel.

Zur Frosthärte von C. sasanqua Sorten machen die Pflanzenversender kaum Angaben, angeblich, weil zu wenig Erfahrung verliegt. Nach meiner Erfahrung vertragen  sie ganz gut Frost bis  -10 Grad C und tiefer, jedenfalls wenn sie schon etwas größer und vor allem ausgepflanzt sind. Im kleineren Topf dagegen kann es zu irreparablen Wurzelschäden kommen, was mir im letzten Winter sogar mit der Pflanze einer "absolut" frostharten  Helleborusart  (Christrose) passiert ist. Ich decke die Wurzeln im Garten mit einer Schicht Rindenmulch ab und wenn es kälter wrid, ziehe ich vorsichtshalber einen alten Bettbezug über den  Wipfel. 

Seit letztem Winter habe ich eine kleine Kamelie  Camellia x vernalis  (= Frühjahrskamelie) 'Shibori-egao' die gerade  im Wintergarten mit einer halbgefüllten weiß-rosa Büte aufwartet. Ob das auch draußen so sein wrid, muss ich abwarten.

Der ameririkansiche Züchter Camellia x vernalis Shibori-egao'Camellia x vernalis Shibori-egao'Ackermann hat C. sasanqua mit C. oleifera gekreuzt. Diese sog. Ice Angels Kamelien sollen bis -20 Grad C winterhart sein. Ich werde mir eine bestellen und zwar  'Winter's Star', die auf dem Foto wie eine rosafabene 'Yuletide' aussieht (auch wenn ich mir vorgenommen habe, künftig weniger Töpfe zu haben). Die Blütezeit soll Oktober bis November sein .

Mit dem Duft der C. sasanqua allerdings ist es so eine Sache, da er sich frühestens ab 10 Grad C zeigt und auch zu den eher schweren, würzigen Tönen zählt.  Und vergessen habe ich, die Blüten zu essen. Das aber hole ich morgen im Salat nach. Entscheidend aber ist: für mein Karl Förster entlehntes Motto "Es wird durchgeblüht" sind die im Herbst und Winter blühenden Kamelien unverzichtbar, ja mehr, ein wahres Winterwunder.

 

Literatur: Peter Fischer, Pflegeleichte Sasanqua Kamelien, Gartenpraxis 2/1991, der die Vorzüge dieser Kamelie geradezu hymnisch preist (Ich stehe also nicht allein); https://www.mein-schoener-garten.de/gartenpraxis/ziergaerten/winterharte-kam

Bezugsquelle:  http://www.kamelien-24.de/


 

 

Mispel: Baum der Missverständnisse

In meinem Vorgarten steht ein Mispelbaum (Mespilus germanica). Gerade jetzt im November, wenn der Baum voller Früchte hängt, bleiben Passanten öfter stehen und fragen nach dem Namen des Baumes. Die Antwort "Eine Mispel"  verwirrt sie meist, den sie hören stattdessen "Mistel". Aber dieser auf Bäumen sich festklammernde Halbschmarotzer, dessen Zweige sich viele zu Weihnachten ins Haus holen und der in Asterix vom Druiden Miraculix  für seine Zaubertrank benutzt wird, hat mit der Mispel nichts zu tun.Der Mispelbaum hängt voller FrüchteDer Mispelbaum hängt voller Früchte

Auch wer nach Rezepten für die Mispelfrüchte im Internet sucht, kann leicht einem Irrtum untrerliegen. Denn die meisten Mispelrezepte gelten für die japansiche Wollmispel (Eriobotrya japonica), einem mediterranen Baum, der mit unserer Mispel botanisch  nur weitläufig verwandt ist  und nicht zu den eigentlichen Mispelgewächsen zählt. 

Auffallend die schönen Staubfäden. Foto 12.05.2018Auffallend die schönen Staubfäden. Foto 12.05.2018Der Mispelbaum  ist von breitwüchsiger, fast bizarrer Gestalt, weil seine Äste quer durcheinander wachsen, was sich besonders im blattlosen Zustand erkennen lässt.  Er hat im Mai sehr hübsche, weiße Blüten, die etwas größer als eine Apfelblüte sind, aber einzeln stehen und wegen der nicht ganz regelmäßig geformten Blütenblätter etwas "unordenttich" aussehen. Die Blätter sind ungewöhnlich länglich geformt und die Mispelfrüchte ähneln ein wenig kleinen, dicken Birnen. Allerdings fallen die fünf langen, festen Kelchblätter an der flachen Vorderseite, die eine kleine Krone bilden,  als Besonderheit ins Auge. 

Seit ich den Mispelbaum habe, frage ich mich, was ichmit den reichlich anfallenden Früchten anfangen könnte.  Sie haben nämlich die Besonderheit, dass sie zunächst sehr Die Blüten stehen einzeln, nicht wie beim Apfel in Büscheln; schön die längliiichen Blätter.Die Blüten stehen einzeln, nicht wie beim Apfel in Büscheln; schön die längliiichen Blätter.hart sind und, wenn man reinbeißt, sehr adstringierend schmecken, was mit dem hohen Vitamin C Gehalt zusammenhängt. Viel später werden sie dann teigig und man kann sie gut essen, wenn sie nicht vorher zu Boden gefallen sind und zu Matsch geworden sind. Ich mag sie dann ganz gerne, auch wenn die beiden großen Steine etwas stören, an denen das Fruchfleisch ein wenig anhängt, denn sie haben dann einen Geschmack nach Karamell und Apfel. Ein leckeres Mus, das man gar nicht kochen muss. Sehr einladend sieht die Farbe des  dann weichen Fruchtfleisches,  ein helles erdiges Braun, allerdings nicht aus.

Beim Recherchieren für diesen Blog habe ich gelernt, dass es nicht zutrifft, dass die Früchte Frost zur Reife bräuchten. Deswegen nützt es auch wenig, sie ins Tiefkühlfach zu legen, wie mein Eigenversuch zeigte, obwohl dies oft empfohlen wird.  Auch das ist ein Missverständnis. Gut zu erkenne: das Krönchen.Gut zu erkenne: das Krönchen.Vielmehr halte ich mich jetzt an diesen internetrat: "Die Mispel sollte noch im harten Zustand im Spätherbst geerntet werden und mit dem Krönchen nach unten auf einem Blech locker aufgelegt nachreifen. Während dieser Lagerreife werden die Gerbstoffe abgebaut, ihre Fruchtaromen freigesetzt und die Konsistenz des anfangs harten Fruchtfleisches wird teigig weich. Die Mispel muss nach dem Reifeprozess rasch verarbeitet werden und liefert eine vielfältige Produktpalette vom Saft über Marmeladen bis zum Schnaps.( http://www.heckipedia.at/mwiki/index.php%3Ftitle%3DMispel_-_Mespilus_germanica). Ein Brennlizenz für Schnaps habe ich freilich leider nicht.

 Versucht habe ich, die noch harten Früchte in Wasser  zu Mus zu kochen. Den Geschmack fand ich - nach Zuckerung - frisch, ansprechend und differenziert, also überraschend gut. Die noch unreife Frucht; nur leicht heben sich die künftigen Steine farblkch ab.Die noch unreife Frucht; nur leicht heben sich die künftigen Steine farblkch ab.Auch löste sich die Schale gut auf. Nur die Steine wollten sich nicht recht vom Mus trennen lassen, was beim Essen wegen des ständigen Ausspuckens der Steine dann doch sehr lästig war.

Meine Hoffnung ist, dass Sie , liebe Leser, mir mit der Verwertung der noch hartenFrüchte auf die Sprünge helfen und aus Ihrem Erfahrungsschatz berichten. Denn die Verarbeitung der reifen Mispeln ist doch eine ziemlich matschige Angelegenheit.

Schließlich mag der eine oder die andere ja einen besonderen Bezug zu diesem Baum haben, weil es - soweit ich weiß - die einzige Pflanzenart ist, die zur Artbezeichung das Attribut "germanica" trägt. Carl von Linné soll bei der Benennung geglaubt haben, dass die Mispel in Deutschland heimisch sei, weil sie hier damals häufig vorkam.  Aber leider: auch Musversuch aus unreifen MispelfrüchtenMusversuch aus unreifen Mispelfrüchtendas war ein Missverständnis. Die "deutsche" Mispel kommt aus dem Morgenland.

 Ein Rezept habe ich noch gefunden: https://www.fug-verlag.de/on1237

Mispelmarmelade

        Tipp: Mispeln lassen sich gut mit Äpfeln mischen.

         1 kg reife Mispeln (mehrere Wochen gelagert) schälen und durch ein Sieb passieren.Das         Fruchtfleisch mit 750 g Zucker und 0,5 Liter Wasser  eine halbe Stunde leicht kochen         lassen. Der cremigen Masse können am Schluss noch ca. 4 Esslöffel Rum oder Whisky         beigefügt werden, sie  wird dann in saubere, evtl. aufgeheizte Gläser abgefüllt,         verschlossen und verkehrt herum an einem dunklen und kühlen Ort gelagert.

 Weitere Rezepte:  https://www.mein-schoener-garten.de/pflanzen/obst/mispel-12491

 

Wie eine Grafik: der bizarre WuchsWie eine Grafik: der bizarre Wuchs

 


 

Trompetenkonzert nach Duft-Noten

Brugmansia sauveolens ?Brugmansia sauveolens ?Eigentlich hatte ich für den Oktober eine andere Pflanze vorgesehen, aber die Rekordtemperaturen dieses Sommers und Herbsts haben zu einer ungewöhnlichen üppigen Herbs tblüte der Brugmansien (früher zu den Daturen gezählt) in den Töpfen auf meiner Terrasse geführt, so dass ich die deutsche Bezeichnung "Engelstrompete" durchaus als gerechtfertigt empfinde. Ich habe drei verschieden Pflanzen, die jetzt im Herbst fast 2 m hoch gewachsen sind. Mehr von diesen großen Pflanzen verträgt meine Terrasse nicht und kann ich auch nicht überwintern. Alle drei habe ich wohl schon mindesten 15 jahre und in den letzten Jahren entgegen allen Pflegeempfehlungen nicht mehr umgetopft, aber das scheint sie nicht sehr zu stören.  

Wegen der langen Zeit kann ich auch nichts mehr zur genauen Art oder Sorte sagen. die Brugmansia arborea ?Brugmansia arborea ?rosafarbene dürfte Brugmansia suaveolens sein und die weiße Brugmansia arborea. Die dritte ist eine apricot-rosa gefüllte Sorte, die ich vor Jahren bei Anne Kirchner-Abel in Duisburg  erworben habe. Ihr ist es erstmals gelungen, - wenn ichmich recht erinnere als Autodidaktin -  gefüllte Brugmansien systematisch zu züchten und es lohnt sich zur Brugmansienblüte einmal nach Duisburg hinzufahren.

Obwohl es heißt, dass die Engelstrompeten die pralle Sonne lieben, glaube ich, dass ihnen gelegentlich ein wenig Scahtten ganz lieb ist.  Jedenfalls waren sie bei mir nach einer ersten Blüte dann im Sommer ziemlich blühfaul, um jetzt endlich zur Hochform aufzulaufen. Am üppigsten blüht die weiße und Ihre Blüten halten auch länger als die der rosafarbenen. Auch durftet sie besonders stark. (Diese Eigeschaften sprechen nach derLiteratur  auch Brugmansia mit gefüllter TrompeteBrugmansia mit gefüllter Trompetedafür, das es sich um Brugmansia arborea handelt.)

Die gefüllte Sorte wrid nicht so hoch wie die anderen und sie ist auch etwas heikler,  was die Blüte angeht. Aber wenn sie blüht, dan sind die gerüschten äußeren und inneren Blütenblätter mti den ausgezogenen Spitzen wirklich sehenswert.

Ob Brugmansien bald Blütenknospen bekommen,  kann man an den Zweigen und Blättern erkennen. Zum einen muss sich der Trieb  verzweigt haben, zum anderen muss der Blattansatz der Blätter asymetrisch am Blattstiel ansetzen. Zur Beschleunigung der Blühfähigkeit von Stecklingen, die übrigens sehr leicht bewurzeln, wird daher von manchen empfohlen, nur Stecklinge zunehmen, die diese Ausprägung aufweisen. Bei mir hat das allerdings nicht zum erwünschten Erfolg geführt.Harmonie in weiß und blau (mit Tibouchina urvilleana, der sog. Prinzessinnenblume)Harmonie in weiß und blau (mit Tibouchina urvilleana, der sog. Prinzessinnenblume)

Wie viele andere Kübelpflanzen sind Brugmansien durstig und hungrig nach Dünger. In heißen Zeiten kann das heißen, dass täglich gegossen werden muss, wobei ein großrer Untersetzer, der  voll gefüllt wrid, die Gießintervalle verlängert. Habe ich nicht rechtzeitig Wasser gegeben, werden die Blätter schlapp und häufig vergilben die untersten und fallen ab, auch wenn dann gegossen wrid. Ich lasse die Pflanzen im Herbst , so lang es geht, draußen. Dann werden sie um zwei Drittel zurückgeschnitten und in den nur frostfrei gehaltenen  Wintergarten eingeräumt. Der starke Rückschnitt  mag die Zeit bis zur Blüte verlängern, ist aber dem Platzbedarf geschuldet. Außerdem werden die Brugmansienblätter  im Winterquartier unweigerlich  von Schädlingen befallen. Da sind viele Blätter nur nachteilig. Mit dem Wasser muss man im Winter sparsam umgehen. Sobald kein Frost mehr droht, kommen sie wieder auf die Terrasse.  Die dann vorhandenen Blätter vertragen das Licht im Freien schlecht und fallen oft ab, aber bald  sprießt neues Grün.Nachtstück 1 mit herb-zitronigem Duft Nachtstück 1 mit herb-zitronigem Duft

Das Beste zum Schluss: Wenn es dunkel geworden ist, erfüllen die Engesltrompeten die Terrasse mit einem sehr angenehmen Duft. Dafür muss man die Nase nicht in die Blütentrompete stecken, den es wabern wahre Duftwolken herum. Die Duftnoten der einzelnen Pflanzen sind unterschiedlich und bilden mit etwas Phantasie die Partitur einer Duft-Serenade für Engelstrompeten. Die Duftnote der rosafarbenen ist herb-zitronig, die der weißen ist süß-zitronig und die der gefüllten warm-süss, ohne aufdringlich zu sein. Beim Wein würde man dazu als Geschmack sagen "vollmundig". Also vollnasig? Was soll ich viel schreiben. Probieren Sie es aus!Nachtstück 2 mit süßem DuftNachtstück 2 mit süßem Duft

 

Bezugsquelle: Kübelplanzen Kirchner-Abel, Duisburg, http://www.engelstrompete.eu

Pflegetipps: https://www.mein-schoener-garten.de/gartenpraxis/balkon-terrasse/engelstrompeten-pflegetipps-5616

 


 

Fuchsien im Garten, nicht im Topf

Fuchsia regia subsp. reitzii, die kletternde Fuchsie an der Fassade des Landhauses 'Charleston' in SüdenglandFuchsia regia subsp. reitzii, die kletternde Fuchsie an der Fassade des Landhauses 'Charleston' in SüdenglandBei einer Südengland Radreise vor drei Jahren  stand auch das Landhaus 'Charleston' der Bloomsbury Group auf dem Programm.  Dabei handelt es sich um eine  Gruppe von jungen Künstlern und Intellektuellen aus begüterten Kreisen  (bekannt sind bei uns  z.B. Virginia Woolf und John Maynard Keynes ),  die sich während des  1. Weltkrieges aus London in das idyllische Landhaus 'Charleston' zurückgezogen hatten. Auch Vita Sackville- West, die Sissinghurst Gardens Schöpferin gehörte zeitweilig dazu. Damals als skandalös galt das erotische Beziehungsgeflecht der Gruppe. Mich faszinierte bei dem Besuch aber ein ganz anderes Geflecht  an der Fassade des Landhauses.  Tastsächlich, es war eine Fuchsie, die sich da an der Hauswand hochrankte, mindestens 6 m hoch. So etwas hatte ich noch nie gesehen: eine kletternde Fuchsie. Ich fand dann heraus, das es sich um eine Fuchsia regia subsp. reitzii handelte, die auch bei uns winterhart ist.

Ich selbst besitze diese Fuchsie nicht, weil ich keine Südwand mehr frei habe, dafür aber andere winterharte Fuchsien. Die auch sonst am häufigsten verwendete  ist wohl Fuchsia magellanica, eine natürliche Art aus dem Süden von Südamerika, die ca. 80 cm- 1 m  hoch wird, horstig mit einem Durchmesser von inzwischen 60 cm wächst und bei mir, zumal sie schon mindesten 10 Jahre im Garten steht, ohne jeden Winterschutz auskommt.  Die Blüten sind eher klein, die Kelchblätter sind rot und hängen immer etwas herunter, die innere "Röhre" ist blauviolett. Ich habe auch eine hübsche weiße Form, deren Kelchblätter schön waagrecht abstehen und außen leichte grüne Tupfer haben. Von ihr habe ich Stecklinge gemacht, die ich jetzt, anders als die "Mutterpflanze",  nicht mehr so schattig einpflanzen will, um meinen Anfängerfehler zu lorrigieren. 

Fuchsia magellanica  wird zu einem  kleinen Strauch von 1 m HöheFuchsia magellanica wird zu einem kleinen Strauch von 1 m Höhe 

Fuchsie magellanica var.  'Arauco', wird ähnlich hoch und ist dreifarbig : Das Rot des Fruchtknotens läuft in den Kelch über bis  zu den vier Kelchblättern, die aber  weiß sind sich über einer  blauen röhrenförmigen "Korolle" spreizen. Wie bei allen anderen F. magellanica Sorten ragen die Staubfäden und noch stärker der Stempel weit nach unten aus der Blüte heraus.  Wegen ihres kecken Aussehens mag ich die 'Arauco" noch mehr als die  Fuchsie magellanica. Sie gilt als völlig winterhart und hat bei mir drei Winter sehr gut überstanden.Die  dreifarbige Sorte 'Arauco' setzt sch frech in SzeneDie dreifarbige Sorte 'Arauco' setzt sch frech in Szene

'Heidi Anne' zu Blühbeginn mit hellblauer Korolle'Heidi Anne' zu Blühbeginn mit hellblauer Korolle In Gartencentern sind winterharte Fuchsien eher selten zu finden. Letztes Jahr entdeckte ich jedoch  die Sorte 'Heidi Anne'. deren Blüten eher den nicht winterharten Sorten der Fuchsien ähnelt. Sie hat  breite rote Sepalen, ein barockes halbgefülltes Röckchen anfangs hellblauer, dann blass lilafarbener und bei Blühende  weißer, innen bläulich überlaufender Kronblätter und einen unglaublich langen, die Staubfäden um das dreifache übertreffenden Stempel.  Trotz meiner Zweifel hat sie den letzten Winter überstanden. In Deutschland habe ich sie in keiner Sortenliste gefunden, aber in einer französischen, wonach sie bis  -18 Grad frostfest sein soll.  In England hat sie  den prestigeträchtigen "Award of Garden Merit" der Royal Horticultural Society erhalten.  Auf den Bildern dort  sieht sie allerdings etwas anders aus als die Blüte meiner Pflanze (?).  Leider hat mein Exemplar in der Größe gegenüber dem letzten Jahr nicht zugelegt, entweder weil doch zu schattig gepflanzt oder weil die Wühlmäuse  ihr zu schaffen machen. Sollte sie den Winter überstehen, wird sie sonniger gepflanzt.

Fuchsia magellanica im DetaiilFuchsia magellanica im Detaiil

 Fuchsien sind nicht jedermanns  Liebling und Freilandfuchsien schon gar nicht, denn ihre Einzelblüten sind meistens recht klein. Außerdem wird behauptet, dass sie sich wegen ihrer eignwilligen und auch einmaligen Blütenform  schlecht in Gartensituationen einfügen. Das kann ich nicht so recht nachvollziehen, denn wenn die Südamerikanerinnen bei uns zur  Hauptblüte auflaufen,  im Herbst,  gibt es im Garten nicht mehr so viele andere  Stauden, die noch blühen. Wobei  - Staude ist für die Fuchsie nicht ganz richtig; vielmehr handelt es sich um einen Halbstrauch, dessen Triebe mit der Zeit verholzen.

Ich selbst finde Freilandfuchsien hingegen ganz praktisch. Sie treiben sehr spät aus; dann erst, im Frühjahr, wenn sich die ersten Neutriebe zeigen, schneidet man die verholzten alten zurück und lange nimmt man sie im Blütenmeer des späten Frühjahrs und des Sommers nicht wahr bis die Triebe auf  einmal 80 cm bis 1 m  erreicht  haben und immer mehr Blüten  sich öffnen bis der ganze Strauch voller Blüten ist. Denn die reiche lange Blüte ist ein großes Plus der Gartenfuchsie.

Die weiße Form von Fuchsia magellanica: Sehr schön der Hauch von grünen Tupfern auf den Sepalen, die waagrecht abstehen. Die weiße Form von Fuchsia magellanica: Sehr schön der Hauch von grünen Tupfern auf den Sepalen, die waagrecht abstehen. Anders als die nicht winterharten Fuchsien wollen  Freilandfuchsien nicht im Schatten stehen, sondern lieben Sonne oder mindestens Halbschatten, nur sollte der Boden nicht zu trocken sein. Kenner empfehlen, den Wurzelballen  beim Einpflanzen 10 cm tiefer zu setzen, weil dann die  Überwinterungsknospen den Winter besser überstehen sollen. Das habe ich nicht gewusst und nicht gemacht, werde ich aber künftig beachten. In einem noch immer lesenswerten Artikel von Morgenstern und Hertle  (s.u.) wird über eine Versuchspflanzung von 40 Arten und Sorten berichtet und erstaunlicherweise als Erkenntnis festgehalten, dass eine Laubabedeckung im Winter eher nachteilig sei. Kinderleicht ist die vegetative Vermehrung der Fuchsien. Einfach einen noch nicht verholzten Trieb abschneiden, die unteren Blätter entfernen und ihn ein Glas Wasser stecken oder besser gleich in mit viel Sand vermischte Erde, eine Plastikhaube drüber, und in ein paar Wochen ist die Bewurzelung erfolgt. Wer es bei der Fuchsia regia subsp. reitzii probiert,  hat in ein paar Jahren ein Ergebnis wie beim Landhaus 'Charleston'. Es muss nicht immer Efeu sein.

Literatur: Achim Morgenstern/Bernd Hertle, Winterharte Fuchsien als Partner der Stauden, Gartenpraxis 2002 Nr. 3 S. 9 ffDie betagte 'Mrs. Popple' - 119 Jahre alt und nach wie vor attraktivDie betagte 'Mrs. Popple' - 119 Jahre alt und nach wie vor attraktiv

Informationen:  Deutsche Fuchsiengesellschaft  https://www.deutsche-fuchsien-ges.de/pflegetipps/Winterharte.php;

Bezugsquellen: Fuchsiengärtnerei Rosi Friedl  https://www.fuchsien-friedl.de/winterhart.php mit mehr als 70 Sorten; Staudengärtnrei Gerhild Diamant  http://www.stauden-diamant.de/index/lang/de/artikel/24

Nachschrift 30.09.2018: Ich konnte es nicht lassen und habe noch eine Gartenfuchsie gekauft: 'Mrs. Popple', eine britische Züchtung von 1899, also 119 Jahre alt, die lt. Morgenstern/Hertle gut winterhart sein sein.  Sie ähnelt  etwas der F. magellanica, die Blüten sind aber mindestens doppelt so groß.

 


 

 Die Blume des Paters Delavay

Sie gehört zu meinen absoluten Lieblingsblumen, die China- Wiesenraute.   Dass sie in Europas Gärten wächst, verdanken wir einem franzöischen Missionar: Pierre  Jean Marie  Delavay . Er lebte von 1834-1895, also in der großen Zeit der, wie es die Engländer ausdrücken, "Planthunters". Delavay schickte allein 200.000 Herbarbelege nach Paris an das Museum für Naturgeschichte, so dass 1.500 neue  Arten  identifiziert werden konnten, die er hauptsächlich in Yunnan gesammelt hatte.  Seine Leidenschaft für das Sammeln von Pflanzen wurde nicht einmal durch die Beulenpest gebremst, an der er sich bei der Krankenpflege angesteckt hatte.  Überliefert ist auch, dass er auf chinesischen Märkten Frauen freigekauft haben soll, die Piraten in Annam (heute Teil Vietnams) geraubt hatten.

Eine BlütenstandEine BlütenstandDie Botaniker haben mit dem lateinischen Namen Thalictrum delavayi für die China-Wiesenraute dem leidenschaftlichen und großherzigen Pater ein Denkmal gesetzt und ich schicke ihm einen ganz herzlichen Dank hinterher.  Was macht nun diese Wiesenraute so besonders. Es sind ihre filigrane, elegante Erscheinung, ihre lockeren, leichten Blütenstände und ihre vielen kleinen, aber eindrucksvollen Blüten.  Thalictrum delavayi wird bis ca. 1, 80 m hoch, hat Blätter, die an die Akelei erinnern, unpaarig gefiederte Blätter,  die in kleinen rundlichen Blättchen enden. Die Einzelbättchen sind kleiner und zierlicher als bei der Akelei, mit der die Wiesenraute verwandt ist. Die Blütenstände sind risipenartig, ganz locker aufgebaut und haben bis zu 200 Einzelblütchen. Es gibt viele andere schöne Wiesenrautenarten, aber von den meisten anderen unterscheidet sie sich durch die Einzelblüte. Während die anderen nur Staubfäden und Stempel aufweisen, kontrastieren bei der China-Wiesenraute  hell-rosalila Hüllblättchen mit gelben Staubfäden.

Mit Schneewittchen und RhododendronMit Schneewittchen und Rhododendron In meinem Garten steht die Blume des Paters Delavay an einem halbschattigen, leicht feuchten Standort vor Rhododendron und der Rose Schneewittchen. Die Staude ist nicht übermäßig langlebig, da es aber immer wieder ein paar Sämlinge gibt, stört das nicht.  Manchmal ist eine Stütze sinnvoll, aber sonst gibt es keine Probleme. Nur im Frühjahr werde ich immer unruhig, denn die China-Wiesenraute treibt spät aus und ich habe Angst, dass sie über den Winter verschwunden sein könnte. Dann bin ich sehr erleichtert, wenn die ersten Blättchen zwischen den  Japanprimeln zu sehen sind. Noch nagt dann freilich der Zweifel, ob es nicht doch "bloß" eine Akelei ist oder sagar der Aufrechte Sauerklee (Oxalis fontana), der sich als Unkraut breit macht und dem Jugendstadium der China-Wiesenraute ähnelt. Aber bislang hat mich  die China-Wiesenraute noch nie im Stich gelassen.

Ob der Pater Delavay die China-Wiesenraute  als erster gesammelt hat  oder ob sie zu seinen Ehren nur nach ihm benannt wurde, habe ich leider nicht herausgefunden. Aber er steht für mich für die vielen unerschrockenen Planthunters des 19. Jahrunderts, deren englische, französische oder auch deutsche Namen sich heute  zur Bezeichnung der Art einer Pflanze in der botanischen Nomenklatur finden und ohne deren Sammelleidenschaft in gefährlichen und unwegsamen Gegenden Asiens und  Amerikas unsere Gärten  deutlich anders aussehen würden.

Informationen: https://www.mein-schoener-garten.de/pflanzen/wiesenraute-7166

Literatur: Christian Kress, Gelebte Leichtigkeit, Gartenpraxis 2017-03 S. 17-22 mit Hinweisen auf verschiedene Sorten von Th. delavayi

                    Toby Musgrave, Chris Gardner,  Pflanzensammler und -entdecker, Christian Verlag, München, 1999

Bezugsquelle: Sarastro Stauden

 


 

Wo der Geist der englischen Gartenlady umgeht

Disteln im Garten, das mag nicht jeder. Die stechen doch und sind Unkraut. Ich meine: falsch. Disteln können stolze,  eindrucksvolle Gartenpflanzen mit einem ganz eigenen Flair sein, aufdie man nicht verzichten sollte.   Dafür nenne ich zwei Klassiker aus meinem Garten als Beleg, wobei es sich allerdings nicht um echte Disteln im botanischen Sinne handelt.  Beide haben eine enorm lange Blütezeit, sehr zierende Samenstände und werden gern für Trockengestecke verwendet.

    

 

 

 

 

 

 

 Da ist zum einen die Kugeldistel (Echinops ritro), die ihre stahlblauen kugeligen Blütenstände über einen langen Zeitraum ab Juli nach oben streckt.  Die Kugel als rationalste Form der Oberfläche eines Körpers. Wegen der zetilichen Nähe fällt mir da der schöne Mond in der nacht der totalern Mondfinsternis am 27. Juli 2018 ein. Wo gibt es diese Blütenform der Kugel noch einmal im Reich der Stauden? Mir fällt nur - abgesehen von den verschiedenen Laucharten, die aber Zwiebeln ausbilden, das kleine alpine Kugelblümchen noch ein.  Die Kugeldistel ist also insoweit ein echter Solitär und will auch ein wenig so stehen - nicht zu sehr bedrängt von anderen Stauden. Im Übrigen aber ist  sie extrem pflegeleicht und ausdauernd, wenn ihr ein sonniger Standplatz zur Verfügung steht. In meinem Garten steht sie bestimmt schon 20 Jahre, ohne je verpflanzt worden zu sein.

 Kugeldistel (Echinops ritro) Foto:Julian KirchhofKugeldistel (Echinops ritro) Foto:Julian Kirchhof

  Totale Mondfinsternis, Foto: Julian Kirchhof, 27.07.2018, 23.04 Uhr, Standort Garten Klopstockstr. 2b, 44623 HerneTotale Mondfinsternis, Foto: Julian Kirchhof, 27.07.2018, 23.04 Uhr, Standort Garten Klopstockstr. 2b, 44623 Herne

Habitus der Elfenbeindistel, Foto: Julian Kirchhof Habitus der Elfenbeindistel, Foto: Julian Kirchhof Noch interessanter als die Kugeldistel finde ich allerdings die Elfenbeindistel (Eryngium giganteum). Die ganze Pflanze hat eine silbrige Anmutung, die weißen bis silbrigen Hüllblätter sind fein geadert und der kegelige Blütenstand steht kerzengerade darüber - eine geradezu erhabene Erscheinung.  Die Pflanze war wohl die Lieblingspflanze der englischen Gartenlady Miss Willmot,  deren Gartenleidenschaft sich mit einem gewissen Maß an Skurrilität gepaart hat. Deswegen heißt eine der schönsten Sorten  "Miss Willmots Ghost" und es gibt dazu eine hübsche Geeschichte, die man bei Stauden Gaißmaier nachlesenn kann. Wie bei einer echten Geistergeschichte will ich die Geschiche nicht nacherzählen, sondern man muss sich schon etwas Mühe machen, um Miss Willmots Geist auf den Grund zu gehen.  

 

Von oben sieht man die silbrig weißen Hüllblätter besonders gut.Von oben sieht man die silbrig weißen Hüllblätter besonders gut.

 

Einzelblütenstand der Elfenbeindistel bereits im Verblühen; Foto: Julian KirchhofEinzelblütenstand der Elfenbeindistel bereits im Verblühen; Foto: Julian KirchhofIm Gegesatz zur Kugeldistel kommt die Elfenbeindisitel bei mir im Garten sehr gut mit Halbschatten zurecht. Und während die Kugeldistel durchaus einmal mit Blattläusen zu kämpfen hat, habe ich bei der Elfenbeindistel niemals Schädlinge gesehen. Die Elfenbeindistel ist allerdings kein Staude, sondern wächst zweijährig, d.h. im ersten Jahr bildet sie nur eine Rosette aus, während die Blüte im zweiten Jahr folgt. Danach verschwindet sie, allerdings nicht, ohne sich auszusamen. Da die  Zahl der Sämlinge sich in Grenzen hält und die Sämlinge sehr ortstreu aufkeimen, macht das Halten am richtigen Standort  keine besondere Mühe. 

   

Weberkarde, verblüht mit Fruchtständen (Foto aus der Gruga, Essen, 25.07.2018)Weberkarde, verblüht mit Fruchtständen (Foto aus der Gruga, Essen, 25.07.2018)

Anders ist das bei der Weberkarde (Dipsacus sativus), die mit 1,20 m doppelt so hoch wächst und ein wenig wie die große Schwester der Elfenbeidistel aussieht.  Diese beeindruckende Pflanze, die man gelegentlich auf feuchten Wiesen finden kann, ist auch kulturgeschichtlich interessant, denn ihre drahtigen Fruchstände wurden schon im Mittelalter zum Kämmen und Aufrauen von Wolltüchern benutzt, was auch ihren deutschen Namen erklärt. Die Weberkarde habe ich schweren Herzens wieder aus meinem Garten entfernt, weil ich der vielen Sämlinge nicht mehr Herr wurde. Das war selbst mir zu viel, wo ich doch gar nichts dagegen habe, wenn jemand meinen Garten als wild bezeichnet.

Schwerer wiegt da schon, dass mein Sohn ihn als Guerilla -Garten bezeichnet hat, denn alle Pflanzen sind ehrlich erworben. Zur Strafe musste er ein Foto des Alpenmannstreu (Eryngium alpinum) vom Naturstandort beisteuern. Dieser nahe Verwandte der Elfenbeindistel, eine Staude mit blauen Blütenständen, müsste von den Standortbedingungen in meinen Garten passen und ist daher ein Projekt der nächsten Saison. 

Alpenmannstreu am Naturstandort in Kroatien (Foto: Florian Kirchhof)Alpenmannstreu am Naturstandort in Kroatien (Foto: Florian Kirchhof)

                                                         Einzelblütenstand Alpenmannstreu (Eryngium alpinum) Foto: Florian KirchhofEinzelblütenstand Alpenmannstreu (Eryngium alpinum) Foto: Florian Kirchhof

 Die wunderschöne blaue Blüte des Alpenmannstreu (Foto: Florian Kircfhhof)Die wunderschöne blaue Blüte des Alpenmannstreu (Foto: Florian Kircfhhof)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

Erkaltete Liebe zur "Brennenden Liebe"?

(Liebe Leser des Blogs, neben den links stehenden Bildern sollten eigentlich noch weitere Bilder stehen, was aber im Moment nicht funktioniert. Aus bestimmten Gründen habe ich dieses häßliche Gesamtbild dennoch stehen lassen: Entschuldigung)

Welch ein Name: "Brennende Liebe". Das regt sofort die Phantasie an und vor allem: So schnell vergisst man diesen Namen nicht. Dagegen können die anderen kursierenden Namen nicht an. "Scharlachlichtnelke" bezieht sich auf die feuerrote Farbe der Blüte, aber unter Verweis auf eine schlimme Infektionskrankheit. Das sollte man dieser schönen Blume nicht antun. Malteserkreuz zeigt, dass die Namensgeber sich die Einzelbüten in der Dolde angesehen haben, ist aber etwas nüchtern und vernachlässigt den Gesamteindruck. Auch der lateinische Name Die Einzelblütenblätter sehen den Flügeln des Malrteserkreuzes ähnlich es sind aber fünf, nicht vier.Die Einzelblütenblätter sehen den Flügeln des Malrteserkreuzes ähnlich es sind aber fünf, nicht vier.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

"Lychnis chalcedonia", den der geniale Naturforscher Carl von Linné höchstselbst v ergeben hat, führt in die Irre: Denn  ihre eigentliche Heimat  sind Russland, Sibirien udnd Zentralasien, wo sie auf feuchten Wiesen und auf Böschungen an sonnigen Waldrändern wächst.. Vermutrlich ist sie jedo ch über die Türkei  im 16. Jahrhudnert nach Mitteleuropa gekommen, daher hat er sie nach der nach  der ehemaligen byzantinischen Stadt Chalcedon am Südausgang des Bosporus benannt.

Die Sonne lässt die Farbe leuchtenDie Sonne lässt die Farbe leuchten

 

 

 

 

 

 

 

 

Wer den richtigen Standort, nämlich sonnig, allenfalls etwas halbschattig hat, der nicht zu trocken und nicht zu wasserdurchlässig ist, kann mit dieser schöen Pflanze mit den schirmförmigen roten Blütenständen nichts falsch machen. Sie schmeckt den Schnecken nicht und Krankheiten hat sie auchnicht. Dabei ist sie mit ihren gleichmäßig etwa 80 cm hohen Stängeln auch noch sehr standfest. Die sehr böigen starken Winde der letzten Tage haben ihr nichts ausgemacht. 

Etwas schwächer kommt L. chalcedonia im Halbschatten, dafür schöne Kombination mit der dunkelroten Taglilie.Dahinter in rosa die zweijähirge Verwandte Lychnis coronaria (Vexiernelke).Etwas schwächer kommt L. chalcedonia im Halbschatten, dafür schöne Kombination mit der dunkelroten Taglilie.Dahinter in rosa die zweijähirge Verwandte Lychnis coronaria (Vexiernelke).Bei mir im Garten steht sie schon "ewig" an zwei Stellen, wo sie sich, wenn ich das Verblühte nicht abschneide, auch etwas aussät, ohne aber lästig zu werden, denn sie ist dann ortsdtreu. Oft bilden sich nach Rückschnitt nach der Blüte aus den Blattachseln neue kleinere Blütenstände, die natürlich nicht die Pracht der  Hauptblüte erreichen.

Die perfekte Gartenstaude also?  Für mich ja, aber trotz ihrer Beliebtheit in den vergangenen Jahrhunderten scheint sie unmodern geworden zu sein. Es gibt sie in den Pflanzenzentren kaum zu kaufen und man muss schon auf Spezialstaudengärtner zurückgreifen, obwohl sie die perfekte Anfängerpflanze wäre. Liegt es am kräftigen Rot? Denn vielen Gartenliebhabern sind starke Farben heute eher suspekt. Wie auch immer: Die Liebe zur "Brennenden Liebe" ist wohl bei vielen erkaltet.

Bezugsquelle z.B. Internetshop von Staudenkulturen Stade , wo auch eine weiße Form geführt wird.

 


 

 Vom Wald in die Küche: Bärlauch

 Wenn Kinder Eltern plötzlich mit Kenntnissen überraschen, die über das Wissen der Eltern hinausgehen, sind das Momente, an die man sich u.U. erinnert. So geschehen vor vielen Jahren  bei einer Urlaubsfahrt Anfang Mai  per PKW im Wienerwald, als in einem kleinen Tal der Waldboden von einem weißen Blütenmeer bedeckt war. Ausgestiegen bemerkten wir einen leichten Knoblauchduft. Die Eltern waren ratlos, unser Zwölfjähriger aber sagte trocken: Bärlauch.

 

 

 

 

 

 

 

Der botanische Name Allium ursinum dieser heimischen Pflanze entspricht dem deutschen (allium = Lauch; urs = Bär).  Woher der Namensbezug zum Bär kommt, entzieht sich meiner Kenntnis. Von der Pflanze Bärlauch hatte ich damals noch  niemals gehört und sie war sicher auch sonst ziemlich unbekannt. Keiner ahnte wohl damals, welche Karriere Bärlauch später in der Küche machen würde, so dass selbst mittelmäßige Restaurants heutzutage Bärlauchsuppe & Co. sogar im Winter anbieten (was ich zu dieser Jahreszeit niemals essen würde). In jedem Gartenmarkt kann man heute Bärlauch kaufen.

 Natürlich habe ich Bärlauch  seit Jahren im Garten. Zwiespältig bin ich, ob ich das anderen auch empfehlen soll. Ich habe schon Gärten gesehen, die sind so voller Bärlauch wie der Wienerwald. Sonst sieht man nichts. Das liegt an seinem unbändigen Ausbreitungsdrang, der sowohl über Tochterzwiebeln (noch relativ harmlos) als auch über Samen, die von Kleintieren weithin verschleppt werden und die alle zu keimen scheinen, erfolgt.

Obwohl wir den Bärlauch in einer feuchten Senke im hinteren Teil des Gartens angesiedelt haben, finden sich Pflanzen in der Wiese und im ganzen Garten. Mit Argusaugen wird zur Zeit der Blüte der Garten durchstreift und alle Blütenstände, die wir finden, werden entfernt. Wir finden aber niemals alle. Das Ausgraben der Pflanzen ist ziemlich schwierig, weil die Zwiebeln unglaublich tief sitzen. Auch das Abernten der Blätter stört den Bärlauch wenig. Er treibt einfach wieder aus.

Bärlauch neben Blutsauerampfer, der sich aus dem Gemüsebeet dahin selbst ausgesät hat, in der feuchten SenkeBärlauch neben Blutsauerampfer, der sich aus dem Gemüsebeet dahin selbst ausgesät hat, in der feuchten SenkeZurück zur Küche. Mir persönlich ist der Geschmack des Bärlauchs etwa zu aufdringlich, zu „roh“ (auch als Pesto). Empfohlen wird, die Knospen wie Kapern in Salz-Essig-Lake einzulegen, wofür ich bisher immer den Zeitpunkt verpasst habe. Vielleicht hat da ein/e Leser/in Erfahrung.

Das folgende Rezept einer Bärlauchtarte (nach „Landlust“) hat meine Frau ausprobiert und ich finde es sehr gut,  weil der Backvorgang den „rohen“ Geschmack sublimiert: Einen Quiche-Teig wie üblich vorbereiten, in die Form geben, einen Rand ziehen und mehrfach einstechen. Für den Belag 200 g Frischk&

 

 


 

Tulpen, die heiklen Frühlingsboten – gibt es Ausnahmen?

Seien wir ehrlich, mit Tulpen haben die meisten von uns auf Dauer kein Glück im Garten. Blühen im Jahr  nach der Pflanzung noch  - wie auf der Packung oder im Katalog versprochen – fast alle Zwiebeln recht schön, so mickern sie aber schon im nächsten Jahr, haben verunstaltete Blätter und Blüten und nach drei, vier Jahren ist außer ein paar einzelnen Blättern von ihnen nicht mehr viel zu sehen.  Man gibt das nur ungern zu, denn schließlich sind ja Tulpen unsere klassischen Frühlingsboten.

Das Wort „unsere“ ist freilich zu hinterfragen, denn die Heimat der Tulpen ist nicht Mitteleuropa, sondern sie lieben mediterranes Klima mit sehr heißen, trockenen Sommern. Genau die können wir aber hier nicht bieten und der Boden in meinem Garten ist außerdem noch sehr schwer und hält die Feuchtigkeit, so dass die Tulpenzwiebeln im Sommer nicht in der Erde „backen“, sondern schwimmen und unter Fäulnis leiden. Natürlich könnte man die Zwiebeln, wie es oft empfohlen wird, nach dem Vergilben der Blätter aus der Erde nehmen und im Herbst wieder einpflanzen. Ich habe mir das schon oft vorgenommen, aber noch nie gemacht.

Gibt es Alternativen? Vielfach wird gesagt, Wildtulpen, also Tulpen der natürlichen Arten, seien besser geeignet und könnten in unseren Gärten sogar „verwildern“. Meine Erfahrungen mit vier Wildtulpenarten will ich hier gerne schildern.

Sehr lange (mindestens 15 Jahre) habe ich schon Tulipa sylvestris, die verwildert in Weinbergen vorkommen soll und deswegen deutsch Weinbergstulpe heiß. Sie steht in  einem nicht sehr steinigen „Steingarten“ in einem etwas abschüssigen Bereich neben einer Terrasse und treibt dort viele Blätter, allerdings in diesem Jahr nur fünf Blüten. Sie hat etwas hängende Knospen, rein gelbe Blüten, die sich bei Sonne öffnen. Man sagt ihr nach, dass sie etwas blühfaul sei, was zu stimmen scheint. Jedenfalls sollte ich im Herbst ein paar Zwiebeln nachpflanzen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Tulipa saxatilis, die Felsentulpe wächst seit vielen Jahren direkt an der Südhauswand, so dass die Zwiebeln im Sommer ziemlich trocken stehen. Aus ein oder zwei Exemplaren sind inzwischen ca. 12 geworden, die alle blühfreudig sind. Die Blüte ist aufrecht stehend, rosa mit einem gelben Schlund. Hier passt also alles.

 

 

 

 

 

 

   Meine Lieblingstulpe ist Tulipa clusiana, die Damentulpe heißt, weil sie so zierlich und elegant ist. Es gibt sie rot-weiß und rot-gelb längsgestreift, die rot-weiße finde ich noch etwas schöner. Ich gebe zu, dass ich sie schon ein paarmal nachgepflanzt habe, weil  nicht immer alle wiederkommen. Die lange Zeit nicht erhältliche rot-weiße Form habe ich vor zwei Jahren sehr geschützt an die Südwand gepflanzt. Mal sehen.

 

 

 

 

 

 

 

 

Eine große Überraschung ist für mich eine rote Wildtulpe, die vermutlich Tulipa hageri ist. Ich habe sie im vorletzten Herbst im Gartenmarkt gekauft, weil draufstand, dass sie im Rasen verwildern würden, was ich nicht glaubte und deswegen probieren wollte.  Leider habe ich den Namen nicht notiert und mir nicht gemerkt, so dass ich mich auf die Nachbestimmung  mittels Literatur und die Diskussion in meiner  Familie verlassen muss. Wie auch immer, diese rote Tulpe, die ich natürlich beim Pflanzen im Rasen mit reichlich Kalksplitt unterfüttert hatte, blüht mit einer gleichen Anzahl Blüten wie im ersten Jahr oder noch ein paar mehr oft mit mehreren Blüten aus einer Zwiebel.  Aber zwei Jahre sagen noch wenig.

Es lohnt sich, die Tulpen am Straßenrand aus der Nähe zu betrachtenEs lohnt sich, die Tulpen am Straßenrand aus der Nähe zu betrachtenWas ist das Fazit? Es kostet schon etwas Mühe, für die schönen Wildtulpen das richtige Plätzchen im Garten zu finden und dieses Plätzchen mit Splitt und sogar Steinen aufzubereiten. Aber mit etwas Glück blühen sie dann jahrelang und vermehren sich manchmal sogar. Übrigens, dass wir naturnahe Tulpen neben Narzissen jetzt auch gelegentlich im öffentlichen Grün sehen, hängt damit zusammen, dass Sraßenränder oft aus einer Mischung aus Schotter und Erde bestehen - da fühlen sich Tulpen leidlich wohl.

 Literatur: Schmid, Elisabeth, Zweibelblumen, Kosmos 2015

 


 

Das Monster aus dem Keller

Eines Tages brachte mein Sohn eine Knolle mit, die er bei der Pflanzenbörse des Botanischen Gartens  Düsseldorf erworben hatte und sagte, das sei der kleine Bruder des Titanenwurz im Bonner  Botanischen Garten. Nach dem Eintopfen der Knolle bildete sich ein gefleckter 1,5 cm dicker Stamm mit einem schönen schirmförmigen gefiederten Blatt und machte sich im Halbschatten im Kübel recht gut. Allerdings blühte die Pflanze nicht, so dass ich die genaue Art nicht herausfinden könnte. Inzwischen weiß ich, die Pflanze heißt Teufelszunge oder lateinisch Amorphophallus konjac. Im Herbst fiel der Stamm oder besser Blattstängel, denn es handelt sich botanisch um einen solchen, in sich zusammen und die jetzt viel größeren Knollen  sowie einige Tochterknollen  landeten ohne Erde im Keller. Seitdem wiederholt sich jedes Jahr das gleiche Spiel.

Die kleineren Tochterknollen zeigen nur eine kurze Spitze des späteren BlatttriebesDie kleineren Tochterknollen zeigen nur eine kurze Spitze des späteren BlatttriebesIm letzten Herbst entnahm ich den beiden Kübeln mit der Pflanze zwei auf  12 cm Durchmesser angewachsene Knollen und mehrere kleinere Tochterknollen, die ich wie meine Dahlien im dunklen, ungeheizten Hausanschlussraum auf einem Topfuntersetzer trocken lagerte und nie goss.

Diesen Kellerraum betrete ich selten. Desto überraschter war ich, als ich zufällig Ende Februar sah, dass die beiden großen Knollen  einen 40 cm langen Stiel/Stamm mit drei cm Durchmesser getrieben hatte, der von einer schlanken Turmspitze gekrönt wird.

Die schöne gefleckte Außenhaut derr Spatha vor der Öffnung.Die schöne gefleckte Außenhaut derr Spatha vor der Öffnung.

 

 

 

 

 

Anfang März habe ich die beiden in mit Kompost verbesserte lockere Blumenerde eingetopft, einen Langzeitdünger gegeben und sie in den (kalten) Wintergarten gestellt. Jetzt ist eine 1,30 m hoch, die andere  1,55 m. Allein die Blüte nimmt davon 65 cm bzw. 80 cm in Anspruch, also ca. die Hälfte. In zwei Monaten Wachstum von Null auf 1,55 m und das zunächst ohne Licht und Wärme  im dunklen Keller – wahre Monster also.

 Noch rechtzeitg im März, am 3.03.2018 , hat sich bei der größeren Pflanze das außen exotisch gefleckte Hochblatt (Spatha) der Blüte ganz geöffnet und man  kann auf dem langen dunkelvioletten Kolben (Spadix) am Grund zuoberst die hellen männlichen und darunter die dunkleren weiblichen eigentlichen Einzelblüten erkennen. Der Kolbenist nicht rund  wie bei anderen Arten der Gattung sondern lang und flach; der Name Teufelszunge ist dafür ein treffendes Bild. Das Weiße sind die männlichen kleinen Einzelblüten; im dunkleren Bereich daruntr befinden sich die weiblichen Blüten. Das Weiße sind die männlichen kleinen Einzelblüten; im dunkleren Bereich daruntr befinden sich die weiblichen Blüten.

Und der Duft?  Er wird als Aasgeruch beschrieben, um Fliegen anzulocken. Ich  finde ich ihn ziemlich  süßlich und nachdem sich die Spatha jetzt ganz geöffnet hat, ist der Wintergarten als Aufenthaltsraum für Menschen weniger  empfehlenswert. Sobald die angekündigten 20 Grad Celsius da sind, kommen die Ungetüme deswegen nach draußen. 

 Obwohl A. konjac als mehrjährige Staude beschrieben wird, hat sie bei mir die Blütezeit bislang kaum überdauert, sondern war zu erschöpft um noch richtig auszutreiben. Aber es gibt ja immer genug Tochterknollen, die im Mai eingetopft, dann einen schönen gefleckten Stamm (der eigentlich ein Blattstängel ist) und ein paar große gefiederte Blätter treibt, so dass das Ganze wie ein kleiner exotischer Baum anmutet. (Leider habe ich im Archiv kein Foto gefunden. Ich liefere es im Sommer nach.)  Im Herbst winkt dann wieder der Keller, wo die Knollen ruhen bis im Februar ein neues Monster erwacht.

So wie die Pflanze aussieht, muss sie giftig sein.  Stimmt aber nicht. In Japan baut eine ganze Lebensmittelindustrie auf  den geleeartigen Produkten aus der A. konjac  Knolle  auf  und auch bei uns wird ihr Mehl für Kosmetika und Mittel zum Abnehmen genutzt. Ich selbst habe aber noch nichts davon probiert – zumindest nicht bewusst.

Literatur: https://balkonpflanzen-pflege.de/amorphophallus-konjac/; https://de.wikipedia.org/wiki/Teufelszunge

 


 

Hilfe, Schneeglöckchen ante portas!

„Hannibal ante portas – H. vor den Toren“ war im alten Rom ein geflügeltes, von Cicero stammendes Wort, das unmittelbare Gefahr  ankündigen sollte. Gefahr durch Schneeglöckchen? Dabei gilt unser heimisches Schneeglöckchen (Galanlthus nivalis) als gar nicht so leicht ansiedelbar, insbesondere weil die kleinen Zwiebeln so schnell austrocknen. Experten empfehlen daher, Schneeglöckchen „in the green“ zu kaufen, also mit Blättern im Frühjahr.

Weil ich das nicht wusste und auch keine Ahnung hatte, wo man sie „in the green“ hätte kaufen könne, habe ich Zwiebelchen von Schneeglöckchen an einigen Stellen ausgepflanzt und meist sind sie auch gekommen. Nach einigen Jahren allerdings haben sie sich durch Aussaat und Bestockung ganz schön über mehrere Quadratmeter ausgebreitet, was ja auch schön aussieht.  Inzwischen sind die Schneeglöckchen auch schon dabei, den Nachbarsgarten zu erobern. Grenzen kennen sie  bzw. die die Samen verbreitenden Ameisen nicht.  Da die Schneeglöckchen gern dicht an dicht stehen, bedecken die Blätter nach der Blüte vollständig den Boden. Dadurch sind mir schon einige Stauden, die zwischen den Schneeglöckchenblättern austreiben wollten, verloren gegangen. Das waren mal 10 Zwiebelchen
Bild: Julian KirchhofDas waren mal 10 Zwiebelchen Bild: Julian Kirchhof

Schneeglöckchen sind nicht die einzigen kleinen Zwiebelpflanzen mit großem Ausbreitungsdrang. Andere sind viel schlimmer, wie einer der größten deutschen Gartenautoren, Fritz Köhlein, in einem Artikel schreibt, z.B. kleine Arten des Lauchs, wovon ich auch ein Lied singen kann. Mein besonderer Kampf gilt einer Lerchenspornart, dem Gefingerten Lerchensporn (Corydalis solida). Ich hatte einen schön anzusehenden kleinen Horst mit  hübschen roten Blüten gekauft. Inzwischen ist  im April ein ganzer Gartenteil voll mit diesem Lerchensporn– leider mit einer total verwaschenen Blütenfarbe und ich frage mich, warum sich das Ursprungsrot überhaupt nicht vererbt hat.  (Wegen meiner Abneigung gibt es auch kein Foto von Corydalis solida, vielleicht reiche ich es im April als Beleg nach).

Freilich kann man die großflächige Ausbreitung kleiner Zwiebel- und Knollenpflanzen auch ganz anders sehen. In den Niederlanden und in Norddeutschland gibt es Schlossparks, die bekannt sind für die sog. Stinzen- oder Stinsenpflanzen.  Das sind meist kleine Frühjahrsblumen, wie Schneeglöckchen, Narzissen, Krokusse, Milchsterne, Hasenglöckchen, die zum Teil vor Jahrhunderten gesetzt wurden und jetzt im Frühjahr mit einer Massenblüte  aufwarten.

Berühmt für seine unzähligen Schneeglöckchen, dessen Arten und Sorten, ist Anglesey Abbey in der Nähe von Cambridge/England. Dort sind wir den berühmten Winter Walk entlang gegangen. Im Juni. Nahezu völlig ohne Blüten oder sonstige interessante Aspekte. Um diese Zeit einfach langweilig.

Anders als bei großen Parks, wo man rein jahreszeitliche Effekte für bestimmte Flächen setzen kann, möchte ich in meinem Garten, dass überall fast immer etwas Blühendes zu sehen ist. Ich möchte nicht nur einen Blütenhöhepunkt im Jahr haben und dann Schluss. (Das ist natürlich Ansichtssache.)

Gefüllte Sorte 'Desdemona' des britischen Züchters Greatorex, der sich bei der Namensfindung seiner Sorten be Shakespeare bediente. Gefüllte Sorte 'Desdemona' des britischen Züchters Greatorex, der sich bei der Namensfindung seiner Sorten be Shakespeare bediente.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Was könnte man also tun? Das Abschneiden der Fruchtstände ist eine ziemlich mühselige Arbeit. Ein anderer Weg wäre, nur gefüllte Sorten zu pflanzen, deren Staubfäden zu Blütenblättern umgewandelt sind und die deswegen unfruchtbar sind und sich ausschließlich durch Brutzwiebeln vermehren können. Darüber würden sich die bestäubenden Hummeln freilich nicht gerade freuen. Vielleicht gibt es aber auch Arten des Schneeglöckchens, die   nicht so ausbreitungsfreudig sind wie das heimische Galanthus nivalis. 

Überall: Schneeglöckchen - Alptraum?
Bild:Julian KirchhofÜberall: Schneeglöckchen - Alptraum? Bild:Julian Kirchhof

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Jedenfalls sehe  ich schon die Stunde kommen, wo ich mich vor Alpträumen im Bett wälze, weil nur noch Schneeglöckchen im Garten zu sehen sind und alles andere mickert oder zugrunde geht.  Sollte ich also die Schneeglöckchen herausreißen? Das ist unmöglich. Zu viele, zu dicht an und in Rosen und Stauden. Ich will es auch nicht. Auf keinen Fall!  Denn ich mag ich sie ja viel zu sehr.

Literatur: Fritz Köhlein, Große Gefahr aus kleinen Zwiebeln, Gartenpraxis 9/2002; Stinsenpflanzen: Wikipedia; Beispiel: De Warande, NL, Nähe Doetinghem http://www.dewarande.nl/deutsch.html

Zu Schneeglöckchen: Michael Camphausen https://www.michaelcamphausen.de/pflanzen/galanthus-vorwort/; Günter Waldorf, Schneeglöckchen - Zauber in Weiß, DVA; Maria Mail-Brandt, Schneeglöckchen-ABC, Galanthus,  Wildarten und über 800 Sorten  m. 42 Farbf. (BOD Norderstedt 2015)

Event: Nettetaler Schneeglöckchentage, 17./18.02.2018, http://www.oirlicher-blumengarten.de/seiten/schneegloeckchentage_1.html Dort gibt es Schneeglöckchen, in vielen Arten und Sorten sowie andere Frühlingsblüher, immer „in the green“.


 

Kirschblüte zwischen den Zeiten

Frühlingsalpenveilchen (Cyclamen coum) weißFrühlingsalpenveilchen (Cyclamen coum) weiß

 

 

 

 

 

Schneeglöckchen (Galantus nivalis)Schneeglöckchen (Galantus nivalis)

 

Das außerordentliche milde Dezemberwetter hat bewirkt, dass sich jetzt, Anfang Januar, die  letzten Blüten des vergangenen Jahres, z.B. Rosen oder Storchschnabel und die ersten Knospen des neuen Jahres, z.B. Schneeglöckchen und Frühlingalpenveilchen  die „Hand reichen“ können. Auch die Haselsträucher zeigen schon ihre Kätzchen. Ob Auswirkung des Klimawandels oder natürliche Witterungsschwankung -  ich jedenfalls kann mich nicht erinnern, dies so ausgeprägt schon einmal erlebt zu haben. Selbst die Tageszeitung textet erstaunt  im Lokalteil, dass jetzt sogar die Gänseblümchen blühen.

 

                                                                                                                                                                                                                

Winterjasmin (Jasminum nudicaule) - Foto 2014Winterjasmin (Jasminum nudicaule) - Foto 2014Es gibt jedoch auch ein paar Gartenpflanzen, die sich genau  diese Zwischenzeit zum Blühen ausgesucht haben. Neben der Christrose, die jetzt gerade zur Hochform aufläuft, ist dies z. B. der gelbe Winterjasmin (Jasminum nudicaule), ein reich gelb blühender Kleinstrauch, bei dem man allerdings den Pflanzplatz genau aussuchen muss. Weil jeder seiner herabhängenden langen Peitschentriebe sofort in der Erde wurzelt, kann er innerhalb eines Jahres ein undurchdringliches Dickicht erzeugen und alles überwuchern. Weil das zu viel Schweiß und Ärger gekostet hat, habe ich mich von ihm wieder getrennt.

 

Mein kleiner Winterkirschenbaum (Prunus subhirtella 'Autumnalis'),
 rechts im Bild die wintergrüne Clematis armandii 'Appleblossom', die im März dann mit duftenden weißen Blüten mit der Kirsche und einer ebenfalls weißen, im Foto nicht sichtbaren, 
Zierquitte (Chaenomeles japonica 'Nivalis') blühtMein kleiner Winterkirschenbaum (Prunus subhirtella 'Autumnalis'), rechts im Bild die wintergrüne Clematis armandii 'Appleblossom', die im März dann mit duftenden weißen Blüten mit der Kirsche und einer ebenfalls weißen, im Foto nicht sichtbaren, Zierquitte (Chaenomeles japonica 'Nivalis') blüht

Gerade recht für die Blüte war die Witterung auch einem anderen Zwischenzeitgehölz, einer Zierkirsche Prunus subhirtella 'Autumnalis'. Auf Deutsch wird sie meist Winterkirsche genannt, was besser zu ihr passt als das lateinische 'Autumnalis', das auf den Herbst hindeutet. Sie zeigt sich jetzt im Garten mit relativ vielen kleinen weißen Blüten. Mein Bäumchen ist noch jung, aber auch ausgewachsen wird es nicht höher als 4-6 m werden. Eine so üppige Blüte  um diese Jahreszeit habe ich bei der Winterkirsche bisher noch nicht gesehen. Normalerweise zeigt sie im Winter, wenn es einmal etwas wärmer wird, immer nur einen Teil ihrer Blüte WinterkirscheBlüte Winterkirsche

 

Blüten, um dann im März alle restlichen aufblühen zu lassen.

Dass ich  mich jetzt an der Winterkirsche erfreuen kann, hängt mit einem Gendefekt dieser  Kirschsorte zusammen. Die eigentliche Art, die   japanische Higan-Kirsche (Prunus subhirtella) blüht im März, wenn es auch ausreichend bestäubende Insekten gibt. Normalerweise werden die Frühjahrsblüher durch ein Hormon am vorzeitigen Austrieb gehemmt, das erst durch eine längere Kälteperiode abgebaut wird. Die Winterkirsche hat zu wenig dieses Hormons, so dass auch kürzere Kälteperioden die Blüte auslösen, sobald es wärmer wird. Das ist ein klarer Nachteil für die generative Fortpflanzung der Kirsche, aber für unsere Gärten doch sehr schön. Im Stadtgarten Herne gibt es eine sehr schöne Allee dieser Bäume. Dort zeigen sich  die Blütchen jetzt aber nur sehr lückenhaft. Deswegen bekommt mein kleines Bäumchen jetzt ein Extralob. 

Viele Informationen  zur Winterkirsche: https://www.mein-schoener-garten.de/pflanzen/kirsche-zierkirsche/winter-kirsche-higan-kirsche-prunus-subhirtella

 

 


 

 

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